Solingen: Akribischer Arbeiter
VON UWE VETTER - zuletzt aktualisiert: 30.12.2009 - 18:00Solingen (RPO). Thomas Busch ist heute Vorsitzender des Beirates des Spezialversandhauses Walbusch. Der 71-jährige Unternehmer hat einst für Josef Neckermann in Frankfurt gearbeitet. Bei ihm ist er vom Akademiker zum Händler geworden.
Der Porsche 356 mit 75 PS und 160 km/h Höchstgeschwindigkeit – das war einst der Jugendtraum von Thomas Busch. Als originalgetreues Miniaturmodell schmückt der kleine Flitzer aber nicht nur sein modern eingerichtetes Büro im Industriegebiet an der Martinstraße, dessen Mittelpunkt ein Schreibtisch aus dem 16. Jahrhundert ist.
Thomas Busch mag diese Kombination von Altem und Modernen, und 1990 konnte er sich seinen Jugendtraum auch wirklich erfüllen, als er ein gebrauchtes Exemplar des Porsche 356 c (Baujahr 1964) fand und zugriff.
Träume über den Geschäftsverlauf des Spezialversandhauses Walbusch (Walter Busch) hegte der heute 71-Jährige anfangs nicht. "Den Aufstieg des Unternehmens konnte man sich überhaupt nicht vorstellen", räumt Thomas Busch ein und meint die Zeit, als er 1976 in die Geschäftsführung des 1934 gegründeten Familienbetriebes eintrat.
Da war Walbusch noch an der Albrechtstraße. Mit rund 45 Mitarbeitern wurden zehn Millionen D-Mark Umsatz erwirtschaftet.
Stiftungen
Thomas Busch engagiert sich auch im sozialen und kulturellen Bereich.
Dazu gehören die 1998 gegründete Busch-Stiftung Seniorenhilfe, die Busch-Stiftung Quedlinburg "St. Nikolai" (ebenfalls 1998 gegründet). Überdies ist er Gründungsstifter der Bürgerstiftung für verfemte Künste (2004) und engagiert sich seit 2004 in der Bürgerstiftung Dorper Kirche.
2008 wurde die "Walbusch-Stiftung Zukunft durch Bildung" mit einem Startkapital von zwei Millionen Euro ins Leben gerufen. Zudem ist er Gründungsstifter der "Jeunesses Musicals-Stiftung" in Deutschland. Ein Mal im Jahr fördert er hier zusammen mit seiner Frau Beate einen internationalen Kammermusik-Kurs in Schloss Weikersheim. "Ich möchte etwas zurückgeben", sagt er.
Doch der "besessene Arbeiter" stürzte sich mit "Haut und Haaren" in das Unternehmen und baute es Schritt für Schritt auf. "Wer mit Riesenschritten alles auf einmal will, für den besteht die Gefahr abzustürzen", wusste Thomas Busch und handelte entsprechend.
Unter dieser Prämisse war es 1983 – als der Umzug des Versandhauses für die bequeme Herrenmode von der Albrecht- an die Martinstraße anstand – für Busch nicht so tragisch, dass die neuen Räume beim Einzug schon wieder viel zu klein waren.
Hinter dem Erfolg und dem weiteren Aufstieg des mittelständischen Unternehmens steckte akribische Arbeit, die nicht nur mit dem Neubau an der Martinstraße und der verstärkten Kundenorientierung zu tun hatte, sondern dem Einsatz betriebswirtschaftlicher Instrumente wie monatliche Erfolgsrechnungen. Aber natürlich auch mit unternehmerischen Mut und dem Aufstellen von Zehn-Jahres-Planungen, in denen Zahlen und Verkaufsmengen jedes Jahr erneut festgezurrt wurden.
"Mein Problem war anfangs, dass ich selbst nicht daran geglaubt habe, dass es funktionieren könnte. Aber wir haben es dennoch gemacht", sagt Thomas Busch und blickt dabei zurück auf langjährige Mitarbeiter und Weggefährten: "Mit wenigen Getreuen haben wir uns durchgebissen. Und bisher hat die Zehn-Jahres-Planung immer gepasst, selbst im Krisenjahr 2009."
Dass der Vater von zwei Kindern dabei voll auf die Unterstützung seiner Ehefrau Beate zählen konnte – auch dies war von entscheidender Bedeutung für das Unternehmen. "Sie hat den Spagat geschafft zwischen Familie und der Aufgabe des eigenen Berufswunsches und hat später als Abteilungsleiterin die Maßkonfektion geführt", sagt Thomas Busch.
Das Rüstzeug, einen Betrieb zu führen, das hatte Thomas Busch. In Köln geboren und in Solingen aufgewachsen und zur Schule gegangen – Gymnasium Schwertstraße bis Klasse 10; danach Abitur in einem Internat am Ammersee –, studierte er nach einer Banklehre Wirtschaftswissenschaften in Erlangen-Nürnberg und an der Hochschule für Welthandel in Wien.
Nach einem kurzen Zwischenspiel im väterlichen Unternehmen arbeitete er zunächst in einem Forschungsinstitut in Frankfurt und nahm danach schließlich das Angebot von Josef Neckermann an, sein Marketingassistent zu werden: "Bei ihm bin ich vom Akademiker zum Händler geworden", erzählt Busch.
"Schuster bleib bei deinem Leisten" – auch das ist ein Grundsatz der Firmenphilosophie von Walbusch. Der Versandhändler wandelt hier zwar mit der Einrichtung von Fachgeschäften in diesem Jahr oberflächlich betrachtet auf Abwegen, aber dies, so weiß Thomas Busch, ist den geänderten Zeiten geschuldet: "Der Handel muss die Kunden überall dort abholen, wo man ihnen begegnen kann." Also nicht nur über den Katalog, sondern auch im Internet oder in Geschäften vor Ort: "Es gibt viele Menschen, die ein Gespräch führen und bedient werden wollen."
Mit Erreichen des 70. Lebensjahres hat Thomas Busch 2008 den Vorsitz des Beirates von Walbusch übernommen. Er begleitet über diese Position "aus anderer Warte als früher" das Unternehmen weiter an entscheidender Stelle mit. "Es gibt klare Spielregeln mit einer Geschäftsordnung für die Geschäftsführung und einer Satzung für den Beirat", meint der 71-Jährige mit Blick auf Zustimmungs- und Kontrollrechte seitens des fünfköpfigen Beirates.
Klare Spielregeln sind für Thomas Busch ohnehin von grundlegender Bedeutung: "Verhalte dich immer so, wie du es von anderen erwartest", sagt er. Überhaupt nicht leiden mag er es, "wenn jemand Wasser predigt und selbst Wein trinkt oder wenn jemand Fehler nicht eingestehen beziehungsweise vertuschen will".
Gradlinig einen Weg verfolgen, zahlt sich aus, davon ist er überzeugt. Abzulesen ist dies nicht nur am Porsche 356 mit 75 PS, der heute in der Garage des Unternehmers steht, sondern am Geschäftserfolg: Walbusch beschäftigt heute gut 750 Mitarbeiter, der Umsatz beläuft sich auf knapp 280 Millionen Euro. Zahlen, von denen Busch anfangs nicht mal geträumt hat.
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