Solingen: 58 Knöllchen vom Schneepflug
VON MAXINE HERDER - zuletzt aktualisiert: 29.12.2010Solingen (RPO). Weil viele Straßen von zu weit auf der Fahrbahn abgestellten Autos blockiert werden, begleiten seit gestern Politessen die Räumfahrzeuge der Stadt. Die Strafen reichen von fünf Euro Verwarngeld bis zum Abschleppen.
Das Gespann, das seit gestern Morgen auf den Straßen unterwegs ist, ist außergewöhnlich – aber wirksam: Weil die Räumfahrzeuge wegen Autos, die zu weit auf der Fahrbahn abgestellt wurden, vor allem in den Nebenstraßen nach wie vor vielerorts nicht durchkommen, haben gestern erstmalig drei Politessen den Räumdienst begleitet.
Die Bilanz: 58 Knöllchen zwischen 8 und 13 Uhr, zwei Fahrzeuge mussten sogar abgeschleppt werden. "Die Verwarngelder sind je nach Situation unterschiedlich", erklärt Stadtsprecherin Birgit Wenning-Paulsen, "sie liegen zwischen fünf und 35 Euro." Abgeschleppt werde nur in besonders gefährlichen Situationen – also, wenn die für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr nötigen drei Meter Straßenbreite, die auch für die Räumfahrzeuge erforderlich sind, unterschritten werden.
Sperrmüll verschoben
Weil Straßen und Gehwege durch den starken Schneefall und das anschließende Räumen zunehmend enger werden, haben die Entsorgungsbetriebe Probleme bei der eigentlich fest terminierten Abholung des Sperrguts. Die Termine werden um zwei bis drei Wochen verschoben.
Wer einen Antrag auf Abholung gestellt hat, kann das Sperrgut daher ab sofort kostenlos beim Müllheizkraftwerk an der Sandstraße anliefern.
Viele persönliche Kontakte
"Es ist das erste Mal, dass es diese Kooperation in Solingen gibt", erklärt Jürgen Peltri, Leiter des Winterdienstes, dessen Mitarbeiter in den vergangenen Wochen immer wieder auf die Unterstützung der Polizei angewiesen waren. "Deshalb arbeiten wir jetzt mit der Bußgeldstelle zusammen." Definitiv heute, vielleicht auch in den nächsten Tagen, sollen die Politessen die Räumfahrzeuge begleiten. Und das hat, so Stadtsprecherin Wenning-Paulsen, in vielen Fällen noch einen ganz anderen positiven Nebeneffekt: "Bei der Aktion hat es auch eine Vielzahl von persönlichen Kontakten gegeben, bei denen die Politessen an Haustüren geklingelt und die Leute ihre Autos dann – ohne ein Knöllchen zu bekommen – umgesetzt haben."
Größere Probleme, sagt Gerd Herholt, Leiter des Rettungsdienstes bei der Feuerwehr, habe es in den vergangenen Tagen nicht gegeben. Dennoch gilt: "Die für die Einsatzfahrzeuge erforderliche Durchfahrbreite von drei Metern darf nicht durch abgestellte Autos eingeengt werden." Außerdem sollten Fahrzeuge nicht in Kreuzungsbereichen, an Engpässen oder unter Brücken abgestellt werden, um den Rettungskräften jederzeit die Durchfahrt zu ermöglichen. "Aufgrund der Arbeit des Winterdienstes", betont er jedoch, "hatten wir, vor allem im Vergleich zu den Nachbarstädten, kaum Probleme."
Ganz anders sieht das nach wie vor bei den Bussen der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke (SWS) aus. "Die Behinderungen ziehen sich durch das gesamte Stadtgebiet, es ist an vielen Stellen knapp, eng und brenzlig", so SWS-Sprecherin Silke Rampe. Vor allem an den Haltestellen Bleichstraße auf der Wupperstraße sowie an der Kölner Straße an der Hauptstelle der Sparkasse komme es immer wieder zu Problemen. "Unsere Fahrer geraten vor allem in Erklärungsnot. Denn wir können kaum erklären, wieso wir bei freien Straßen eine halbe Stunde Verspätung haben." Am 1. Weihnachtstag musste ein Streckenabschnitt einer Buslinie wegen unglücklich geparkter Fahrzeuge gänzlich gesperrt werden. Und so bitten Stadt, Winterdienst, Feuerwehr und Verkehrsbetriebe einhellig alle Autofahrer, ihre Wagen möglichst weit am Rand zu parken – auch im Interesse des eigenen Geldbeutels.
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