Solingen: Ärger in Walder LEG-Siedlung
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 14.07.2009Solingen (RPO). In der vergangenen Nacht trieben wieder mal Autoknacker in der Siedlung ihr Unwesen. Jedenfalls künden die kleinen Glassplitter auf dem Asphalt des Hegelrings in Wald noch immer von der Diebestour. Navigationsgeräte stehen zurzeit hoch im Kurs bei Kriminellen – und das Nachsehen haben wie üblich die Autobesitzer, denen die Scherben kein Glück, sondern nur Ärger einbrocken.
Was in den Häusern der im vergangenen Jahr verkauften, ehemals landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft LEG aber keineswegs allein für die Automobilisten unter den Mietern gilt. Die ältere Dame, die schon seit vielen Jahren in einem Haus an der Schellingstraße lebt, hat zum Beispiel gar keinen fahrbaren Untersatz. Spielt jedoch auch keine Rolle, weil es ihrer Meinung nach ohnehin nicht mehr weit her ist mit der Siedlung, in der rund 900 Menschen leben. "Es gab Sperrmüll im Treppenhaus, und ich wurde auch schon von einem anderen Mieter bedroht", erklärt die Frau, die aus Furcht ihren Namen nicht nennen will. In der Düsseldorfer LEG-Zentrale kennt man den Trouble mit dem Müll im Haus, hält dies aber für "einen Einzelfall", wie eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung betont. Ansonsten sei die Siedlung in einem sehr guten Zustand, und der Sperrmüll sei sofort beseitigt worden, nachdem der Hauswart davon Wind bekommen habe. Die Mieter jedenfalls seien "sehr zufrieden".
Ein Eindruck, den man bei Mieterbund Rheinisch-Bergisches Land nicht unbedingt teilt. "Bei uns haben sich schon einige Leute beschwert", berichtet die Vorsitzende Gerlinde Roth-Lübbers. Ärger mit anderen Nachbarn, ein Aufzug der viel zu laut ist: Die Streitigkeiten klingen eigentlich ganz alltäglich – nur dass sich, so die Erfahrung von Gerlinde Rothlübbers, nach Beschwerden einfach nichts tut. Rund 750 Wohnungen gehören der LEG in Solingen. Aber was heißt hier eigentlich gehören? Die Eigentumsverhältnisse sind seit dem Verkauf im Herbst 2008 undurchsichtig, findet die Solinger Landtagsabgeordnete Iris Preuß-Buchholz (SPD). "Entgegen ursprünglichen Erklärungen der Landesregierung gibt es mehrere neue Besitzer", erklärt Preuß-Buchholz, die genauso wenig wie der der Vorsitzende des NRW-Mieterbundes, bernhard von Grünberg, weiß, wer denn nun genau die Eigentümer der Solinger Häuser sind. "Das sind wohl Anlagegesellschaften", erklärte von Grünberg gestern der Morgenpost, der weiter berichtete, ein Geschäftsführer einer dieser Firmen sei tatsächlich "erst zwei Jahre alt".
Iris Preuß-Buchholz will nach der parlamentarischen Sommerpause erneut bei der Landesregierung nachfassen. Denn immerhin ist ein Teil der Solinger LEG-Wohnungen noch sozialgebunden. "Was passiert aber, wenn das nicht mehr der Fall ist?", fragt die Abgeordnete, die sich sorgt, auf Dauer könnten die alteingesessenen Mieter ihre Wohnungen verlieren.
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