Solingen: Den langen Weg der Scheren nachvollziehen
zuletzt aktualisiert: 29.06.2009Solingen (RPO). In einer großen Trommel werden Scherenhälften mit Porzellanstücken durcheinander gemischt. Die kleinen grauen Stücke haben unterschiedliche Formen – Kreuze, Würfel, runde Teile. Sie sollen die Scherenhälften sanft abschleifen. "Es soll ja am Ende alles schön glänzen und glatt sein", erklärt Tim Niegeloh. Diese Maschine steht in der Gleitschleiferei der Stahlwarenfabrik Ernst und Willy Niegeloh. Zusammen mit den befreundeten Betrieben, Franz Güde, Robert Herder, Kretzer und Carl Mertens öffneten sie zum 1. Solinger Schneidwaren-Samstag ihre Pforten.
So konnte man bei der Firma Niegeloh den Werdegang einer Nagelschere vom rohen Metallband bis hin zur fertig polierten Schere verfolgen. Und das ist ein erstaunlich langer Weg. Zu Beginn müssen die Werkzeuge gebaut werden, die für die Herstellung der Scheren, Feilen und Pinzetten notwendig sind. Auch das geschieht im Hause Niegeloh. Aus Metallbändern werden Teile ausgestanzt, die man schon klar als Scherenhälften erkennen kann. Laut und warm ist es in den Werkshallen. Viele Maschinen sind in Betrieb, und die Facharbeiter beantworten gerne Fragen der Besucher. Zum Beispiel, wie viel Kraft die einzelnen Pressen haben. "Die stärkste Presse übt einen Druck von 600 Tonnen aus, wer da seine Hand rein bekommt…" Tim Niegeloh spricht den Satz nicht zu Ende. Man möchte es sich nicht vorstellen. Die Scherenhälften werden geschliffen, gehärtet, sortiert. Es werden Gewinde geschnitten, Löcher gestanzt. Ein Roboter bedient eine CNC-Schleifmaschine, die gleich mehrere Vorgänge auf einmal erledigt. Dann werden die Scherenhälften poliert, bevor sie schön blank in die Scherenmontage gehen. Am Ende müssen die fertigen Scheren die wachsamen Augen der Kontrolleure passieren.
Nageletuis aus Rochenhaut
"Jede Schere wird geprüft", sagt Tim Niegeloh. Erst dann wird sie zum Verkauf freigegeben. "Wir möchten einfach den Leuten nahe bringen, wie viel Arbeit hinter einer solchen Schere steckt", so Niegeloh. Doch auch einen Blick in die Pinzetten- und Knipserproduktion dürfen die Besucher werfen. Natürlich darf ein Besuch im Werksverkauf nicht fehlen. Stefanie Simon zeigt die neuen Etuis, die aus so exotischen Ledern wie vom Straußenbein oder Rochen gefertigt sind. "Wir achten dabei natürlich auf den Artenschutz", betont sie.
Wer an diesem Samstag die Führungen verpasst hat, darf sich freuen, denn es sind weitere Schneidwaren-Samstage geplant." Mit dem ersten Samstag jedenfalls waren die beteiligten Firmen sehr zufrieden. Hunderte Besucher nutzten die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
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