Solingen: Autobahn lädt Tankbetrüger ein
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 27.07.2012Solingen (RP). Laut einer Studie ist Solingen die Hochburg des Tankbetrugs. Nirgendwo sonst verschwinden mehr Autofahrer, ohne zu zahlen. Allerdings: Die meisten Fälle geschehen an der A 3. Fehlende Kameras erschweren zudem die Fahndung.
Die Spritpreise kennen in der Urlaubszeit wieder einmal hauptsächlich eine Richtung: nach oben. Gestern mussten Autofahrer an der Tankstelle Ohligser Heide an der Autobahn A 3 zum Beispiel knapp 1,69 Euro für den Liter Super bezahlen.
Dazu sind aber offenbar nicht mehr alle bereit. Einer neuen Studie zufolge ist Solingen die Hochburg der Tankbetrüger. Laut dem Internetportal Auto.de blieben 2011 in keiner anderen Stadt mehr Autofahrer ihre Tankrechnungen schuldig. Insgesamt wurden 547 Fälle gezählt. Das sind 22 Betrügereien pro Tankstelle. "Damit liegt Solingen um 232 Prozent über dem Durchschnitt", hieß es bei Auto.de.
Die Studie
Untersucht wurden 121 Städte. Zur Auswertung kamen auch Polizeistatistiken. Hinter Solingen liegen Leipzig (21 Fälle je Tankstelle), Bottrop (20), Berlin (18). Die "ehrlichsten" Kunden gibt es in Heide/Holstein (ein Fall je Tankstelle). Die Dunkelziffer soll allgemein hoch sein. In Solingen stieg die Zahl 2011 um drei Fälle.
Die Polizei kennt diese Zahl. Trotzdem wollen die Beamten nicht den Stab über die Solinger Autofahrer brechen. "355 dieser Fälle ereigneten sich an den Tankstellen an der A 3", sagte gestern ein Polizeisprecher. Dies verfälsche die Statistik. Denn auf der A 3 seien viele auswärtige Fahrer unterwegs. Und dazu komme, dass das Autobahn-Teilstück zwischen Köln und Düsseldorf zu den am meisten befahrenen Strecken zähle. Die A 3 lädt also Tankbetrüger förmlich ein. "Zieht man die Autobahn-Tankstellen ab, liegt Solingen im Durchschnitt", so der Polizeisprecher.
Am Monatsende nehmen Fälle zu
Diesen Eindruck hat Helmut Wegener allerdings nicht. Wegener betreibt die Eller-Montan-Tankstelle an der Merscheider Straße in Ohligs und beobachtet seit Jahren eine Zunahme der Betrugsfälle. Erst vergangene Woche fuhr ein Autofahrer einfach weg, nachdem er vollgetankt hatte. Wegeners Beobachtung: "Je höher die Preise sind, desto öfter kommt das vor." Dabei sind es aber nicht nur große Summen, um die betrogen wird. "Bei mir sind Leute auch schon abgehauen, die für 2,50 Euro getankt hatten", sagt Helmut Wegener. Gerade jetzt, zum Monatsende, würden die Fälle zunehmen. Wegener: "Dann wird bei vielen das Geld knapp."
Sollten Betrüger erwischt werden, fällt die Rechnung indes ungleich höher aus. Die Ertappten müssen mit einem Strafverfahren rechnen. Das Problem ist nur: Die Aufklärungsquote ist gering. "Sie lag 2011 bei knapp 16 Prozent", sagte der Polizeisprecher. Negativer Ausreißer war auch dabei die Ohligser Heide. Dort wurden lediglich drei Prozent der Betrüger ermittelt.
Auch heute noch fehlt an etlichen Tankstellen eine Videoüberwachung. "Und selbst die hilft nicht immer", sagte der Polizeisprecher. Denn oft zeichneten die Kameras die Aufnahmen nicht auf. Bilder, die doch gespeichert würden, seien unbrauchbar. Und wenn dann doch mal scharfe Fotos der Autos vorlägen, stelle sich später heraus, dass die Nummernschilder falsch seien, so die Polizei.
Dabei klärt sich mancher "Betrug" im Nachhinein sogar als Missverständnis auf. Bei Helmut Wegener in Ohligs brauste neulich eine Stammkundin davon, ohne bezahlt zu haben. Doch dahinter steckte keine böse Absicht. Als Helmut Wegener mit der Polizei die Frau später an ihrer Wohnungstür zur Rede stellte, war die Kundin selbst erschrocken: Sie war in Gedanken verloren gewesen und hatte einfach vergessen, zur Kasse zu gehen.
Jetzt Solinger Morgenpost testen und noch heute Ihr Kennenlern-Paket sichern.




dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.