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Solingen: Ein Haus mit Charakter

VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010

Solingen (RPO). Das St. Lukas Pflegeheim in Ohligs ist auf altersverwirrte Menschen spezialisiert. Weil es recht klein ist, finden sich demenzkranke Senioren dort gut zurecht. Sie können sich in dem Gebäude frei bewegen.

Elfriede Werner (81, r.) wohnt gerne in ihrem Doppelzimmer. Sie hat insbesondere Pflegehelferin Anja Demmer ins Herz geschlossen.   Foto: RPO
Elfriede Werner (81, r.) wohnt gerne in ihrem Doppelzimmer. Sie hat insbesondere Pflegehelferin Anja Demmer ins Herz geschlossen. Foto: RPO

Eins stellt Beate Kalowsky (46) gleich klar: "Wir sind ein Heim mit fast ausschließlich verwirrten alten Menschen", sagt die Pflegedienstleiterin des St. Lukas Pflegeheims. "Für geistig voll klare Senioren, die nur körperlich eingeschränkt sind, ist es hier schwierig. Sie sollten sich besser ein anderes Haus suchen." Wer dagegen unter Alzheimer, Parkinson oder einer anderen geronto-psychiatrischen Erkrankung leide, könne an der Schwanenstraße eine neue Heimat finden. "Wir haben eine Bewohnerin, die schon seit 25 Jahren bei uns lebt."

Das Haus, das ursprünglich als Schwesternwohnheim der St. Lukas Klinik errichtet wurde, ist seit 1985 ein Altenheim. "Es ist recht klein. Heute würde man es größer bauen", erklärt Kalowsky. Bei den Bewohnern komme die jetzige Größe allerdings gut an. "Sie können sich hier gut orientieren. Auch die Angehörigen sagen uns, dass das Haus einen heimeligen Charakter habe." Daher suchten sich viele das St. Lukas Pflegeheim gezielt aus.

Katrin Schwirblat (l.) vom Kplus-Verbund und Pflegedienstleiterin Beate Kalowsky im Garten des Ohligser Altenheims. Foto: RPO
Katrin Schwirblat (l.) vom Kplus-Verbund und Pflegedienstleiterin Beate Kalowsky im Garten des Ohligser Altenheims. Foto: RPO

Die hohe Zahl an Doppelzimmern – alle mit eigenem Bad – sei bei altersverwirrten Menschen wichtig. "Unsere Bewohner suchen die Gesellschaft und wollen nicht alleine sein", sagt Kalowsky. Besonders beliebt seien die Terrasse und der Garten hinter dem Haus. "Dort können sie nicht nur spazieren gehen, sondern auch Unkraut jäten, Blumen gießen und Laub kehren. Das gibt Selbstbestätigung, weil man sich gebraucht fühlt." Das Kreuz in einer Gartenecke sei auf Wunsch der Bewohner errichtet worden. "Sie wollten eine Gedenkstätte."

Elfriede Werner (81) lebt seit drei Jahren an der Schwanenstraße, anfangs noch mit ihrem Lebenspartner. "Nach seinem Tod war es zuerst etwas schwer. Aber jetzt fühle ich mich hier sehr heimisch", sagt die Ohligserin. "Die Pfleger sind sehr nett." Insbesondere Pflegehelferin Anja Demmer, zu der sie von Beginn an Kontakt habe, sei ihr ans Herz gewachsen. "Deshalb wollte ich auch nicht in ein Einzelzimmer umziehen, sondern hier auf der Station bleiben."

Mit einer Fremden zusammen in einem Doppelzimmer zu wohnen, störe sie nicht. "Wir haben uns aneinander gewöhnt. Es ist nett zu zweit." Bei gutem Wetter sei sie ohnehin viel unterwegs. "Es gibt viel Abwechslung, zum Beispiel Bustouren nach Benrath oder Wald", erzählt Werner, die vor kurzem zur Heimbeiratsvorsitzenden gewählt wurde. "Was die Pfleger hier leisten, ist toll."

Das kann Beate Kalowsky bestätigen. Sogar sechs Mitarbeiter hätten jüngst ihr 25-jähriges Dienstjubiläum in dem Haus gefeiert. "Es klappt alles sehr gut", sagt die Pflegedienstleiterin, die selbst seit 20 Jahren in St. Lukas tätig ist. "Das liegt aber auch daran, dass man, wenn man hier arbeiten will, mit dem Herzen dabei sein und etwas für diese Menschen übrig haben muss." Vieles laufe nur noch über die Gefühlsebene, weil bei Demenzerkrankungen die Worte verloren gingen. "Glück oder Dankbarkeit können die Bewohner aber trotzdem widerspiegeln."

Gefühle anzusprechen, schaffen auch die Hauskatze "Mausi" oder Geburtstagsfeiern in der "Guten Stube", einem Zimmer, in dem es so aussieht wie in Großmutters Wohnzimmer. Selbst gekocht wird an der Schwanenstraße jedoch nur in Ausnahmefällen – wenn zum Beispiel auf der Terrasse gegrillt wird oder die Suppen-AG stattfindet. "Das Essen wird uns grundsätzlich aus der Großküche Genesis geliefert", berichtet Beate Kalowsky. Mit den 1-Euro-Jobbern, die das Altenheim regelmäßig beschäftige, habe man bislang gute Erfahrungen gemacht. "Sie sind sehr gut integriert. Einige haben anschließend auch eine Ausbildung zum Altenpfleger gemacht."

Quelle: RP

 
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