Solingen: „Eltern beim Thema Schule frustriert“
zuletzt aktualisiert: 24.10.2008Solingen (RPO). Nach den Worten des Stadtschulpflegschafts-Vorsitzenden Wolfgang Sinkwitz wünschen sich Eltern eine Schule, in der jedes Kind individuell nach seinen Möglichkeiten gefördert wird. Ein Ziel, von dem die Schule weit entfernt ist, beobachtet der Elternvertreter.
Überfordert Schule heutzutage Familien?
Sinkwitz Ja, ganz eindeutig. Familien werden durch den Betrieb Schule überfordert. Denn die individuelle Förderung, die von der Schulministerin so vehement gefordert wird, kann nicht realisiert werden. In einer 45-minütigen Unterrichtsstunde mit 30 Schülern hat der Lehrer 1,5 Minuten Zeit für jedes Kind. Doch dann muss alles glatt laufen bei der Vermittlung des Stoffpensums. Es darf keine Unterbrechungen und keine Ermahnungen geben. Das passiert aber sehr häufig während einer Schulstunde.
Worin besteht der Stress für die Familien?
Sinkwitz Ältere Kinder helfen ihren jüngeren Geschwistern bei den Hausaufgaben. Und die Eltern sind da natürlich auch gefordert, vor allem vor den Klassenarbeiten. Die neuen, zusätzlichen Anforderungen, die Schule zum Beispiel beim Turbo-Abitur stellt, werden auf die Familien abgeladen. Beim Turbo-Abitur müssen die Lehrer den Stoff in kürzerer Zeit durchpauken. Sie haben weniger Möglichkeiten, den Schülern etwas beizubringen. Das Turbo-Abitur schaffen die Kinder, die sowieso schon gut sind und die ein gutes Elternhaus haben.
Wie erleben Familien die Schulzeit ihrer Kinder?
Sinkwitz Beim Thema Schule sind Eltern frustriert.
Liegt das am Leistungsdruck, der immer früher beginnt?
Sinkwitz Der Leistungsdruck fängt zwar quasi schon in der Grundschule an. Doch nicht nur damit hängt der Frust der Eltern zusammen. Sie wünschen sich eine Schule, in der jedes Kind individuell nach seinen Möglichkeiten gefördert wird. Von diesem Ziel ist die Schule weit entfernt. Die begabten Kinder müssten eigentlich individuell gefordert werden. Doch dafür hat die Schule kaum Zeit. Und weniger gute Schüler müssten viel mehr gefördert werden.
Günter Tewes führte das Gespräch.
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