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Solingen: Ärzte helfen, wo Hilfe nötig ist

VON ALEXANDER RIEDEL - zuletzt aktualisiert: 23.12.2011

Solingen (RP). Einmal pro Woche steuert das Medimobil öffentliche Orte in Solingen an. Ein Arzt und eine Krankenschwester fahren mit, um Obdachlose und arme Menschen medizinisch zu versorgen. Denn viele dieser Patienten scheuen den Besuch in einer Praxis.

Unterwegs im Medimobil: Der Arzt Dr. Heinrich Apfelstedt steuert mit seinem Team Orte an, an denen sich Menschen aufhalten, die medizinische Hilfe brauchen, aber ungern in Praxen gehen. Foto: Anja Tinter

Eine mittelalte Frau tritt schüchtern an den Wagen heran: "Meine Freundin hat Zahnschmerzen. Sie traut sich aber nicht, selbst zu kommen." Situationen wie diese hat Heinrich Apfelstedt schon oft erlebt.

"Die Leute kommen zu uns, weil sie sich schämen, zum Arzt zu gehen", berichtet der Chirurg. Seit mehreren Jahren fährt er in dem umfunktionierten Krankenwagen der Wuppertaler Tafel mit. Rund zwei Dutzend Ärzte aus dem Netzwerk Solimed beteiligen sich reihum an den Touren des Medimobils. "Wir können hier natürlich nicht operieren oder reanimieren, wollen aber auf der niedrig-schwelligen Ebene helfen", erzählt der Arzt.

Info

Das Projekt

Solimed Das Solinger Ärztenetz wurde von 62 niedergelassenen Haus- und Fachärzten im Jahr 2004 gegründet. Das Ziel ist die effektivere Zusammenarbeit der Praxen. Außerdem gibt es Kooperationsverträge mit drei Solinger Kliniken. Sozialprojekte des Netzwerks, wie die Betreuung des Medimobils, werden von der internistischen Gemeinschaftspraxis Dr. Zenses/Dr. Kochen geleitet.

Medikamente aus Spenden

Dazu gehört unter anderem die Versorgung mit Medikamenten. "Manchmal kann ich auch einen Abszess aufschneiden", berichtet Apfelstedt. Natürlich wird im Medimobil auf strikte Hygiene geachtet. Im Krankenraum des Wagens gibt es zwei Sitze und eine Liege. An der Wand hängt ein Schränkchen mit zahlreichen Fächern. Hier lagern zum Beispiel Schmerzmittel, Medikamente gegen Bluthochdruck, Antiallergika und Grippetabletten. Die Medikamente stammen zum Teil aus Arztpraxen oder sind gespendet worden.

Ausgangspunkt der Fahrt an diesem feucht-kalten Dezembertag ist die Drogenberatung in Ohligs. Dann geht es weiter zur Solinger Tafel, vor der sich viele Menschen tummeln. "Man hat das Gefühl, dass es jedes Jahr mehr werden", sagt Apfelstedt nachdenklich und räumt mit Klischees auf: "Das sind völlig normale Leute, denen man ihre soziale Situation gar nicht ansieht." Die meisten Patienten sind über das Sozialamt krankenversichert, scheuen aber den Arztbesuch aus Scham oder Angst vor Diskriminierung.

An der Tafel steigen mehrere Patienten ins Medimobil. Ein Mann hat Ohrenschmerzen. Er bekommt ein Schmerzmittel und abschwellende Nasentropfen. Ein anderer braucht einen Schleimlöser gegen Husten. Weiter geht die Fahrt zum Mühlenplatz, an dem sich eine Gruppe von Obdachlosen aufhält. Hier muss Apfelstedt unter anderem eine Hautwunde versorgen, die sich ein Mann zugezogen hat.

Unterstützt wird der Chirurg von seiner Arzthelferin Susanne Zaccardi, die zum dritten Mal ehrenamtlich mitfährt. Die gute Seele des Medimobils ist Fahrer Peter Krampen. Seit elf Jahren steuert der Rentner als Mitglied der Wuppertaler Tafel neuralgische Punkte in Solingen, Wuppertal und Remscheid an. "Ich bin über meine Tochter, die Arzthelferin ist, an den Job gekommen", berichtet Krampen.

Er selbst hat auch einige Spender für Tabletten gewonnen. Nach Ende der Fahrten kümmert er sich um die Grundreinigung des Wagens, den er wie sein Eigentum behandelt. "Da ja immer wieder unterschiedliche Ärzte mitfahren, brauchen die schon mal einen, der sich auskennt", erzählt der Rentner.

Bei bedarf steuert das Medimobil auf seiner zweistündigen Tour auch die Notschlafstelle an. Von dort wird diesmal aber keine Erkrankung gemeldet. Die letzte Station ist der Bremsheyplatz in Ohligs, an dem einige Obdachlose in der Kälte stehen. "Wir wissen, dass wir hier nicht die Welt verändern", sagt Apfelstedt bescheiden über das mehrfach preisgekrönte Projekt des Medimobils. "Aber wir können Kontakte knüpfen und dafür sorgen, dass die Leute Hemmungen abbauen und beim nächsten Mal die Praxis aufsuchen."

Quelle: RP/rl

 
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