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Solingen: Duo quälte auch anderen Mann

VON MARTIN OBERPRILLER UND ANDREA RÖHRIG - zuletzt aktualisiert: 15.07.2010

Solingen (RPO). Kurz vor dem Obdachlosen-Mord traten die zwei Verdächtigen auch einen 26-Jährigen brutal zusammen. Beide blieben aber frei. Der Solinger Verdächtige wird derweil von seinem mutmaßlichen Mittäter schwer belastet.

An der Schlafstätte des erstochenen Obdachlosen an der Schwanenstraße stehen jetzt Kerzen und Blumen.  Foto: RPO
An der Schlafstätte des erstochenen Obdachlosen an der Schwanenstraße stehen jetzt Kerzen und Blumen. Foto: RPO

Fünf Tage nach dem Mord an einem Obdachlosen in Ohligs kommen immer mehr Details über die beiden mutmaßlichen Täter ans Licht. Einer der ihn U-Haft sitzenden Männer belastete inzwischen den aus Solingen stammenden Verdächtigen als Haupttäter schwer. Die zwei 23-Jährigen, die das Opfer mit 15 Messerstichen getötet haben sollen, wohnten bis 1. Juli in der städtischen Notschlafstelle "Die 10" an der Hermannstraße. Dort flogen der Solinger sowie sein aus Bonn stammender Kumpan allerdings hochkant raus, nachdem sie einen weiteren Mitbewohner über Wochen gemobbt sowie geschlagen hatten. Und selbst, als die beiden der "10" verwiesen worden waren, ließen sie nicht vom Opfer ab. Noch am gleichen Abend, dem 1. Juli, lauerten die Männer dem 26-Jährigen an der Glockenstraße in Höhscheid auf und traten ihn brutal zusammen.

Info

In Untersuchungshaft

Der Solinger Tatverdächtige kam Anfang April in die Notschlafstelle, sein mutmaßlicher Komplize folgte am 1. Mai.

Die Männer sitzen in U-Haft. Nun wird den Anwälten der Beschuldigten zunächst einmal Akteneinsicht gewährt, bevor die Staatsanwaltschaft über eine Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes entscheidet.

In Haft kamen die zwei späteren mutmaßlichen Mörder darum aber nicht. "Bei uns ging eine Anzeige ein", berichtete gestern ein Sprecher der Polizei, wo beide Verdächtigen schon länger aktenkundig waren. Einbrüche, Diebstähle, Unterschlagungen – immer wieder traten die jungen Männer in Erscheinung. So wurde der Solinger, der Vater eines kleinen Kindes ist, vor Jahren bereits in Langenfeld zu einem Arrest verurteilt, wie gestern ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Düsseldorf bestätigte. Es blieb jedoch nicht bei Eigentumsdelikten. Nach Informationen unserer Zeitung vergriff sich der Mann, der aus bürgerlichem Hause stammen soll, auch an der Mutter seines Kindes. Tatsächlich sprach der Polizeisprecher gestern von einem "Fall häuslicher Gewalt", durch den der 23-Jährige ebenfalls in den Fokus der Ordnungshüter geriet. Eine Handhabe, ihn dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen, besaßen die Beamten damals aber genauso wenig wie im Zusammenhang mit dem Übergriff auf den 26-Jährigen, nach dem beide jetzt Mordverdächtige erst mal für einige Tage von der Bildfläche verschwanden.

Um schließlich am Mittwoch vergangener Woche, nur rund 36 Stunden vor der schrecklichen Bluttat, beim Solinger Wohnungsamt wieder aufzutauchen. Die Männer wollten eine neue Wohnung, die ihnen dann von der Behörde auch zugewiesen wurde, wie Stadtsprecher Lutz Peters gestern der Morgenpost berichtete. Gleichzeitig wies Peters den Vorwurf zurück, man hätte das Duo nicht gemeinsam unterbringen dürfen.

Denn tatsächlich war die Eskalation nicht absehbar. In der neuen Bleibe in Ohligs bezogen die Männer jeweils ein Zimmer von 14 Quadratmetern, ehe sie mutmaßlich in der Nacht auf den 9. Juli den 52-jährigen Obdachlosen brutal ermordeten. Bekannte des Opfers können die Tat, bei der die Verdächtigen ganze zehn Euro erbeuteten, immer noch nicht fassen. "Er hielt sich sehr zurück, weil er schon einmal Opfer wurde. Im vergangenen Jahr wurde ihm sein Fahrrad mit all seinen Habseligkeiten geklaut", erinnerte sich ein Mann, der gestern lange am Tatort verweilte, an dem immer noch Kerzen stehen.

Der Bekannte, der dem 52-Jährigen kurz vor seinem gewaltsamen Tod noch neue Klamotten schenkte, beschrieb das Opfer als "total friedlich" – und damit als das genaue Gegenteil des Mordverdächtigen aus Solingen. Leute, die den 23-Jährigen kennen, schildern ihn als sehr aggressiv. Zu den Vorwürfen des Kumpels schweigt der Mann, berichtete Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt gestern. Die Ermittler halten die Beweise aber für hieb- und stichfest. Bei einer Verurteilung droht beiden Verdächtigen lebenslange Haft.

Quelle: RP

 
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