Solingen: Bösartige Tumore stoppen
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 12.06.2008Solingen (RPO). Die St. Lukas Klinik hofft auf einen medizinischen Durchbruch in der Behandlung von Brustkrebs. Als einzige Klinik im Bergischen Land nimmt sie nun an einer weltweiten Studie zu einem neuen Medikament teil.
Patientenforum
Am Montag, 16. Juni, informiert die Lukas Klinik in einem Patientenforum über das neue Medikament. Um 19 Uhr lädt sie zu einem Vortrag mit dem Titel „Kleines Molekül – große Hoffnung“ in den Gemeinschaftsraum des Personalwohnheims, Schwanenstraße 132, ein. Anschließend können Fragen gestellt werden.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Die Behandlung von Brustkrebs könnte bald einen Schritt weiter sein. Und die St. Lukas Klinik hofft, dazu beitragen zu können. Sie ist nach eigenen Angaben eins von deutschlandweit 205 Prüfzentren, das nun an einer internationalen Medikamentenstudie teilnimmt – und zwar als einzige Klinik im Bergischen Land. In Wuppertal beteilige sich noch eine Arztpraxis an der Studie. „Lapatinib“ heißt die Arznei des britischen Pharmaherstellers Glaxo Smith Kline, die dafür sorgen soll, dass ein aggressiver Tumor keine Tochtergeschwülste – so genannte Metastasen – in anderen Körperteilen bildet.
Etwa ein Viertel aller Brustkrebspatientinnen tragen solch einen aggressiven Tumor in sich, berichtet Martin Peters. „Haben sich erst einmal Metastasen gebildet, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung anschließend nur noch 24 bis 55 Monate“, erklärt der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe an der St. Lukas Klinik. Diese Lebenserwartung soll jetzt durch „Lapatinib“ erhöht werden.
Das Besondere an dem Wirkstoff: Er besteht aus Molekülen, die so klein sind, dass sie in Tumorzellen eindringen und von innen deren Wachstum stoppen können. Bisherige Medikamente – standardmäßig wird, wenn möglich, „Herceptin“ eingesetzt – schaffen das noch nicht. Sie versuchen statt dessen, von außen die Signale zu blockieren, die an den Tumorzellkern den Befehl weitergeben, sich durch Zellteilung zu vermehren. Das klappt jedoch nicht immer, weil die äußeren Signalwege mitunter verändert und die Medikamente in diesen Fällen wirkungslos sind. Mehr Erfolg versprechen da die Signalblockaden im Inneren der Zelle, sagt Martin Peters.
Durch die kleine Größe des neuen Moleküls hoffe man zudem, die Bildung von Metastasen im Gehirn verhindern zu können, was bislang kaum möglich ist. „Ein weiterer Vorteil von ,Lapatinib’ ist, dass er als Tablettenform erabreicht wird und nicht – wie sonst üblich – als Infusion.“ Das erleichtere den Patientinnen den Alltag.
Zurzeit ist das neue Medikament allerdings noch nicht im Handel. „In Amerika wurde der Wirkstoff im März 2007 zugelassen“, berichtet Peters. In der Europäischen Union fehle dagegen noch die Vermarktungsfreigabe, die in den nächsten Monaten erwartet werde. „Im Moment ist ,Lapatinib’ deshalb nur in Studien verfügbar.“ Unter anderem in der weltweiten, von mehreren Pharmafirmen gesponserten Langzeit-Untersuchung mit dem Titel „ALTTO“, in der die Wirkung von „Lapatinib“ und „Herceptin“ bei Neuerkrankten verglichen wird. Vier Frauen mit Brustkrebs hätten in der St. Lukas Klinik bereits ihr Interesse bekundet teilzunehmen. Weitere Interessenten seien willkommen.
„Es braucht niemand zu befürchten, ein Versuchskaninchen zu sein“, versichert Professor Klaus Meinen, Chefarzt der Gynäkologie. Schließlich sei das Medikament bereits in anderen Ländern zugelassen. Auf die Teilnehmer kämen keine Kosten hinzu. Auch Frauen, die schon seit Jahren erfolglos gegen Brustkrebs kämpfen, könnten sich melden. Falls die neue Arznei für ihre Tumorart geeignet sei, versuche man, andere Möglichkeiten als die Studie zu finden, um sie einzusetzen.
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