Solingen: Autohaus als Musentempel
VON SANDRA HEINZELBECKER - zuletzt aktualisiert: 19.05.2008Solingen (RPO). Mit „Schiller: Ganz oder gar nicht“ stellte sich das neue Unterhaltungstheater „Rampenlicht“ der Öffentlichkeit vor.
Auch wenn einer der drei Darsteller nicht zur Premiere kam, spielten die beiden anderen gekonnt darüber hinweg.Gespannt erwartet wurde die Premiere des neu gegründeten Theaters „Rampenlicht“ und damit der Auftritt der drei Schauspieler, die in dem Stück „Schiller: Ganz oder gar nicht“ ihre Interpretation der Schiller-Dramen vorstellen wollten. Doch nicht wie erwartet auf der Bühne des im Autohaus Schönauen eingerichteten kleinen Theaters, sondern in einem Kleinwagen kamen Tabea Fresemann und Patrick Schiefer angerollt.
Mit Hektik nahmen sie die Bühne in Besitz, verbreiteten Chaos, weil ihr „dritter Mann“, der Franzose Nicolas Pendent, noch nicht angekommen sei und begannen mit der Begrüßung des Publikums. Was anfangs noch etwas übersteigert und aufgesetzt wirkte, nämlich die Aufregung um den fehlenden Schauspieler, stellte sich im Laufe des Stückes als berechtigter Ärger heraus, hatte sie Nicolas Pendent doch tatsächlich bei der Premierenvorstellung im Stich gelassen. Aber da er bereits bei der Generalprobe nicht aufgetaucht war, hatten sich die beiden Schauspieler auf das Schlimmste vorbereitet und improvisierten die Vorstellung gekonnt. Sie schafften es, den fehlenden „dritten Mann“ nicht nur zu ersetzen, sondern gar vergessen zu machen.
Spielplan
Bis zur Sommerpause will „Rampenlicht“ das Stück „Schiller: Ganz oder gar nicht“ noch 12 Mal auf die Bühne des Autohauses Schönauen an der Friedrichstraße bringen. Eintrittskarten kosten einheitlich 12 Euro/ermäßigt sechs Euro.
Als nächstes soll ab 22. August die Komödie „Herz- und Beinbruch“ gezeigt werden und ab 26. September, „Männer und andere Irrtümer“.
Don Carlos als Musical
Die Reise durch die Dramen Schillers wurde komprimiert auf zwei Stunden. War das Publikum anfangs noch irritiert durch die bunte Mischung aus „werktreuem“ Text und teilweise äußerst kuriosen Interpretationen, so sorgten komische Pointen, die überraschend aufblitzten, für vergnügliche Auflockerung. Don Carlos wurde kurzerhand in ein Musical umgewandelt, in dem es „tatsächlich“ um die Liebe zweier Männer ging. Bei der Umsetzung eines Streitgesprächs zwischen Maria Stuart und Königin Elisabeth verkörperte Tabea Fresemann beide Rollen abwechselnd in voller Intensität. Johanna von Orléans kam modern daher; die beiden Schauspieler zeigten sich als ausdrucksstarke Rapper.
„Eigentlich wollte ich, wegen der Werktreue, die Jungfrau von Orléans mit einer echten Jungfrau besetzen“, erklärte Patrick Schiefer grinsend, „hab ich aber schnell aufgegeben.“ Die Geschichte der chinesischen Prinzessin Turandot animierte den gebürtigen Kölner zum Statement: „Free Tibet“, was vom Publikum mit Applaus belohnt wurde. Als Zofe Sofie im Minirock und mit roter Perücke in „Kabale und Liebe“ erntete er begeisterte Lacher.
Auch das Publikum wurde immer wieder ins Spiel einbezogen. Dass „Demetrius“ nur ein Fragment blieb, zeigten die Schauspieler durch ein „Piep“ bei jeder Auslassung – eine witzige Idee, die durch den polnischen Akzent noch verstärkt wurde. Zu „Aber bitte mit Sahne“ sangen Tabea Fresemann und Patrick Schiefer zum Abschluss noch ein „Schiller-Destillat“ und überzeugten am Premierenabend, auch als Duo, durch ihre leidenschaftliche Spielfreude. Den Erlös dieser Vorstellung will „Rampenlicht“ für einen wohltätigen Zweck spenden.
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