Solingen: Ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte
VON MAXINE HERDER - zuletzt aktualisiert: 24.01.2009Solingen (RPO). Den Menschen zu zeigen, dass die Polizei für sie da ist, ist eine der Hauptaufgaben der 21 Bezirksbeamten, die wir in einer Serie vorstellen. Frank Holke kümmert sich seit drei Jahren gewissenhaft um die Anliegen von Anwohnern und Geschäftsleuten im Bezirk Mitte.
Mitte Alte Fernseher, abgewetzte Sessel und die Einzelteile eines großen Holzschrankes türmen sich auf dem Bürgersteig an der Konrad-Adenauer-Straße, ein Windstoß hat einen Teil des Sperrmülls auf den Gehweg geweht. "So kommt hier doch keiner mehr durch", stellt Bezirksbeamter Frank Holke fest, bevor er beherzt zugreift: Brett für Brett räumt der 55-Jährige beiseite, vom strömenden Regen lässt er sich nicht abhalten. "Von der Fläche ist mein Bezirk, der Bezirk Mitte, kleiner als die anderen, trotzdem leben hier mit knapp 10 000 Einwohnern genau so viele Menschen", weiß der Polizist. In der Mitte seines Bezirks, den er sich mit Kollege Maik Brückmann teilt, liegt die Konrad-Adenauer-Straße, links wird er vom Weyersberg begrenzt, rechts von der Kullerstraße. Den Innenstadt-Bereich übernimmt Kollege Brückmann.
Ausbildung
Von 1971 bis 1974 hat Bezirksbeamter Frank Holke seine Ausbildung zum Polizisten in Euskirchen, Bochum, Köln und Bielefeld absolviert. "Damit man sich besser auf das Lernen konzentrieren kann, war gewünscht, dass man die Ausbildung nicht in der Heimatstadt absolviert", erinnert er sich. Danach war er vier Jahre als Polizist in Köln – weil er Großstadtluft schnuppern wollte. "Nach vier Jahren wollte ich aber unbedingt zurück nach Solingen", lacht Holke.
Seit drei Jahren im Bezirk Mitte
"Seit drei Jahren bin ich hier täglich zu Fuß unterwegs", erzählt Frank Holke. Zu Fuß zu gehen biete sich an: "Mit dem Auto vorzufahren wirkt sehr unpersönlich, außerdem kommt man so viel schneller mit den Menschen in Kontakt." Das, so der Walder, sei es , was er an seinem Beruf liebe und was glücklicherweise den Hauptteil seiner Arbeit ausmache: "Wir möchten den Menschen zeigen, dass die Polizei da ist. Man knüpft viele Kontakte mit den Anwohnern, insbesondere Geschäftsleute suchen oftmals das Gespräch."
Bei den Einzelhändlern habe er sich bei seinem Amtsantritt persönlich vorgestellt. Oftmals riefen sie ihn bei Sorgen oder Problemen auf dem Handy an, "das reicht von Nachfragen wegen der Parksituation über Beschwerden wegen Verschmutzung bis hin zu Nöten wie Streit mit dem Vermieter oder Geldsorgen." Die Sorgen der Menschen nimmt der Vater dreier Söhne stets Ernst – ihre Geschichten hat er immer präsent.
Und oft hat der erfahrene Polizist, in diesem Jahr ist er 38 Jahre im Dienst, auch gleich eine Lösung parat. Für Ali Üstün, der erst vor kurzem seinen kleinen Friseursalon in Holkes Bezirk eröffnet hat, hat er an diesem Morgen einen ganz besonderen Tipp. "Ich habe von einem Friseursalon gelesen, der schließt und günstig sein Inventar verkauft", berichtet er dem jungen Friseur, "da habe ich direkt an dich gedacht. Schließlich fehlen hier ja noch einige Möbel."
Dass sein Bezirk mit seinen Anwohnern und Einzelhändlern, Cafés und Geschäften und vielen verschiedenen Kulturen so vielseitig ist, findet Frank Holke gut. "Hier sind viele türkische Geschäfte", erzählt er, "weil ich mal einen Türkisch-Kurs gemacht habe, kann ich sogar einige Brocken türkisch." Dies, lacht er, komme immer gut an und erleichtere es oftmals, mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
Der Bezirksbeamte kennt "seine Pappenheimer", weiß meistens, wo er sie antrifft, weiß, wie er mit ihnen reden muss. "Etwa 50 bis 80 Mal im Jahr muss ich Haftbefehle vollstrecken. Bestenfalls hole ich die Personen zu Hause ab und bringe sie dann nach Wuppertal in die Justizvollzugsanstalt." Doch nicht immer gestalte sich dies so einfach: "Rund 80 Prozent der Menschen, die ich suche, haben keinen Namen an der Klingel."
Dann seien umfangreiche Sucharbeiten notwendig. Trotzdem: "Polizist ist und bleibt mein Traumberuf", ist der Solinger überzeugt. Bevor er Bezirksbeamter wurde, berichtet Holke, war er 21 Jahre als Diensthundeführer tätig. "Damals habe ich meinen eigenen Hund aus dem Tierheim zum Polizeihund ausgebildet. Das war der beste Hund, den ich je hatte", schwärmt er. Haustiere hält der Beamte noch immer, wenn auch nicht mehr so große: "Ich habe drei Landschildkröten", erzählt er, "kein zeitfüllendes Hobby – aber ich mag diese Tiere."
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