Solingen: Birker Bad wird zur Bühne
VON SANDRA HEINZELBECKER - zuletzt aktualisiert: 14.03.2009Solingen (RPO). Mit einer Bühne, die weit ins Wasserbecken hineinragt, wird das Birker Bad von einer Schwimmhalle zu einem außergewöhnlichen Theaterschauplatz. Das stellt nicht nur die Schauspieler vor eine Herausforderung.
In diesem Jahr gilt es nicht nur das 25jährige Bestehen des Theaterensembles Profan zu feiern, sondern auch 50 Jahre Lebenshilfe Solingen, die älteste Lebenshilfe Deutschlands. "Wir wollten anlässlich dieser Jubiläen etwas gemeinsam machen", erklärt Josef Neumann, Geschäftsführer der Lebenshilfe Werkstatt für Behinderte. "Es sollte ein spektakulärer Ort sein für die außergewöhnliche Zusammenarbeit", sagt er weiter.
Was ungewöhnliche Orte anbelangt, hat das Ensemble Profan schon einige Erfahrungen gesammelt. "Wir Theaterleute haben natürlich immer Visionen von besonderen Orten", so Regisseur Michael Tesch. Im Anstoßkreis des Ohligser Stadions oder auf einem LKW fand bereits Theater statt, das Birker Bad steht bereits seit gut zehn Jahren auf der Wunschliste.
Termine
Aufgeführt wird im Birker Bad "Die Stühle", eine tragische Farce von Eugène Ionesco. Die Premiere findet am 25. Juni um 20 Uhr statt. Weitere Aufführungen: 26. Juni um 11 und 20 Uhr, 27. Juni um 19 Uhr und 28. Juni um 16 Uhr. Ab dem 18. März sind Karten im Vorverkauf an der Theaterkasse (Tel. 20 48 20) und in allen Bürgerbüros für 17 Euro (11 Euro) erhältlich.
Theater im Birker Bad – dies stellt den Technischen Leiter Klaus-Peter Voigt vor so manche Herausforderung: Sei es die Spielfläche, die zu zwei Dritteln auf dem Wasser stehen wird – genau da, wo das Gefälle im Becken besonders extrem ist –, oder die vielen Säulen, die den Zuschauern die Sicht auf die Bühne verstellen können. Voigt hat die Einstellung: "Es geht grundsätzlich alles." Begeistert von der "Location", möchte er allein mit der Beleuchtung beweisen, wie anders das Birker Bad aussehen kann. "Das wird der erste Aha-Effekt für das Publikum", verspricht er.
Gespielt wird von Profan das Stück "Die Stühle" von Eugène Ionesco, der es 1952 schrieb und damit eines der bekanntesten Stücke des Absurden Theaters schuf. Es ist eine Suche nach Möglichkeiten, die Welt zu verstehen und nach der Position des Menschen in dieser Welt. "Die Stühle" handelt von einem Ehepaar, das auf einen von ihnen bestellten Redner wartet, der Wichtiges verkünden soll. Zwischenzeitlich empfangen sie jede Menge Gäste, die nur sie selbst sehen können.
Natürlich hat das Stück etwas mit Wasser zu tun. "Es kommen Boote vor, mit denen die vermeintlichen Gäste ankommen", erklärt Michael Tesch. Also genau das Richtige für eine Umsetzung im Birker Bad. Dieses wird vom Stadtdienst Sport zur Verfügung gestellt, denn die Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Kulturbüro Solingen statt. Für das leibliche Wohl sorgt die "Anders-leben-Eissporthalle" und für die Sicherheit stehen Rettungsschwimmer bereit. Neben den angekündigten Aufführungsterminen, soll es Sondervorstellungen für behinderte Menschen und auch für Schulklassen geben.
Vom Schwimmer zum Darsteller
Neben Daniel Baranski und Renate Kemperdick wird auch Uwe Dahlhaus auf der Bühne stehen, der das Birker Bad aus seiner Jugend kennt. "Ich war jede Woche einmal hier zum Schwimmen", erinnert er sich. Nun freut er sich darauf, als Schauspieler ins Bad zurückzukehren. Es ist ein spektakulärer Ort für ein Theaterstück – genau das passende für eine gemeinsame Jubiläumsfeier.
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