Solingen: Baustelle bremst S-Bahn aus
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 10.02.2011Solingen (RPO). In der Regel lobt sich die Deutsche Bahn für ihre Pünktlichkeit. Doch nun gibt sie gegenüber Jürgen Hardt (CDU) häufige Unpünktlichkeiten bei der S-Bahn-Linie S 1 zu. Der Grund: Die S 6 habe Vorrang vor der S 1.
Pendler monieren es seit Jahren, nun hat auch die Deutsche Bahn gegenüber dem bergischen Bundestagsabgeordneten Jürgen Hardt (CDU) erstmals eingeräumt, dass es auf der Strecke der S-Bahn-Linie S 1, die zwischen Solingen und Dortmund verkehrt, verstärkt zu Verspätungen kommt. Die Bahn sieht dafür allerdings einen konkreten Anlass: nämlich eine Großbaustelle bei Leverkusen, wodurch die Strecke dort teilweise nur einspurig befahrbar sei.
"Der Konzernbevollmächtigte der Bahn für NRW, Reiner Latsch, hat mir mitgeteilt, dass die S 1 nachrangig zur S 6 disponiert werde und die S 6 wegen der Baustelle im Moment überdurchschnittlich oft unpünktlich sei", berichtet Hardt im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Folge: Auch die S 1, die zwischen Düsseldorf und Essen teilweise auf derselben Strecke wie die S6 fährt, verspäte sich deshalb. "Herr Latsch hat mir nun zugesichert, der Sache noch einmal nachzugehen und mit den Disponenten zu sprechen." Noch im Oktober, bei der Taufe des S-Bahn-Zugs "Solingen", hatte die Bahn erklärt, dass ihre S-Bahnen zu 95 Prozent pünktlich seien.
Großbaustelle bei Leverkusen
Zwischen Leverkusen-Schlebusch und Köln-Mülheim, dort verkehrt die S 6, werden seit Januar dieses Jahres die Oberleitungsanlagen erneuert. Insgesamt müssten 20 Kilometer Oberleitungen sowie 180 Masten verlegt und aufgestellt werden, teilt ein Bahnsprecher mit. Die Arbeiten sollen bis Mitte 2012 dauern. "Die Vorbereitung und Disponierung solcher Großbaustellen beginnt schon Monate vorher." Demzufolge könne es auch schon lange vor dem eigentlichen Baustart zu Zugverspätungen kommen.
Durch das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofs befürchtet Jürgen Hardt keine Nachteile für die S 1-Fahrer. Das Gericht hatte den 2009 geschlossenen S-Bahn-Vertrag zwischen Bahn und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) für ungültig erklärt und statt dessen eine öffentliche Ausschreibung der Strecken verlangt. "Das Urteil wird zu mehr Transparenz und Leistungsgerechtigkeit führen", meint der CDU-Politiker. "Davon werden die Kunden profitieren. Obwohl auch schon der jüngste Vertrag zwischen Bahn und VRR den Pendlern Vorteile gebracht hätte."
Urteil ändert erst einmal nichts
Laut VRR-Sprecher Johannes Bachteler bleibt für die S 1-Nutzer zunächst alles beim Alten. "Wir müssen erst die Gespräche mit der Bahn abwarten, um die Auswirkungen abschätzen zu können." Das sieht auch die Bahn so. Ihr alter Vertrag mit dem VRR läuft bis zum Jahr 2018. "Wir müssen jetzt das Urteil analysieren und Gespräche mit allen Beteiligten führen", erklärt Bahnsprecher Gerd Felser. Die Pendler hätten keine Verschlechterung zu befürchten. "Vorerst zumindest nicht." Geklagt hatte der Bahn-Konkurrent Abellio, der ab Dezember 2013 die Strecke des "Müngsteners" für 15 Jahre betreiben wird.
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