Solingen: Ärger über „Maulkorberlass“
VON UWE VETTER - zuletzt aktualisiert: 05.09.2008Solingen (RPO). Im Heidebad kann nur noch heute geschwommen werden, die Saison ist beendet. Die Politik ist verärgert über Dezernent Norbert Feith, der hat Anfragen über den „kurzen Dienstweg“ einen Riegel vorgeschoben.
Die Saison war – wetterbedingt – nicht berauschend. Lediglich rund 23 000 Badegäste tummelten sich seit dem 11. Mai im Heidebad, dem einzig noch verbliebenen Freibad in der Stadt. Unentwegte und Abgehärtete können am heutigen Freitag von 12 bis 18 Uhr zumindest noch mal ins große Becken springen, dann ist aber Schluss mit dem Freiwasservergnügen in der Ohligser Heide, zumindest für dieses Jahr. Inoffiziell sei das Bad bereits am 1. September geschlossen worden. Schwimmer, die dennoch kamen, habe man aber noch ins Wasser gelassen.
Das alles wurde von Seiten der Verwaltung nicht unbedingt offensiv kommuniziert, die Morgenpost hat es dennoch erfahren. Und noch mehr: In einer „Ressortverfügung“ des neuen, auch für Sport zuständigen Beigeordneten Norbert Feith vom 12. August dieses Jahres hat dieser die Stadtdienste angehalten, „den Dienstweg zu beachten, um sicherzustellen, dass in allen wesentlichen Fragen eine Ressortsicht vertreten wird“. Vor allen Fragen der Finanzen, der Organisation, der räumlichen Unterbringung etc. sollen vor Weitergabe der Ressortkoordinierung, also Feith, vorgelegt werden. Das betrifft vor allem auch Anfragen von Mandatsträgern (Ausschuss- und Ratsmitglieder), die bislang den „kurzen Dienstweg“ nutzten und sich so entsprechende Informationen von den Mitarbeitern der Stadtdienste holten. Eine „zeitliche Verlängerung der Prozesse“ sieht Norbert Feith durch seine Verfügung nicht. Die sei aufgrund „der technischen Möglichkeiten nicht zu befürchten“.
„Interne Angelegenheit“
Angesprochen auf die der Morgenpost vorliegende „Ressortverfügung“ sagt Ernst Lauterjung, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion und des Sportausschusses: „Das ist ein Maulkorberlass. Wenn Herr Feith es wünscht, dann können ihn ja rund 100 Mandatsträger täglich anrufen, um an Informationen zu gelangen.“ Als „interne Angelegenheit“ sieht Dezernent Norbert Feith die Ressortverfügung. Es gehe um ein „einheitliches Auftreten der Verwaltung nach außen“, erklärte er auf Anfrage. Das sei die Grundlinie.
Während Lauterjung die Verfügung „höchst ungewöhnlich“ findet, ist für ihn die heutige Schließung des Heidebades mit Blick auf den Kalender dagegen normal. Was er sich aber gewünscht hätte, wäre eine Information an die Mitglieder des Sportausschusses gewesen, die diese Woche zur Sitzung zusammenkamen. „Ich gehe davon aus, dass das Heidebad nächstes Jahr wieder geöffnet wird“, sagt Lauterjung, es sei denn, es stünden größere Investitionen beziehungsweise Reparaturen an. Mit Blick auf das geplante Kombibad müsse man dann genau überlegen.
Ausbildung gekappt
Das hat das städtische Personalmanagement längst gehandelt: Erstmals seit vielen Jahren werden 2009 keine Fachangestellten für Bäderbetriebe mehr ausgebildet. „Das hängt mit dem Bäderkonzept zusammen“, erläutert der Leiter des Personalmanagements, Hans-Joachim Witte, auf Anfrage unserer Zeitung. Denn wenn das Birkerbad an die Lebenshilfe übergeht, das Kombibad gebaut und die Hallenbäder Vogelsang und Ohligs sowie das Heidebad geschlossen werden, dann wäre lediglich noch das Klingenbad in städtischer Regie. „Das hat natürlich Auswirkungen auf den Personalbestand“, weiß Witte.
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