Remscheid: Zwei Jahre Haft für 15-Jährigen
zuletzt aktualisiert: 10.09.2008Remscheid (RPO). Wer bei dem Angeklagten, der sich gestern vor dem Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verantworten musste, bereits von einem jugendlichen Intensivtäter spricht, liegt richtig.
Zu häufig und zu gewalttätig waren die zuletzt im vergangenen Frühjahr abgeurteilten Delikte, die der 15-Jährige zu verantworten hat.
Als der Jugendliche nun mit einer neuerlichen, zweijährigen Haftstrafe konfrontiert wurde, begann er auch noch mit Richter Uwe Intorf zu diskutieren. „Das ist klar zu viel“, meckerte er. Darauf der Jurist: „Wer glaubst Du denn, hat Schuld an dieser Strafe? Das Gericht etwa?“ „Ja genau, das Gericht“, lautete die Antwort.
Weil er im Juni im Bökerspark einen Mann gemeinsam mit einigen Kumpels derart niedergeschlagen hatte, dass er einen doppelten Jochbeinbruch davontrug und stationär im Krankenhaus behandelt werden musste, stand der junge Türke diesmal vor dem Kadi. Dabei war der Anlass des Streits ein nichtiger.
Die Jugendlichen hatten im Park eine Bierflasche zerschlagen. Das spätere Opfer forderte die Gruppe auf, die Scherben wegzuräumen, da sich in der Nähe ein Kinderspielplatz befinde. Daraufhin entwickelte sich sofort eine Prügelei.
Heftig zugelangt haben bei der Auseinandersetzung wohl alle. Nur der Tritt, der die massiven Verletzungen bei dem bereits am Boden liegenden Geschädigten verursachte, kam wohl von dem Beschuldigten, wie er selbst zugab.
Allerdings gab es über die Art und Weise, wie er zugetreten hatte, Widersprüche. „Er hat von oben auf mich eingetreten“, erinnerte sich der Zeuge. Worauf der Delinquent nur meinte: „Nicht von oben. Eher so, wie man einen Fußball tritt.“
Eine Beschreibung, die die Staatsanwältin zu einem deutlichen Kommentar veranlasste: „Langsam geht mir hier der Hut hoch“, bemerkte die Anklagevertreterin verärgert. Zumal sich der Junge von allen bisher gegen ihn verhängten Maßnahmen offenbar unbeeindruckt zeigt. Erst im Mai war er wegen eines Angriffs auf zwei Mädchen zu einer achtmonatigen Jugendstrafe verurteilt worden. Ein Aufenthalt im Heim und in einem Erziehungscamp trugen auch keine Früchte.
Die neuerliche Einheitsjugendstrafe, in die das vorangegangene Urteil einbezogen wurde, soll dem Jugendlichen Gelegenheit geben, eine Sozialtherapie anzutreten und vielleicht auch den Schulabschluss nachzuholen.
„Das ist wirklich die einzige Möglichkeit, etwas zu verändern“, redete Richter Intorf dem Jungen ins Gewissen.
Doch auch sein Vater war mit der Entscheidung nicht einverstanden: „Mein Kind wird hier behandelt wie ein Mörder. Zuhause ist mein Sohn super.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



