Solingen: Bildung: Herkunft entscheidet
zuletzt aktualisiert: 24.05.2008Solingen (RPO). Als Professor Dr. Karl Lauterbach (SPD) in den USA studierte, dachte der Humanmediziner, dass kaum ein Bildungssystem so ungerecht sein könnte wie jenes in den Vereinigten Staaten.
Zurück in Deutschland wurde dem heutigen Bundestagsabgeordneten allerdings sehr schnell klar, dass auch in der hiesigen Bildungslandschaft einiges im Argen liegt. „Nur eines von 20 Kindern aus einer Arbeiterfamilie studiert überhaupt, bei Migranten ist die Quote noch sehr viel schlechter“, sagte Lauterbach gestern im gut besuchten Forum der Volkshochschule in den Clemens-Galerien. Auf Einladung der Solinger SPD referierte Lauterbach über die Themen Gesundheits- und Bildungspolitik und stellte sein neues Buch „Der Zweiklassenstaat“ vor.
„Obwohl Migranten seit 40 Jahren in Deutschland eine erhebliche Rolle spielen, kommen aus ihren Reihen so gut wie gar keine Universitätsprofessoren“, machte Lauterbach deutlich. Auch in der Studentenschaft sei der Migrantenanteil vergleichsweise gering. Längst verliere Deutschland weltweit in Bildungssachen Boden an andere aufstrebende Länder. „Um das in den Griff zu bekommen, müsste man flächendeckend ein qualitativ hochwertiges Netz an Kindertagesstätten anbieten. Man muss den Mut haben, das dann auch über Steuergelder zu finanzieren“, forderte Lauterbach die Frühförderung der Kinder.
Eine Zweiklassengesellschaft gebe es in Deutschland nicht nur im Bildungs-, sondern auch im Gesundheitssystem. Zwar wird jeder Erkrankte grundsätzlich immer behandelt, doch hänge es oft von der Art der Versicherung ab, wie letztlich Wartezeit und Qualität der Therapie aussehen. „Deutschland ist das einzige Land in Europa, wo es eine private und eine gesetzliche Krankenversicherung nebeneinander gibt“, so der 45-Jährige.
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