Solingen: Bäderfrage im Fluss
VON UWE VETTER - zuletzt aktualisiert: 24.10.2007Solingen (RPO). Auf den Weg hin zur neuen Bäderlandschaft und durch die politischen Gremien stieg der Sportausschuss gestern in der Ohligser Festhalle auf die Startblöcke und sprang ins Wasser. Am Ende der Bahn angekommen sind die Fachpolitiker gleichwohl nicht: Zu einer Beschlussempfehlung an den Stadtrat (13. Dezember) wird es auf Wunsch der FDP erst am 4. Dezember kommen, wenn der Sportausschuss erneut über das Thema berät: „Die Zeit war zu kurz, um schon heute zu entscheiden, was in Zukunft mit den Bädern geschieht“, erklärte Gerd Brems. CDU und SPD kamen dieser Bitte nach, obwohl beide erklärten, schon jetzt eine Empfehlung aussprechen zu können. „Wir sind beschlussfähig“, bekräftigten Frank Schütz (CDU) und Salvatore Tranchina (SPD).
Eingangs der über drei Stunden dauernden Sitzung erläuterte Stadtkämmerer Ernst Schneider die Finanzlage der Stadt und die Notwendigkeit, bei den Bädern jährlich rund eine Million Euro einsparen zu müssen: „Es ist höchste Zeit, diese Sparmaßnahme endlich umzusetzen.“ Uwe Rosjat vom Finanzmanagement belegte das mit Zahlen: „Der Zuschussbedarf für die Bäder liegt derzeit bei drei Millionen Euro im Jahr, in 15 Jahren bei 4,6 Millionen Euro.“ Zudem habe der Bürger längst abgestimmt. Lediglich 130 000 Badegäste wurden 2006 in den vier Hallenbädern gezählt; über die Hälfte der Solinger Schwimmer gehe bereits auswärts baden.
Bäderkonzept
Nach dem Sportausschuss beschäftigen sich noch alle Bezirksvertretungen sowie der Ausschuss für Schule und Weiterbildung (31. Oktober), der Finanz- und Beteiligungsausschuss (6. November), der Haupt- und Kulturausschuss (6. Dezember) mit dem Bäderkonzept. Am 13. Dezember wird schließlich der Stadtrat das Konzept inklusive der erforderlichen Machbarkeitsstudie auf den Weg bringen.
In einem neuen, kombinierten Hallen- und Freibad und der Erweiterung der Klingenhalle sehen nicht nur CDU und SPD die Lösung der Bäderproblematik, sondern auch Gutachter Günter Fehr (WaterVisions), der gestern den Sportpolitikern die technischen Mängel der Solinger Bäder vor Augen führte. Beispielsweise im Hallenbad Vogelsang: „Die Wahrheit liegt unter den Fliesen“, sagte Fehr zur maroden Technik dieses Hallenbades. Von der Verwaltung geprüft wurde auch der Anbau eines Freibades am Vogelsang. Abgesehen von der fehlenden Fläche sprechen hier insbesondere Lärmschutzgründe gegen einen Freibadanbau.
Erneut für „wohnortnahe Bäder zu erschwinglichen Eintrittspreisen“ sprach sich Birgit Evertz (Grüne) aus. Ebenso wie Ulrich Piepenbrink (BfS) sieht sie viele Fragenzeichen: Was passiert, wenn die Lebenshilfe nicht das Birkerbad übernimmt? Wie soll man einer Machbarkeitsstudie – die soll der Rat am 13. Dezember auf den Weg bringen – zustimmen, wenn man den Standort des neuen Bades nicht kennt?
Sportbund-Präsident Hartmut Lemmer sieht nach der Aufgabe des Freibades Ittertal (wir berichteten) auch schon frühzeitig das Aus des Freibades Schellbergtal. „Wir müssen deshalb dem Verein und den Sponsoren signalisieren, dass wir ein Interesse daran haben, dass es dort weitergeht“, forderte Lemmer. Stadtkämmerer Schneider hätte nichts dagegen, wenn es Verein und Sponsoren aus eigener Kraft schaffen würden, dass Schellbergtal weiter zu betreiben. Fakt sei aber, dass der Vertrag mit dem Betreiber (SV Süd) zum Jahresende 2007 auslaufe – „und ich sehe momentan keine Anzeichen für einen neuen Vertragsabschluss“, sagte Schneider.
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