Solingen: Augen auf beim Queren
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 08.09.2009Solingen (RPO). Am Busbahnhof Graf-Wilhelm-Platz ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Am Sonntag wurde dort eine 20-Jährige bei einem Unfall schwer verletzt. Die rot-grauen Streifen auf der Fahrbahn sind nur eine Orientierungshilfe.
Zu den Hauptverkehrszeiten herrscht am Graf-Wilhelm-Platz großes Gewirr. Busse kommen und gehen, Schüler und Erwachsene steigen um, und dazwischen fahren auch noch Autos. Mit rot-grauen Streifen auf der Fahrbahn – so genannten Aufmerksamkeitsstreifen – will die Stadt die Fußgänger am Busbahnhof sicher durch dieses Gewusel leiten. Dennoch ist dort am Sonntag ein schwerer Unfall passiert: Ein 18-jähriger Autofahrer hatte eine 20-jährige Fußgängerin umgefahren, die die Kölner Straße überquerte. Sie wird zurzeit noch im Krankenhaus behandelt, liegt aber nicht mehr auf der Intensivstation.
Zebrastreifen abgeschafft
Standorte
Etwa eine Hand voll rot-graue Aufmerksamkeitsstreifen gibt es in Solingen.
Standorte sind – neben dem "Grafen" – vor allem Schulen. So sind die Querungshilfen zum Beispiel an der Ehrenstraße, an der Gottlieb-Heinrich-Straße und an der Tersteegenstraße zu finden.
Alle befinden sich in einer Tempo-30-Zone.
Die Signalfarbe Rot soll laut Polizei für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen.
Verhindern können die Aufmerksamkeitsstreifen Unfälle auch nicht. "Die Streifen haben keinerlei rechtliche Bedeutung", erklärt Stadtsprecherin Sabine Rische. Nachdem sich Solingen bereits vor Jahren von Zebrastreifen verabschiedet habe, seien die rot-grauen Markierungen, die sich nun an etwa einer Hand voll Stellen im Stadtgebiet befinden, eine gute Alternative. "Sie zeigen Autofahrern und Fußgängern insbesondere vor Schulen an, dass sie an dieser Stelle besonders aufmerksam sein sollen." Eindeutigen Vorrang – wie am Zebrastreifen – habe hier niemand. Genaue Vorgaben über Breite und Markierung der Streifen gebe es ebenso wenig, da sie eine rein Solinger Erfindung seien. "Bislang haben wir damit aber gute Erfahrungen gemacht", sagt Rische.
Das bestätigt auch der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke. "Das Miteinander am Graf-Wilhelm-Platz funktioniert gut", berichtet eine Sprecherin. "Fußgänger und Busfahrer sind sich der Gefahr bewusst und nehmen Rücksicht." Mitunter könne es an den Streifen, die zur Orientierung und als Querungshilfen dienten, zwar laut werden, wenn der ein oder andere sich im Vorrecht fühle und schimpfe. "Aber das sind Einzelfälle."
Andrea Höttges (45) und Andrea Swadek (38) laufen in ihrer Mittagspause häufig über die roten Streifen auf der Kölner Straße. "Man sollte hier immer gut gucken", sagen die beiden Frauen. "Hier brettern die Autos manchmal richtig entlang." Die meisten Autofahrer seien jedoch rücksichtsvoll und hielten für die Fußgänger. "Da muss man schon eher auf die Busse aufpassen." Was die weißen Dreiecke neben den Streifen bedeuten, wissen die zwei: "Die Spitzen zeigen in die Fahrtrichtung der Busse." Damit Fußgänger erkennen, aus welcher Richtung Gefahr droht.
Üben mit den Enkelkindern
Christel Leube (75) würde sich allerdings lieber einen echten Zebrastreifen statt der rot-grauen Markierung wünschen. "Man hat hier nicht so die Sicherheit und weiß nicht, wohin man als erstes gucken soll", sagt die sechsfache Großmutter. Sie sehe häufig, dass Leute einfach stehen blieben und verwirrt seien, weil sie nicht verstehen, wie Busse und Autos fahren.
Mit ihren Enkeln, erzählt Leube, übe sie deshalb regelmäßig, wie man die Streifen überquere: "Vor dem Bus und nicht dahinter. Und vorher gucken, anstatt gleich loszulaufen."
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