Solingen: Dem Feinstaub auf der Spur
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 09.01.2007Solingen (RPO). Er ist kleiner als ein tausendstel Millimeter und gesundheitsgefährlich: Feinstaub. Eine Mess-Station ermittelt an der Konrad-Adenauer-Straße jetzt die Luftbelastung durch die Abgase der bis zu 42 000 Fahrzeuge täglich.
Stoßstange an Stoßstange rauschen die Autos über die Konrad-Adenauer-Straße. Bis zu 42 000 Fahrzeuge passieren täglich die Engstelle der viergeschossigen Häuserschlucht zwischen Schlagbaum und Clemens-Galerien in der City. Das sei ein ganze Menge, berichten Dr. Babette Winter und Matthias Kistenich mit Blick auf den Verkehrsstrom. Für die Sprecherin des Landesamtes für Natur- und Umwelt und Verbraucherschutz sowie den städtischen Umweltplaner ist es eine logische Konsequenz, dass jetzt genau hier die Luftbelastung durch die Auspuff-Gase der Fahrzeuge einmal genau nachgeprüft wird.
Gestern ist der Mess-Container des NRW-Landesamtes am Straßenrand aufgestellt worden. Gemessen wird für ein Jahr, durchgehend rund um die Uhr. Vor allem die Feinstaubwerte sollen ermittelt werden, aber auch Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid und Stickstoffmonoxid sowie Benzol und Schwermetalle werden ermittelt.
Zwei Mess-Stationen
Zwei der 72 Luftmess-Stationen in NRW befinden sich in Solingen: auf dem Gelände der Entsorgungsbetriebe, Dültgenstaler Straße, sowie seit gestern in der Konrad-Adenauer-Straße. Die Daten veröffentlich das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz im Internet. Bereits ab heute sollen die gemessenen Werte der neuen Station in der City dort zu finden sein, kündigt Sprecherin Dr. Babette Winter an.
In sechs Monaten erste Bilanz
„Nach einem halben Jahr wird man schon eine erste Einschätzung geben können“, sagt Landessprecherin Barbara Winter über die Aussagekraft der Messwerte. Kritische Größe sind 50 Mikrogramm Feinstaub pro Quadratmeter Luft. Werden die an 35 Tagen im Jahr an der Konrad-Adenauer-Straße überschritten, muss laut Umwelt-Recht gegengesteuert werden. Denkbar wäre zum Beispiel ein Fahrverbot für Lastwagen im Berufsverkehr. Doch auch wenn sich die Feinstaub-Belastung in Richtung der 35-Tage bewegt, muss nach ihren Worten bereits ein Luftreinhaltungsplan für die Bundesstraße aufgestellt werden. Vorstellbar wäre diese Maßnahme jedenfalls.
Bei den Entsorgungsbetrieben an der Dültgenstaler Straße in Wald steht seit Jahren bereits ein Mess-Container. Die Luftbelastung sei dort relativ niedrig, sagt Babette Winter über der Ergebnisse. An zwölf Tagen wurde hier im vergangenen Jahr der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten, und im Jahr 2005 waren es sieben, 2004 neun Tage.
Feinstaub ist kleiner als ein tausendstel Millimeter. Er ist zu klein, um von den Atemwegen aufgehalten zu werden. Feinstaub kann bis in die Lungenbläschen gelangen. Dies kann langfristig zu Atemwegserkrankungen und Krebs führen.
Ein Lastwagen stößt zehn Mal so viel Feinstaub aus wie ein Pkw. Babette Winter verweist auf diese Faustregel. Angesichts dieser Größenordnungen ist Matthias Kistenich froh über Solingens elektrifizierten Busverkehr. „Hier auf der Konrad-Adenauer-Straße haben wir täglich bis zu 700 O-Bus-Fahrten.“ Wären das Dieselbusse, wäre das Feinstaubproblem nach Einschätzung des städtischen Umweltplaners wohl noch größer.
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