Solingen: Abzocke im Internet
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 30.01.2010Solingen (RPO). Beschwerden über Mahnbescheide mit angeblich abgeschlossenen Verträgen häufen sich.
138 Euro soll der Rentner aus Gräfrath zahlen, ein "Mahnbescheid", unterzeichnet von Rechtsanwalt Olaf Tank aus Osnabrück, flatterte ihm ins Haus mit der unmissverständlichen Aufforderung, die Verbindlichkeiten aus einem Dienstleistungvertrag der "Content Services Limeted" unverzüglich auszugleichen. Ein entsprechend ausgefüllter Überweisungsträger ist gleich dabei. Der 84-Jährige hatte sich angeblich bei "sofewaresammler.de"angemeldet.
Der Name Olaf Tank ist Verbraucherberaterin Britta Masuch längst bekannt. "Da fallen ganz viele Verbraucher drauf herein", sagt die Expertin, die mit ihrem Kolleginnen tagtäglich solche Fälle auf den Tisch bekommt. "Irgendwann habe wir aufgehört zu zählen", beantwortet Britta Masuch die Frage nach der Anzahl der Solinger, bei denen die Internet-Abzocker Kasse machen wollen. Oft würden ältere Menschen und Eltern Opfer.
Letztere zahlen vielfach, weil sie nicht genau wissen, welche Verträge ihre Kinder im Internet möglicherweise abgeschlossen haben. Spätestens, wenn die Schreiben von Inkasso-Unternehmen und Anwälten in immer kürzeren Abständen ins Haus flattern, fühlen sich die Empfänger unter Druck gesetzt und zahlen, auch wenn die Forderungen völlig aus der Luft gegriffen sind, wissen die Verbraucherschützer. "Mit jedem Brief wird es teurer, dennoch sind die Beträge meist so gehalten, dass sie von den Adressaten noch akzeptiert werden", sagt Britta Masuch. Die Verbraucher-Zentrale hat inzwischen einen Musterbrief entworfen, mit dem den Forderungen widersprochen werden kann.
Bei der Solinger Verbraucherzentrale sind solche Internet-Abzockereien inzwischen Hauptthema der allgemeinen Beratungsgespräche, berichtet Britta Masuch, die den betroffenen Verbrauchern rät, auf die Briefe nicht zu reagieren oder die vorbereiteten Musterbriefe zu verschicken. Auch sei wichtig, Kinder und Jugendliche über die Gefahren im Internet aufzuklären. "Aus dem Internet lässt sich nichts löschen, bevor es nicht längst weltweit im Umlauf ist", weiß Masuch und rät, mit persönlichen Daten vorsichtig umzugehen.
Wer mit dem Musterbrief deutlich widersprochen hat, muss auf die Mahnschreiben von Inkassobüros und Rechtsanwälten nicht mehr reagieren, erklärt Britta Masuch. Ernst nehmen müsse man jedoch einen "echten" Mahnbescheid, ein amtliches Formular, das immer per Einschreiben und von einem Gericht kommt und dem stets ein Widerspruchsschreiben beigefügt ist. Bislang haben die Betrüger kaum echte Mahnbescheide verschickt.
Für den 84-jährigen Gräfrather ist klar, dass er die Rechnung für den angeblichen Internetservice nicht zahlen muss. Er besitzt nämlich gar keinen Computer.
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