Solingen: Bus statt "Müngstener" bleibt
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 14.12.2010Solingen (RPO). Noch immer ist völlig unklar, ab wann wieder Züge über die Müngstener Brücke rollen können. Wegen der geplanten Grundsanierung des Stahlbauwerks soll die Brücke im Jahr 2012 sogar mehrfach über Monate gesperrt werden.
Eine Hiobsbotschaft für Pendler gestern im Planungsausschuss: Dass sie in den Schienenersatzbus steigen müssen, statt mit dem "Müngstener" über die Brücke zu fahren, ist kein einmaliges Intermezzo. Wegen der Grundsanierung, die das imposante Stahlbauwerk auf Jahrzehnte sichert, soll die Brücke im Jahr 2012 sogar mehrfach über Monate gesperrt werden. Auch in den Folgejahren werden Sperrungen aufgrund der Arbeiten nicht zu vermeiden sein, kündigten Michael Käufer, Leiter des Bahn-Netzbetriebes, sowie Ludger Drabiniok vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr während der Sitzung im Kammermusiksaal an. Dort gab es Kritik angesichts der unzureichenden Informationspolitik. Die Ausschuss-Mitglieder verständigten sich darauf, die Müngstener Brücke zum regelmäßigen Tagesordnungspunkt zu machen, um der Bahn auf die Finger zu schauen und nachzuhaken.
Seit Wochen gesperrt
18. November Die Deutsche Bahn hatte in einer Nacht-und-Nebel-Aktion am späten Donnerstagabend die Müngstener Brücke voll gesperrt. Pendler wurden davon auf dem Weg zur Arbeit am nächsten Morgen kalt erwischt. An 24 Stellen sollen Laschen zur Verstärkung der Brücke angebracht werden.
1. Dezember Wegen Eis und Schnee stoppte die Bahn am vergangenen Mittwoch die Instandsetzungsarbeiten auf der Brücke aus Sicherheitsgründen. Bisher konnte noch nicht weitergearbeitet werden.
Eigentlich sollte gestern auf der Müngstener Brücke wieder gearbeitet werden. Wegen des Frost-Wetters war dies aber aus Arbeitsschutzgründen nicht möglich. Sieben Arbeitstage, so die Bahn, werden noch benötigt, um die Laschen zur Verstärkung der Brücke anzubringen. Bevor dann der Fahrbetrieb wieder aufgenommen kann, ist aber zunächst die Erlaubnis des Eisenbahnbundesamtes, das ebenfalls eine Sperrung der Brücke verfügt hatte, erforderlich. Liegt diese vor, braucht die Bahn eine weitere Woche, um den fahrplanmäßigen Betrieb über die Brücke wieder aufzunehmen.
Unterdessen bemüht sich die Bahn weiter um Schadensbegrenzung bei ihren Fahrgästen. Ein Reiselenker mit seiner auffälligen Jacke in Signalrot hat jedenfalls auch zum gestrigen Wochenstart am Bahnhof Mitte Fragen von Fahrgästen beantwortet, den Weg vom Bahnsteig 2 zum wartenden Bus erklärt und beim Koffer tragen geholfen. Bei der am häufigsten gestellten Frage, wusste aber auch er nicht weiter: "Wie lange dauert das denn noch?" – Hunderte Mal hat der Service-Mann dies in den vergangenen Wochen von erbosten Pendlern schon gehört.
Verärgert sind Susanne und Wolfgang Mahnert, die am Bahnhof Mitte in den Bus steigen müssen, der sie zum "Müngstener" nach Remscheid-Güldenwerth bringt. "Wenn es sich vermeiden lässt, nehmen wir den Zug schon nicht mehr."
Dass die Bahn mit dem Schienenersatzbus wegen der Sperrung der Müngstener Brücke Kunden verprellt, beobachtet auch Gustavo Felipe. Auf dem Weg zur Arbeit muss der 30-jährige Remscheider die beschwerlichere Sonderbus-Fahrt auf sich nehmen. Von Tag zu Tag erlebt er, dass vor allem abends auf der Rückfahrt weniger Fahrgäste im Bus sitzen. "Es dauert einfach länger", ärgert er sich über den Zeitverlust. "Das ist sehr ätzend."
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