Solingen: Bahnhof-Abriss: Stadt geht nicht in Berufung
VON ANDREA RÖHRIG - zuletzt aktualisiert: 11.11.2010Solingen (RPO). Ein Gutes könnte die Entscheidung des Düsseldorfer Verwaltungsgerichtes, dass der Gräfrather Bahnhof aus dem Denkmalschutz entlassen und anschließend abgerissen werden kann, haben.
Mit diesem Urteil könnte die Stadt – wenn auch keinen juristischen, jedoch einen gewissen – politischen Druck auf das NRW-Bauministerium ausüben, damit dem Hedderich-Pavillon bald eine ähnliche Zukunft blüht: nämlich keine mehr.
Historische Substanz ist geschützt
Denn die Worte von Dr. Gerd-Ulrich Kapteina, Pressedezernent des Verwaltungsgerichts, nach dem Urteil gegenüber unserer Zeitung waren eindeutig: Bei den notwendigen Arbeiten für die Sanierung des Gräfrather Bahnhofes wäre der umfangreiche Austausch von Bausubstanz unumgänglich. "Wenn dies am Ende zu einer Rekonstruktion des Ursprünglichen führt, dann ist die denkmalwürdige historische Identität nicht mehr gegeben", unterstrich er.
Grundsätzlich sind Baudenkmäler nämlich in ihrer historischen Substanz geschützt. Wenn man nun den Hedderich-Pavillon – der vor allem aus mit Silikon verklebtem Glas und verrosteten Eisenstreben besteht – auseinandernehmen würde, um ihn woanders wieder aufzubauen, bliebe am Ende wohl nur ein Haufen Schrott, dessen Abbau und anschließender Wiederaufbau die Stadt teuer zu stehen kommt.
Zwei Jahre Zeit für Abriss
Da man das im Solinger Rathaus ähnlich sieht, hat man den neuen Bauminister Harry K. Voigtsberger (SPD) bereits vor einigen Wochen um eine Neubewertung für den von Ex-Minister Oliver Wittke angeordneten Wiederaufbau des Hedderich-Pavillons gebeten. Eine Antwort steht noch aus. "Wir rechnen nicht so schnell mit einer Antwort", sagte Stadtsprecher Lutz Peters.
Klarer sind hingegen die nächsten Schritte beim Gräfrather Bahnhof. Zwar will man es im Rathaus nicht so deutlich formulieren. Aber letztlich wird man auf eine Berufung auf das Urteil des Verwaltungsgerichtes verzichten. Bevor die Bauverwaltung nun auf dem Abrissantrag des Eigentümers Siegfried Lapawa – dieser Antrag war Gegenstand des Gerichtsverfahrens – einen Stempel macht, wartet man das schriftliche Gutachten ab. Der nach Langenfeld abgewanderte Unternehmer hat mit Datum der Antragsstellung zwei Jahre Zeit, die Bagger anrollen zu lassen. Die Politik hat dazu nun nichts mehr zu sagen.
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