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Solingen: Die Immobilie von der Stadt

zuletzt aktualisiert: 19.07.2010

Solingen (RPO). Grundstücke, Häuser, Wohnungen, Verwaltungsgebäude – die Stadt Solingen trennt sich von Immobilien. Wird das Tafelsilber verkauft, weil jeder Cent gebraucht wird, um aus den Schulden heraus zu kommen?

Zwei der zahlreichen Immobilien-Objekte, die die Stadt verkaufen will: Der Rote Esel (l.), das einstige, leerstehende Schulgebäude in Wald, wäre für 945 000 Euro zu haben, der Lindenhof an der Neuenhofer Straße, in der einst die Familienbildungsstätte untergebracht war, kostet 485 000 Euro.   Foto: RPO
Zwei der zahlreichen Immobilien-Objekte, die die Stadt verkaufen will: Der Rote Esel (l.), das einstige, leerstehende Schulgebäude in Wald, wäre für 945 000 Euro zu haben, der Lindenhof an der Neuenhofer Straße, in der einst die Familienbildungsstätte untergebracht war, kostet 485 000 Euro. Foto: RPO

Kraus-Walter Die Stadt braucht keine privaten Einfamilienhaus-Grundstücke. Im Neubaugebiet Siebels in Aufderhöhe ist durch einen Bebauungsplan so gesehen aus Ackerland hochwertiges Bauland worden. Und das bieten wird dann zum Verkauf an. Damit kurbeln wir die Wirtschaft an, unterstützen Handel und Handwerk. Ein Drittel der in Siebels verkauften Baugrundstücke haben Auswärtige erworben, so dass die Stadt neue Bürger bekommt.

Sieht sich das städtische Liegenschaftsmanagement als Wirtschaftsförderung?

Krause-Walter So weit würde ich nicht gehen. Wir verkaufen für die Stadt nicht mehr benötigte und unwirtschaftliche Objekte. Wir optimieren aber auch Altgrundstücke, prüfen zum Beispiel die Bebaubarkeit und eine Teilung der Flächen, und wir stellen dann die Bauvoranfragen.

Info

Liegenschaften

Der Stadtdienst Liegenschaftsmanagement ist zuständig für die Verwaltung und die Bewirtschaftung der sogenannten fiskalischen bebauten und unbebauten Grundstücke der Stadt Solingen. "Wir machen den gesamten Grundstücksverkehr für die Stadt, auch den Ankauf neuer Flächen", erläutert Stadtdienstleiter Roland Krause-Walter.

Was bietet Solingen derzeit an?

Krause-Walter Wir haben momentan 27 Anzeigen, hinter denen noch sehr viel mehr Objekte stehen, im Internet veröffentlicht. Sie sind auf unserer Homepage www.solingen.de und beim größten Immobilienanbieter Deutschlands einsehbar. Monatlich wird unsere Homepage rund 4800 Mal besucht. Wir sind bekannt dafür, dass wir in Solingen ein gutes Angebot haben.

Was ist der Verkaufsrenner?

Kraus-Walter Eine starke Nachfrage besteht nach Baugrundstücken in Siebels. Im April vergangenen Jahres haben wir hier mit der Vermarktung begonnen und können nun davon ausgehen, dass nach den Sommerferien schon 28 von 32 Grundstücken verkauft sind. Hier stimmt der Standort und die gute Infrastruktur. Ursprünglich hatten wir uns zum Ziel gesetzt, in vier Jahren alle Flächen veräußern zu können.

Zwei der zahlreichen Immobilien-Objekte, die die Stadt verkaufen will: Der Rote Esel (l.), das einstige, leerstehende Schulgebäude in Wald, wäre für 945 000 Euro zu haben, der Lindenhof an der Neuenhofer Straße, in der einst die Familienbildungsstätte untergebracht war, kostet 485 000 Euro. Foto: RPO

Dann sind die Baugrundstücke bestimmt zu billig?

Krause-Walter Je nach Größe und Lage kosten diese zwischen 250 und 280 Euro pro Quadratmeter. In Siebels kommen im Herbst noch acht weitere Baugrundstücke hinzu, im östlichen Teil an der neuen Straße gelegen.

Die Wirtschafts- und Euro-Krise hat die Immobilie als Kapitalanlage gestärkt. Spüren auch Sie eine vermehrte Nachfrage?

Krause-Walter Wir merken ganz deutlich, dass Anleger wieder etwas Solides, Handfestes als Kapitalanlage suchen. Immobilien sind sehr gefragt. In diesem Jahr konnten wir zwei ältere Eigentumswohnungen mit Modernisierungspotenzial verkaufen, die wir seit fünf Jahren angeboten haben. Heute werden von privaten Investoren sogar wieder Baugrundstücke für den gehobeneren, frei finanzierten Mietwohnungsbau gesucht. Das haben wir so seit Jahren nicht erlebt.

Was bringen die Immobilienverkäufe der Stadtkasse?

Krause-Walter Schon heute ist absehbar, dass wir damit in diesem Jahr vier Millionen Euro einnehmen werden. Damit werden wir deutlich über dem Budgetansatz liegen.

Der Rote Esel in Wald entwickelt sich aber wohl zum Ladenhüter – bei einem Kaufpreis von 945 000 Euro, der für das einstige, leerstehende Schulgebäude auf den Tisch gelegt werden muss.

Krause-Walter Uns liegt immer noch das Kaufangebot eines Investors vor, der hier 48 öffentlich geförderte Wohnungen errichten will. Der Verkauf ist bekanntlich nicht zustande gekommen, weil die Walder Bezirksvertretung an der Friedrich-Ebert-Straße lieber eine andere Nutzung möchte – bestehend aus einer Kita, Seniorenwohnungen und betreutem Wohnen für pflegebedürftige Menschen.

Kindergarten-Kinder und ein Zuhause für Ältere statt Sozialwohnungen – gibt es für den Wunsch der Walder BV keinen Geldgeber?

Krause-Walter Die Verwaltung hat dazu mit möglichen Trägern und Investoren Gespräche geführt, die allerdings bisher zu keinem Kaufangebot geführt haben.

485 000 Euro soll der Lindenhof an der Neuenhofer Straße kosten, in der einst die Familienbildungsstätte untergebracht war. Ist das hübsche Anwesen schon verkauft?

Krause-Walter Mit einigen Interessenten haben wir bereits Besichtigungen durchgeführt. Bis zum 15. August läuft hier die Ausschreibungsfrist. Das müssen wir erst einmal abwarten.

123 000 Euro beträgt der Verkehrswert eines 514 Quadratmeter großen Baugrundstücks in Mittelpilghausen. Wer könnte sich dafür interessieren?

Krause-Walter Der besondere Reiz ist die Lage in einer Hofschaft. Das wäre eine schöne Gestaltungsaufgabe für einen Architekten.

Günter Tewes führte das Gespräch Roland Krause-Walter.

Quelle: RP

 
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