Solingen: Auf der großen Bühne
VON MAXINE HERDER - zuletzt aktualisiert: 09.11.2009Solingen (RPO). Zum 22. Mal konnten beim Tanzfest am vergangenen Wochenende Amateurtanzgruppen ihr Können zeigen. Mit rund 2000 Tänzern ist die Veranstaltung noch einmal gewachsen – eine organisatorische Höchstleistung.
In den langen Fluren vor den Garderoben des Theaters und Konzerthauses herrscht Trubel: Während sich die jüngsten Teilnehmer des 22. Tanzfestes, die "Babystars" der Showgarde Solingen, am Bühneneingang sammeln, hier hektisch Kostüme übergezogen und dort die letzten Streifen bunter Schminke aufgetragen werden, absolvieren einige Meter weiter die Tänzerinnen der Ballettschule International ihre Dehnübungen. Als bestbesuchte Veranstaltung des Kulturbüros mit rund 2000 Tänzern aller Altersstufen und etwa 8000 Zuschauern an zwei Tagen, so erfordert das Tanzfest organisatorische Höchstleistungen – von Veranstaltern, wie Mitwirkenden. Zugleich ist es auch in diesem Jahr für 57 Amateurtanzgruppen die Chance, unter professionellen Bedingungen auf einer großen Bühne aufzutreten. Eine Chance, die auch die Tänzerinnen des "Studio Siebentanz" zu schätzen wissen: "Vor so vielen Zuschauern aufzutreten ist für uns etwas ganz Besonderes", sagt Sophia Hoppe.
Teilnehmer
Seit Mai befassen sich Bärbel Boes vom Kulturbüro und Studentin Kristina Guse mit der Organisation des Tanzfestes. "Waren es im ersten Jahr 400, sind es heute 2000 Tänzer", beschreibt Boes die Entwicklung der Veranstaltung, bei der am vergangenen Wochenende 57 Gruppen (2008: 52) in 11 Blöcken rund 150 verschiedene Tänze zeigten. "Im vergangenen Jahr hatten wir eine Auslastungsquote von 99,2 Prozent." In diesem Jahr war das Theater für den zweiten Tag ausverkauft, für den ersten gab es lediglich noch Restkarten.
Ballett und Bauchtanz
Seit elf Jahren tanzt die 15-Jährige Ballett. "Auf das Tanzfest freut man sich eigentlich das ganze Jahr." Seit Juli haben sie und die anderen Mädchen sich auf ihren "Flaschentanz", angelehnt an das Musical Anatevka, vorbereitet. "Der Flaschentanz ist eigentlich ein traditioneller jüdischer Hochzeitstanz", erzählt Tanzlehrerin Michaela Niderhagen. Das schwierigste daran, weiß Jamila Berteau (14), sei die Konzentration aufrecht zu erhalten. "Denn wir balancieren die Flasche während des Tanzens auf dem Kopf – ohne Tricks." Davon können sich die Zuschauer im nahezu ausverkauften Theater wenige Minuten später überzeugen: Die schwarzen Hüte ins Gesicht gezogen, balancieren die neun Tänzerinnen die Flaschen auf dem Kopf, gehen in die Knie und stampfen fest mit den Füßen auf. Scherben gibt es dabei nicht. Und auch die anderen Auftritte, für die die Gruppen jeweils fünf Minuten Zeit haben, begeistern – nicht zuletzt wegen ihrer Vielfalt: So flattern bei der Vorführung der Kindertanzgruppe des Städtischen Familienzentrums Vorspel bunte Vögelchen über die Bühne, die zur Musik von Rolf Zuckowski ihre "Vogelhochzeit" feiern. Gleich darauf betreten die Damen der Tanzgruppe "Layali Al Sharq" des WMTV die große Bühne – und ziehen das Publikum mit ihrem orientalischen Tanz in den Bann: Bei jedem Schritt schwingen die langen Röcke der Frauen und ihre breiten, goldenen Hüftgürtel klimpern und funkeln.
Die Kinder und Jugendlichen des Tanzclubs Blau-Gold zeigen das Stück "One" aus dem Broadway-Musical "A Chorus Line". Elegant schwingen sie die Beine und drehen sich um ihre eigene Achse – Applaus brandet auf, die Vorbereitung der Acht- bis Zwölfjährigen wird belohnt. "Beim Tanzfest können die Kinder einmal im Jahr das präsentieren, was sie gelernt haben", sagt Trainerin Heike Henkels. Zugleich sei die jährliche Veranstaltung auch eine Möglichkeit, "für sich selbst Werbung zu machen." Denn: Trotz der Beliebtheit des Tanzfestes plagen viele Vereine Nachwuchssorgen. "Wir freuen uns über jeden, der uns unterstützen möchte."
Tanzfest-Organisatorin Bärbel Boes vom Kulturbüro sieht noch einen weiteren Aspekt. "Die Bedeutsamkeit der Veranstaltung liegt darin, dass hier Jahr für Jahr Solinger für Solinger auf die Bühne gehen." Und dafür lohnte sich nicht nur die lange Vorbereitung der Darsteller, sondern auch die des Kulturbüros.
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