Solingen: Beste Hausfrau ist ein Mann
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 17.11.2006Solingen (RPO). Beim 2. Solinger Stollentag in der Kassenhalle der Stadt-Sparkasse wurden auch die besten Hausfrauenstollen prämiert. Der erste Preis ging an Rolf Luchtenberg, der sich seit 12 Jahren dem Stollenbacken widmet.
Anerkennendes Kopfnicken: Die Profis müssen neidlos eingestehen, dieser Stollen ist einfach lecker. Gebacken hat ihn Rolf Luchtenberg und damit unter 15 „Hausfrauenstollen“ den ersten Platz gemacht. Der Lohn für die Mühen ist ein hochwertiges Güde-Brotmesser.
Angefangen hat der 63-jährige mit dem Backen von Brot. „Das ist bestimmt 25 Jahre her, Jean Pütz hat damals in der Hobbythek gezeigt, wie man Sauerteig ansetzt“, erzählt der Telekombeamte im Ruhestand. Später kam dann jedes Jahr zur Weihnachtszeit der Stollen dazu. Neun Stück backt er in der Adventszeit, die meisten verschenkt er. „Eigentlich wollte er in diesem Jahr gar nicht backen, doch dann haben wir vom Stollentag gelesen und außerdem haben unsere Bekannten schon gefragt, wann es wieder Stollen gibt“, berichtet Ehefrau Anneliese, die bei den Luchtenbergs für das Backen von Kuchen und Torten zuständig ist.
Stollentrends
Am beliebtesten ist der Rheinische Stollen, der besonders saftig ist, der im Gegensatz zum Dresdner Stollen oft mit Marzipanfüllung angeboten wird und der kein Schweineschmalz enthält. Aber auch Spezialstollen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit beim Kunden: Mohn-, Nuss-, Walnussstollen oder auch Bio- und Vollkornstollen, die weniger süß und mit Vollkornmehl gebacken sind.
Rolf Luchtenberg backt den klassischen Stollen mit Rosinen, Zitronat und Marzipan. Hand geformt muss er sein, findet der Rentner, und gut durchgezogen. Nach dem Backen wird die selbstgemachte Köstlichkeit in Alufolie verpackt und gelagert, aber auf keinen Fall im Kühlschrank. Das erste Stollenrezept bekam Luchtenberg von einem Freund, der erste Backversuch war eher eine Enttäuschung, erinnert er sich. „Der war viel zu flach, ein Briefkastenstollen, wie mein Freund sagte.“ Doch das ist nunmehr 12 Jahre her und die Stollen von Rolf Luchtenberg sind nicht nur optisch ein Genuss. Prüfer Wilfried Robertz, der insgesamt noch 14 weitere Hausfrauenstollen probierte, hat fast nichts auszusetzen an den Stollen von Rolf Luchtenberg. Ein wenig zu lange in der Gärphase sei er gewesen, befindet der Experte. Im Klartext: Der Stollen ist ein bisschen zu lange aufgegangen vor dem Backen.
Nach der Begutachtung der Hausfrauenstollen musste Wilfried Robertz noch 15 Profistollen verkosten. Nach 30 Proben ist dann auch Feierabend, sagt der Tester, danach schmecke man nichts mehr. Prüfkriterien sind aber nicht nur der Geschmack, sondern auch Form und Volumen, Aussehen, Bräunung, Lockerung, Füllung und der Geruch. Was den Geschmack angeht, da wendet der Prüfer einen einfachen Grundsatz an: Keine der Zutaten darf vorschmecken. „Bei einem Industriestollen werden sie sofort die Gewürzmischung herausschmecken“, sagt Robertz, bevor er den ersten Stollen seiner Bäcker-Kollegen mit einem Sägemesser auseinander teilt.
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