Solingen: Auf nach Solingen?
VON M. TESCH UND A. KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 17.05.2008Solingen (RPO). Die Kritiker der renommiertesten deutschen Zeitungen überboten sich mit Lob für die Ausstellung der Sammlung Jürgen Serke. Doch der Besucheransturm bleibt aus. Vor allem die Solinger zeigen kaum Interesse.
Die Welt sprach vom „Ausstellungswunder in der Provinz“, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung von einem „spektakulären Museum“ und die Frankfurter Rundschau empfahl ihren Lesern: „Auf nach Solingen“. In der vergangenen Woche erschien anlässlich des 75. Jahrestages der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten ein Artikel in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, in dem gar von einem „kleinen Wunder“ die Rede war. Alle Artikel, die Dr. Rolf Jessewitsch inzwischen zu einer kapitalen Pressemappe zusammengestellt hat, beziehen sich auf die Ausstellung „Himmel und Hölle zwischen 1918 und 1989“ im Museum Baden. Briefe, Bücher, Texte aus der Sammlung „Die verbrannten Dichter“ von Jürgen Serke sind dort seit dem 30. März ausgestellt, Bilder und Gedichte von Peter Kien sowie Fotografien von Christian G. Irrgang, Robert Lebeck und Stefan Moses. Die Ausstellung wird ergänzt durch zeitgenössische Kunst von Sigalit Landau, Jonathan Meese und Sarah Schönfeld.
„Das hat mich umgehauen“
„Das ist unglaublich, das hat mich umgehauen“, zeigt sich Dr. Rolf Jessewitsch begeistert über die große positive und überregionale Presseresonanz zur Ausstellung der Sammlung Serke, die am 25. Mai enden wird. Im krassen Widerspruch steht allerdings die Zahl der Besucher, die die Ausstellung im Museum Baden sehen wollen. Besonders die Solinger scheinen sich für die Präsentation nur wenig zu interessieren. „Solingen ist schwierig. Die Leute, die kommen, besonders an den Wochenenden, sind von auswärts“, weiß Jessewitsch. Denn der Museumsleiter hat das Personal an der Kasse angehalten, nach dem Wohnort der Besucher zu fragen. Jessewitsch macht aus seiner Enttäuschung über den mangelnden Zuspruch keinen Hehl: „Ich weiß nicht, wie ich die Leute in Solingen noch mobilisieren soll.“ Auch die Resonanz der Schulen sei mäßig, was Jessewitsch aber ein wenig versteht: „Bei diesem Thema sind ja auch manche Lehrer überfordert.“ Hier setzt Jessewitsch aber den Hebel an: „Wir versuchen gerade, einen Lehrer zu gewinnen, der Unterrichtsmaterial für die Schulen erarbeitet. Dieses können wir dann allen Lehrern zur Vorbereitung eines Besuchs zur Verfügung stellen.“
Eine solche Hilfestellung wäre nötig, verzichtet die Ausstellung doch auf Chronologie und literaturgeschichtliche Einordnung. In der „Zeit“ schreibt Hubert Winkels in der vergangenen Woche dazu: „Ohne Lesen, Suchen, Nachdenken bleibt ein Besuch in dieser vielfältigen Ausstellung ein Blindflug.“
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