Solingen: Ein Garten für alle Menschen
VON MAXINE HERDER - zuletzt aktualisiert: 25.04.2009Solingen (RPO). Rund 100 Pflanzen werden in der Bibel genannt – 25 davon hat Erich Storsberg im Biblischen Garten des Botanischen Gartens gepflanzt. "Ich habe mir viele Gedanken gemacht", verrät der Landschaftsgärtner.
Die Blätter der großen Dattelpalme wiegen sich leicht im Wind, während die weißen Blüten des Apfelbaumes eine dicke Hummel angelockt haben. Der kleine Feigenbaum zeigt erste, hellgrüne Triebe im unteren Teil seines Stammes. "Er hat den Winter ganz gut überstanden", stellt Landschaftsgärtner Erich Storsberg zufrieden fest. Ein kleines Schild, das in der Erde des Beetes steckt, erzählt mehr über die zu dieser Jahreszeit noch blattlose Pflanze: Die Feige sei die erste in der Bibel genannte Frucht, steht dort, sie gehöre zu den sieben Früchten des Feldes.
Die Aufschrift "1. Buch Moses" verrät, an welcher Stelle in der Bibel die Feige genannt wird. Im Herbst 2007 hatte die Stiftung Botanischer Garten Erich Storsberg, selbst seit Jahren Stiftungsmitglied, mit der Planung und Umsetzung eines Biblischen Gartens betraut. "Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, ist das dabei rausgekommen", lacht der 73-Jährige und gibt dann zu, dass es doch mehr als eine Nacht gewesen sei. "Ich habe mir viele Gedanken gemacht."
Besichtigungszeiten
Der Bibelgarten befindet sich gegenüber von den Schauhäusern des Botanischen Gartens. Der Botanische Garten ist vom 1. März bis 31. Oktober täglich von 8 Uhr bis spätestens 20 Uhr, von November bis Februar von 9 bis maximal 18 Uhr geöffnet. Infos unter
Von der Stadt habe er Unterlagen über die Pflanzen der Bibel bekommen. "Ich hatte wenig Ahnung von den hier nicht heimischen Pflanzen." In Israel, weiß er heute, wüchsen rund 2500 Pflanzenarten, etwa 100 würden in der Bibel genannt. "25 davon habe ich im Biblischen Garten gepflanzt." Die Pflanzen habe er danach ausgewählt, welche die besten Chancen hätten, zu gedeihen – neben Wein, Wermut, Salbei oder wilden Tulpen gehörten auch Granatapfel und Aloe dazu. Und, mit einem Augenzwinkern gepflanzt, die Brennnessel: "Auch sie war in der Bibel schon bekannt. Aus ihren Fasern wurden Zellstoffe hergestellt." Der kleine Brombeer-Strauch stehe indes stellvertretend für den Dornbusch. Denn, so Storsberg, in Palästina gebe es circa 60 Arten von Dornenpflanzen und etwa 20 Begriffe für den Dornbusch. "Welche Pflanze genau gemeint war, ist nicht überliefert."
In das kleine Sumpfbeet nebenan hat der Landschaftsgärtner, der seit 50 Jahren selbständig ist, vier verschiedene Sumpfpflanzen eingesetzt. "Mein Gedanke war die Assoziation mit Moses und seinem Weidenkorb."
Auch die acht Hochbeete, in denen der Biblische Garten angelegt ist, sind wohl durchdacht: "Das verwendete Metall versinnbildlicht Stärke und lange Haltbarkeit. Doch auch dieses Material rostet und wird in unbestimmter Zeit wieder vergehen." Dies sehe er in Analogie zum menschlichen Leben. "Die Hochbeete in unterschiedlichen Größen und Formen bieten auch Rollstuhlfahrern die Möglichkeit, alle Pflanzen aus der Nähe sehen und fühlen zu können." Sein Wunsch sei, die kleinen Schilder, die Name, Herkunft und Geschichte jeder Pflanze wiedergeben, künftig zusätzlich in Blindenschrift aufzustellen. "Damit es ein Garten für alle Menschen ist, denn das war unser ursprünglicher Gedanke." Eine Lieblingspflanze im Biblischen Garten hat Storsberg nicht: "Ich erfreue mich an allen, die hier stehen." Viele der zum Teil seltenen Pflanzen könne er in seinem Berufsalltag bei seinen Kunden nicht unterbringen. "Für mich sind diese Beete Ausgleich und Anregung zugleich", so Storsberg.
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