Solingen: Aufgedeckte Lebenslügen
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 08.03.2008Solingen (RPO). Jean-Paul Sartres Schauspiel „Geschlossene Gesellschaft“ hat am Dienstag auf der Studiobühne im Theater Premiere. Das Ensemble Profan spielt das Stück insgesamt dreimal, Regie führt Michael Tesch.
Mit seinem 1944 uraufgeführten Schauspiel „Geschlossene Gesellschaft“ hat Jean-Paul Sartre ein klassisches Psychodrama geschaffen: drei Personen, eingeschlossen, einander ausgeliefert in der Hölle, und das für immer, denn für die Protagonisten des Dramas gibt es kein Entrinnen, keine Erlösung, sie sind bereits tot und einander auf ewig ausgeliefert.
Ein düsteres Szenario, zumal die verführerische Estelle, die lesbische Inès und der Journalist Garcin dazu bestimmt sind, sich gegenseitig zu quälen ohne Aussicht, der Situation entfliehen zu können. „In der Hölle braucht man keine Folterknechte“, sagt Regisseur Michael Tesch, „die Menschen übernehmen diese Rolle selbst“. Bei aller Düsternis birgt das klassische französische Konversationsstück aber auch humorvolle Passagen, weiß der Regisseur, der das Schauspiel mit Renate Kemperdick, Dajana Berkenkopf und Uwe Dahlhaus auf die zum geschlossenen Raum umgestaltete Studiobühne bringt und drei Menschen zeigt, die sich von den Urteilen anderer so abhängig gemacht haben, dass sie ihre ganze Existenz auf Lebenslügen aufgebaut haben.
Und so kann dann aus einem Journalisten und Widerstandskämpfer ein Feigling und Deserteur werden. Wie die beiden Frauen hat Garcin zu Lebzeiten schwere Schuld auf sich geladen, seine Frau misshandelt und in entscheidenden Situationen feige versagt. In der Hölle angelangt, versuchen die drei voneinander zu erfahren, was sie dorthin gebracht hat, erwartet alle gemeinsam die schlimmsten Qualen. Doch bald stellt sich heraus, dass sie zu ihren eigenen Folterknechten bestimmt sind.
„Das ist große Schauspielkunst, wie Sartre in dem Stück diese Lebenslügen aufdeckt“, sagt Regisseur Michael Tesch, „man merkt ganz deutlich, dass er das Stück für drei ganz bestimmte, ihm bekannte Schauspieler geschrieben hat, obwohl diese es letztendlich nie gespielt haben.“
„Geschlossene Gesellschaft“ wird die letzte Inszenierung des Ensembles Profan in der laufenden Spielzeit sein. Ein Wiedersehen mit einzelnen Darstellern gibt es jedoch voraussichtlich im Rheinischen Industriemuseum, wo bei einer Mittsommernacht das Stadtensemble Teile aus dem gefeierten „Sommernachtstraum“ zeigen wird. Außerdem steht im Mai eine Märchenwanderung mit den Profan-Figuren Radar und Klavier im Brückenpark Müngsten auf dem Programm des Ensembles, das 2009 sein 25-jähriges Bestehen feiern wird. Aus diesem Anlass soll dann nächstes Jahr eine Auswahl der populärsten Inszenierungen gezeigt werden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



