Solingen: Der Schock im Normalen
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 13.10.2007Solingen (RPO). Mit Werner Schwabs Drama „Die Präsidentinnen“ bringt das Ensemble Profan drei starke Frauen auf die Bühne. In deren Gesprächen kommt Schockierendes scheinbar ganz nebenbei ans Tageslicht.
Es sind ganz normale Frauengespräche: von den Kindern, die partout keine Kinder bekommen wollen, vom Kauf eines gebrauchten Fernsehgerätes oder von einer nagelneuen Pelzmütze aus dem Fundbüro. Doch die Normalität ist nur vordergründig. Im Bühnenerstling des Österreichers Werner Schwab (1954 bis 1994) geht es sprachlich wie inhaltlich zur Sache. Die drei in die Jahre gekommenen Protagonistinnen des Stücks unterhalten sich in ganz normalen Sätzen wie es scheint, dazwischen kommt die Sprache auf Schockierendes, zum Beispiel den Missbrauch der Tochter durch den Vater. Oder die Sprache selbst schockiert, nicht umsonst sind „Die Präsidentinnen“ das meistgespielte Stück des früh verstorbenen Dramatikers, in dem aber auch eins klar wird: Das Abgründige kann durchaus auch komisch sein.
Termine
Premiere haben „Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab am Dienstag, 30. Oktober, um 19.30 Uhr, auf der Studiobühne im Theater. Weitere Vorstellungen sind am 31. Oktober und am 1. November, ebenfalls um 19.30 Uhr. Eintrittskarten kosten 13 Euro im Vorverkauf an der Theaterkasse (Telefon 20 48 20).
Die drei Darstellerinnen des Ensemble Profan, die das Stück derzeit unter der Regie von Michael Tesch einstudieren, mussten sich langsam an die radikalen Texte gewöhnen. „Es ist etwas anderes, wenn eine Frau auf der Bühne „Scheiße“ sagt, weiß Dajana Berkenkopf, die in der Rolle der Mariedl die Toiletten ohne Handschuhe reinigt. Das Lesen des Textbuches hat die Darstellerin beim ersten Mal schon Überwindung gekostet, zum Beispiel, wenn Mariedl eine Dose Gulasch aus der Toilette fischt. „Das darf man sich dann nicht so genau vorstellen“, sagt Dajana Berkenkopf bei den Proben. Da ist es schon harmloser, wenn Erna (Renate Kemperdick), die Weltmeisterin im Sparen, darüber philosophiert, dass man als Kaffeefilter durchaus auch Klopapier nehmen kann oder Grete (Mira Gottfried) von ihrem Hund erzählt.
Obwohl der Text keine leichte Kost ist, gewinnen die drei Frauen ihren Rollen durchaus auch eine komödiantische Seite ab, werden auch die Zuschauer mitnehmen in ein Wechselbad der Gefühle zwischen ernst und heiter. Insgesamt sehen Renate Kemperdick, Mira Gottfried und Dajana Berkenkopf die Arbeit für dieses reine Frauenstück als überaus entspannt an. „Mädchen untereinander haben eine andere Arbeitsauffassung“, ist Mira Gottfried sicher und Renate Kemperdick ergänzt: „Da werden andere Energien frei, als wenn Männer mitspielen.“
Vom Publikum wünschen sich die drei Darstellerinnen durchaus Reaktionen. So sind sie sicher, dass „Die Präsidentinnen“ kein schweigendes, abgestumpftes Publikum nach eineinhalb Stunden Theaterspiel nach Hause entlassen werden.
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