Solingen: 50 Jahre Hartschen-Schule
VON STEFANIE MENNING - zuletzt aktualisiert: 08.06.2009Solingen (RPO). Mit einem großen Fest feierte die Förderschule für geistig behinderte Kinder am Samstag ihren runden Geburtstag an der Liebigstraße. Die Stadt versprach Lösungen für die derzeitigen Platzprobleme.
Wald Fetzige Rock'n'Roll-Musik wurde auf der Bühne des Festzeltes an der Liebigstraße gespielt, denn nicht nur die Wilhelm-Hartschen-Schule hatte Grund zum Feiern. Auch die schuleigene "Hinkelstein-Band" besteht mittlerweile seit 20 Jahren. Schulleiter Joachim Cerekwicki selbst spielt dort die E-Gitarre und begeisterte am Samstag bei der Jubiläumsfeier mit seinen musikalischen Mitstreitern die Festbesucher.
Im Schulgebäude wurden Schüler und Eltern mit einem großen Buffet verwöhnt. Des Weiteren gab es eine Malaktion und Dosenwerfen. An einem separaten Stand stellte der Behindertensportvereins Solingen sein neues Programm für Kinder und Jugendliche vor. Austoben konnten sich die Schüler auf dem "airtramp", einem großen Luftkissen, das zum Hüpfen und Springen einlud. "Ich finde das Fest richtig klasse", sagte der 17-jährige Schüler Robin Friedl aus der Oberstufe. Er selbst sei im Jugendstadtrat aktiv und vertrete dort die Interessen insbesondere behinderter Jugendlicher.
"Derzeit betreuen rund 50 Lehrkräfte insgesamt 150 Schüler", sagte Joachim Cerekwicki. "Das Besondere an unserer Arbeit ist, dass wir die Stärken unserer Schüler durch eine Vielfalt von speziellen Maßnahmen fördern." Neu sei das Schnuppertauchen im schuleigenen Schwimmbad.
Wilhelm Hartschen
Ausbildung Der Namensgeber der Schule, Wilhelm Hartschen (1912 bis 1981), wurde in Neukirchen-Vlyn geboren. Er machte 1931 Abitur in Moers, dann eine Lehrerausbildung. 1951 wurde er in Solingen Lehrer auf Lebenszeit.
Verdienste Am 1. Juni 1959 gründete er die "Heilpädagogische Sonderschule" an der Liebigstraße und leitet sie auch. In den folgenden Jahren gründete er zudem die Ortsvereinigung "Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind" (1959), eine Anlernwerkstatt (1961), die "Behinderten-Heimstätte Solingen" (1964) sowie die "Beschützende Werkstatt" (1965). Er sorgte für die Einrichtung der "Werkstatt für Behinderte" am Lüderitzweg (1975) sowie des Wohnheimes an der Liebigstraße (1976-1978). 1978 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
Namensgebung Am 6. Februar 1982 erhielt die Schule an der Liebigstraße seinen Namen.
Weiter Verhandlungen mit LVR
Daneben werden verschiedene Therapieprogramme und eine große Auswahl an Arbeitsgemeinschaften wie Tennis, Kunst, Tanzen oder Judo angeboten. Da gut 30 Prozent der Schüler in ihrer Sprachentwicklung beeinträchtigt seien, werde insbesondere auf unterstützende Kommunikation durch Gebärdensprache sowie elektronische und nichtelektronische Kommunikationshilfen Wert gelegt.
Cerekwicki leitet seit 1988 die Förderschule und hofft, dass die bestehenden Platzprobleme bald gelöst werden. Die Turnhalle mit nur 115 Quadratmetern sei viel zu klein und insgesamt fehlten vier Klassenräume. Als vorübergehende Notlösung dient derzeit ein auf dem Schulhof aufgestellter Container.
Oberbürgermeister Franz Haug gratulierte zum 50-jährigen Bestehen. Er dankte den Lehrern, Betreuungskräften und Zivildienstleistenden für die engagierte Arbeit und betonte er, dass nach wie vor die Verhandlungen mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) zur Übernahme der Wilhelm-Hartschen-Schule liefen. Sollten diese bis Jahresende nicht greifen, werde aus dem Konjunkturprogramm für Bildung und Infrastruktur ein Betrag in Höhe von 1,5 Millionen Euro an die Schule fließen. Schuldezernent Norbert Feith unterstrich, dass die derzeitige Notlösung behoben werden solle, falls eine Trägerschaft durch den Landschaftsverband nicht zustande komme.
Die bekannte Problematik und selbst das regnerische Wetter konnten allerdings an diesem Festtag die gute Laune der Besucher nicht trüben. Am Samstag, 5. September, organisiert die Wilhelm-Hartschen-Schule einen Sponsorenlauf im Walder Stadion.
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