Solingen: Dichtes Spiel mit starken Charakteren
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 25.09.2008Solingen (RPO). Applaus gab es schon, bevor der erste Darsteller die Bühne betreten hatte. Er galt Ulf Seiffert und Mutz, der kleinen Hausband, die den Besuchern auf der Studiobühne im Theater und Konzerthaus die Wartezeit auf das Ensemble Profan vertrieb. Und schnell sollte sich herausstellen, dass es keine Vorschusslorbeeren waren, denn das, was sich da gut zwei Stunden lang auf den Brettern abspielte, quittieren die Zuschauer am Ende zu Recht mit langem Applaus, der natürlich auch ebenso verdient den Musikern galt.
Ein Stück, das bei aller Tragik viele erfrischende komische Momente birgt, wurde von vier gleichermaßen starken Darstellern facettenreich umgesetzt. Für New Electric Ballroom des Iren Enda Walsh, uraufgeführt 2004 in München, hat Regisseur Michael Tesch die Rollen mit sicherer Hand besetzt.
Da sind Clara und Breda, die beiden Schwestern, gespielt von Renate Kemperdick und Dajana Berkenkopf. Gut 40 Jahre sind vergangen, seit sie jung waren und das erste und einzige Mal einem Mann näher kamen. Die jüngere Breda immerhin bis zu einem „richtigen“ Kuss, die ein Jahr ältere Clara muss das miterleben und zieht sich enttäuscht zurück, denn das Ziel der Jungmädchenschwärmerei und aufkeimenden Begierde ist ein und derselbe: Roller Royle aus dem New Electric Ballroom, der die Mädchenherzen schmelzen lässt und der jede haben kann.
Zwanghaftes Überlebensspiel
Seither haben sich Clara und Breda zurückgezogen in ihr Haus, wollen von der Welt und den Männern nichts mehr wissen, spielen der jüngeren Schwester die Szenen der enttäuschten Liebe immer wieder vor. Mira Gottfried spielt Ada, sich ständig am Arm kratzend, sie führt Regie im zwanghaften Überlebensspiel ihrer Schwestern. Clara und Breda verwandeln sich derweil auf der Bühne von streitsüchtigen und verbitterten Jungfern in lebenshungrige Teenager, zelebrieren am Ende ihr Scheitern in einem heftigen Wortgefecht.
Heute gibt es nur noch einen Mann im Leben der Frauen: Patsy, gespielt von Uwe Dahlhaus, der dem einfach strukturierten Charakter des Fischhändlers Gestalt verleiht und dennoch all seine Sehnsüchte herausarbeitet. Er bringt nur den Fisch, versucht aber, wie ein Gast behandelt zu werden - vergeblich bis zum überraschenden und doch vorhersehbaren Ende, als er Ada seine Liebe gesteht, nach einer Dusche auf der Bühne in den Anzug von Roller Royle schlüpft und letztlich doch nicht bleiben will und die Schwestern bei Kuchen, Tee und ihren unvermeidlichen Keksen zurücklässt. „Die Liebe fällt einem Fischhändler nicht zu“ wird er am Ende sagen.
Das Publikum bleibt zurück in den Wissen, einen starken Theaterabend erlebt zu haben.
Vorstellung New Electric Ballroom noch einmal heute 19.30 Uhr, Studiobühne im Theater und Konzerthaus.
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