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Solingen: "Das ist ein Kuhhandel"

VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 06.03.2010

Solingen (RPO). Statt Pina-Bausch-Platz wollen die Bezirksvertreter jetzt einen "Walder Marktplatz" schaffen, um den Stadtteil vor der Zerreißprobe zu retten. "Der Kompromiss-Vorschlag bringt die Menschen wieder zusammen", wünscht sich eine Marktbesucherin ein Ende des unsäglichen Namensstreits.

Kleines Straßenschild; große Aufregung: Die Foto: RPO

Kartoffeln, Spinat, Äpfel und andere Landprodukte hat der Walder Wochenmarkt auch gestern geboten. Das Angebot an den Ständen dürfte für Lars Schulz, Rolf Chudy, Hartmut Schmilewski, Erhard Emons und Helga Richter von der Bürgerinitiative Hindenburgplatz Symbolkraft haben für das Hin und Her in der Bezirksvertretung.

Das Gerangel ähnelt einem Bauermarkt mehr denn einem Stadtteilparlament. "Das ist ein Kuhhandel", werten die Mitstreiter der Bürgerinitiative das neueste Kapitel im Streit um die Umbenennung, dass am kommenden Montag in der Sitzung der BV aufgeschlagen werden soll: SPD, Grüne und Linke rudern zurück und bieten einen Kompromiss an: Statt Pina Bausch soll der Hindenburgplatz seine historische Bezeichnung zurück bekommen und zum "Walder Marktplatz" werden. Und für die weltberühmte Tänzerin soll andernorts in der Stadt eine geeignete Stelle gefunden werden, um die Künstlerin zu ehren.

Stadttheater nach Pina Bausch?

Was sagen die Bürger dazu? – Lars Schulz, Rolf Chudy, Hartmut Schmilewski, Erhard Emons und Helga Richter wollen an diesem Wochenmarkt-Vormittag ein Meinungsbild gewinnen. Doch das Stimmungsbild belegt aufs Neue, dass der Hindenburgplatz ein emotionales Thema ist. Anders als bei Pina Bausch laufen die Marktbesucher allerdings nicht Sturm gegen einen "Walder Marktplatz". Gleichwohl, auf freudige Zustimmung trifft der Vorstoß nicht. "Der Kompromiss-Vorschlag bringt die Menschen wieder zusammen", wünscht sich eine Marktbesucherin das Ende des unsäglichen Streits.

Karl Hoffmann fände den neuen Namen zwar "in Ordnung"; es könne aber auch so bleiben wie bislang, nämlich Hindenburgplatz. Ein "Walder Marktplatz" würde Klaus Thurley dagegen nichts sagen. Der Walder ist mit Entschiedenheit dagegen, dass der Platz umbenannt wird. "Die Umbenennung ist unsinnig", meint Friedrich-Dieter Berger.

Auch Friederike Dültgen möchte am liebsten den Hindenburgplatz behalten. Bärbel Kickert freut sich, dass Pina Bausch als Namensgeberin für den großen Platz in dem Stadtteil nicht mehr genommen werden soll. Ein Platz im Südpark sei doch viel geeigneter. Dort sei doch schon ein Künstlerviertel, sagt sie. Hans Hundenborn sieht das ganz ähnlich. Pina Bausch sollte an einem kulturellen Ort geehrt werden, etwa am Theater.

Oberbürgermeister Norbert Feith denkt ebenso in diese Richtung und schlägt konkret vor, "auch darüber nachzudenken, ob unser Theater und Konzerthaus nach Pina Bausch benannt werden sollte". Die Bedeutung der Künstlerin als Persönlichkeit des gesamten Bergischen Landes würde nach Feiths Worten aber beispielsweise auch die Benennung des neu entstandenen Platzes im Müngstener Brückenpark "gut nachvollziehbar und begründbar machen".

"Das ist ein Trauerspiel", erleben Erika und Reiner Müller den Walder Namensstreit, der den Stadtteil seit Wochen nicht zur Ruhe kommen lässt. Die Stadt habe doch so viele Schulden, es gebe so viele Leerstände in Wald – "haben die denn keine anderen Sorgen?" Für die Schilder müsse doch wieder Geld ausgegeben werden.

2200 Euro kostet die Umbenennung. Das Geld dafür haben die Grünen, aber auch SPD und Linke bereits gesammelt. "Wir werden jetzt jeden Spender anschreiben, ob er sein Geld zurückhaben will oder es für einen ähnlichen Zweck einsetzen will", sagt Frank Knoche (Grüne) unserer Zeitung. Logisch, auch bei einem "Walder Marktplatz" müssten ja neue Straßenschilder gedruckt werden.

Dabei hat Norbert Scheulen, Eigentümer des einzigen Wohnhauses am Hindenburgplatz, schon eine ironische Spitze angesichts des Namensstreits verfasst: "Äpfel, Birnen, kleiner Plausch, gibt's jetzt auch bei Pina Bausch", steht auf dem Plakat im Fenster der Hausseite, die zum Wochenmarkt zeigt.

Ein "Walder Marktplatz" würde der Walder CDU-Chefin Rita Pickardt jedenfalls gefallen. "Wir haben ja bereits einen Walder Kirchplatz. Das passt zusammen."

Quelle: RP

 
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