Solingen: Bögra bietet Beschäftigungsgarantie
VON UWE VETTER - zuletzt aktualisiert: 12.07.2012Solingen (RP). 2011 war für die Bögra Technologie GmbH ein gutes Jahr. "Das ist hervorragend gelaufen, es war mit eines der besten in unserer Firmengeschichte", sagt Geschäftsführer Dietmar Schneider. Auch Gesellschafter Michael Linser pflichtet dem bei: "Ein absolutes Boomjahr in der Automobilgeschichte." Davon hat das Walder Unternehmen profitiert, zumal es gut 70 Prozent des Umsatzes als Automobilzulieferer einfährt. Der Rest kommt über die Elektroindustrie und den allgemeinen Maschinenbau zusammen.
Bögra ist Technologieführer bei Vollbronze-Gleitlagern für Motoren. Eine weitere Sparte ist der Formguss für die Elektro- und Maschinenbauindustrie. All das ließ sich 2011 gut verkaufen. Anteil daran hatten die rund 140 Mitarbeiter. "Unsere Leute sind unsere größte Wertschöpfung", versichert Linser. Derzeit verhandeln Geschäftsführung und Mitarbeiter/IG Metall über einen Haustarifvertrag (wir berichteten) – bislang ohne Ergebnis. Für den 20. Juli ist ein weiteres Gespräch vereinbart worden.
Umfassendes Angebot vorgelegt
Die Fronten am Verhandlungstisch sind momentan verhärtet. Während die Mitarbeiter 6,5 Prozent mehr Lohn und Ausbildungsvergütung fordern, unter anderem auch mehr Mitbestimmung bei der Leiharbeit, wurde das Angebot der Unternehmensleitung bisher lediglich auf 2,5 Prozent mehr Lohn reduziert. "Dagegen wehren wir uns, das stimmt so nicht", sagt Christian Schneider, beim 1913 gegründeten Unternehmen für Recht, Personal und Marketing zuständig.
Vielmehr habe man "ein umfassendes Gesamtpaket bis hin zur Gewinnbeteiligung" unterbreitet. Das beinhaltet eine jährliche Entgelterhöhung von 2,5 Prozent für die nächsten drei Jahre, erweiterte Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates bei der Einstellung von Leiharbeitern, die Übernahme von mindestens 60 Prozent der derzeit befristeten Arbeitsverhältnisse in unbefristete, die unbefristete Übernahme von Auszubildenden, sofern eine erwartete Abschlussnote erreicht wird. Allerdings auch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 36,5 Stunden.
Bestandteil des Paketes ist zudem "eine Beschäftigungsgarantie für 110 Mitarbeiter", sagt Christian Schneider. "Wir sind auch nicht aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten, weil wir das Tarifrecht nicht anwenden wollen", stellt der Prokurist klar. Vielmehr müsse man als Mittelständler flexibel reagieren können. "Die Verbandspolitik wird den Interessen der Mittelständler nicht gerecht, eher den großen Unternehmen", begründet Schneider.
Flexibilität sei aber Tag für Tag geboten – bei Produktentwicklungen, bei der Erschließung neuer Märkte und bei der Wettbewerbsfähigkeit. Gerade Letzteres sei wichtig, betont Geschäftsführer Dietmar Schneider und verweist mit Blick auf die derzeitigen Verhandlungen über den Haustarifvertrag: "Wir haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ein Auftragsvolumen in Höhe von 3,6 Millionen Euro nicht realisiert können, weil wir zu teuer waren."
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