Solingen: Ein Altenheim nur für junge Leute
zuletzt aktualisiert: 01.11.2010Solingen (RPO). Ein für die Region einzigartiges Angebot plant das Evangelische Altencentrum Cronenberger Straße in naher Zukunft: ein Pflegeheim für Menschen zwischen 18 und 60 Jahren. Weil auf dem hauseigenen Gelände, das an den Friedhof grenzt, ausreichend Platz ist, soll das neue Gebäude von der Cronenberger Straße aus gesehen hinter den betreuten Wohnungen gebaut werden. Karin Götze und Karlheinz Wingelewski, die Geschäftsführer des Altencentrums, erklären das Vorhaben.
Wie viele Plätze soll das Haus haben?
Wingelewski Es ist für 16 Leute vorgesehen, jeweils acht auf einer Etage. In einem zusätzlichen Untergeschoss, das wegen der Hanglage aus statischen Gründen ohnehin gebaut werden muss, wollen wir Funktions- und Technikräume einrichten.
An welche Zielgruppe wenden Sie sich damit?
Götze An junge pflegebedürftige Menschen. Das können Unfallopfer sein, Suchtkranke und Menschen mit Aids, die wegen der Begleiterkrankungen nicht alleine leben können. Zurzeit leben solche Leute zwischen betagten Menschen in Altenheimen – sofern sie es nicht in Kauf nehmen, etliche Kilometer von Zuhause untergebracht zu werden.
Altencentrum
146 Plätze hat das Evangelische Altencentrum Cronenberger Straße zurzeit im eigentlichen Altenheim und der ergänzenden "Casa Emilia", einem Haus nur für Demenzkranke.
Darüber hinaus gibt es auf dem Gelände 32 betreute Wohnungen, die zum Teil renoviert werden müssen.
Warum kann das nicht weiterhin so bleiben?
Götze Jüngere Menschen haben andere Ansprüche und Interessen als ältere. Jetzt ist es so, dass sie mitunter gar nicht aufstehen wollen, weil sie sagen: "Wozu? Ich sitze doch dann eh nur den ganzen Tag mit alten Leuten herum." Das wollen wir durch ein speziell auf ihre Wünsche ausgerichtetes Haus – dem wir vorerst den Arbeitstitel "House of Life", also Haus des Lebens, gegeben haben – ändern.
Wingelewski Wobei wir Wert darauf legen, dass die Einrichtung kein Hospiz wird. Sie soll den Menschen mit ihren Einschränkungen zu einem möglichst normalen Leben verhelfen – wenn es geht, auch wieder zu Hause. Zum Beispiel, wenn eine Tumorerkrankung erfolgreich behandelt worden ist.
Gibt es ein solches Angebot nicht in der Nähe?
Götze In Solingen nicht. Und in der näheren Umgebung – soweit ich weiß – auch nicht. Wir haben uns Häuser mit einem ähnlichen Konzept in Fulda und Berlin angesehen.
Wie viel Geld wollen Sie in das neue Haus samt neuer Wege investieren?
Wingelewski Das steht noch nicht fest. Bislang haben wir erst die Idee entwickelt und die baulichen Möglichkeiten sowohl mit dem Landschaftsverband Rheinland als auch mit der Stadt Solingen abgesprochen. Eine Bauvoranfrage wurde uns positiv beschieden. Eine erste Kostenschätzung vom Architekten erwarten wir Ende November. Dann können wir ein Finanzierungsmodell erarbeiten und dem Träger vorlegen. Für die ersten Planungen hatte er uns bereits grünes Licht gegeben.
Wer ist der Träger?
Wingelewski Die drei Altsolinger Kirchengemeinden. Das evangelische Altencentrum Cronenberger Straße ist in diesem Fall der ausführende Träger. Wir werden aber natürlich auch Förderanträge stellen.
Werden die neuen Bewohner durch die jetzigen Mitarbeiter des Altenheims mitbetreut?
Götze Nein. Die Mitarbeiter werden nur für das neue Haus zuständig sein, so wie es auch in der Casa Emilia der Fall ist. Nicht jeder, der einen alten Menschen pflegt, kann auch mit einem jungen Suchtkranken umgehen. Gegebenenfalls wird aber der ein oder andere unserer Beschäftigten ins "House of Life" wechseln wollen. Wie viele Mitarbeiter wir dort brauchen, steht noch nicht fest. Das hängt von der Detailplanung und dem Mitarbeiterschlüssel ab, den uns der Landesverband der Betriebskrankenkassen für unser Konzept zugesteht.
Was sagen die Mieter in den betreuten Wohnungen zu dem Vorhaben, die ja direkt auf das neue Haus gucken werden?
Götze Sie hatten schon ein paar Vorschläge, wie die Wege zu dem neuen Haus angelegt werden könnten. Einige hatten auch Angst um den schönen Park. Doch die Sorge ist unbegründet. Der Park bleibt, er wird nur etwas kleiner, ist dann aber immer noch groß genug.
Wann soll es losgehen?
Wingelewski Wenn die Pläne durch die verschiedenen Stellen, insbesondere durch den Träger, genehmigt sind und wir die Förderzusagen haben. Das wird noch etwas dauern.
Susanne Genath führte das Gespräch.
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