Solingen: Eine Spätberufene
VON MICHAEL TESCH - zuletzt aktualisiert: 06.11.2007Solingen (RPO). Parallel zur Jahrespräsentation des Vereins der Solinger Künstler zeigt das Gräfrather Museum Baden eine Jubiläumsausstellung zum 100. Geburtstag der 1967 gestorbenen Künstlerin Anneliese Everts.
Es hat nicht nur Tradition, dass zum Ende eines Jahres das Museum Baden dem Verein der Solinger Künstler seine Jahresausstellung einrichtet, sondern auch, dass diese begleitet wird von einer so genannten Jubiläumsausstellung. In diesem Jahr stellt Dr. Rolf Jessewitsch, Leiter des Museums Baden, die Solinger Malerin Anneliese Everts vor – aus Anlass des 100. Geburtstages der 1967 gestorbenen Künstlerin.
Zwar waren Bilder von Anneliese Everts erst vor einigen Jahren im Museum Baden zu sehen, doch beschränkte sich die Präsentation damals nur auf den Ratssaal des Museums. Diesmal breitet Dr. Jessewitsch das Werk der Künstlerin im gesamten unteren Saal für Wechselausstellungen aus – mit Schwerpunkt auf das Spätwerk und auf den Papierarbeiten, also den Aquarell- und Tuschezeichnungen.
Ausstellung
Die Ausstellung zum 100. Geburtstag der Solinger Künstlerin Anneliese Everts ist bis zum 20. Januar 2008 im unteren Saal für Wechselausstellungen des Museums Baden zu sehen. Zur Ausstellung ist ein kleiner Katalog erschienen, zu dem Dr. Rolf Jessewitsch eine Einführung geschrieben hat. Er ist an der Museumskasse erhältlich.
Ausbildung in Essen
Obwohl Anneliese Everts ihren beruflichen Weg nicht als Künstlerin, sondern als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung begann, wurde sie 1968 in einer Gedächtnisausstellung der Stadt als „erste bedeutende Malerin Solingens“ gewürdigt. Everts bildete sich nebenberuflich weiter, unter anderem auch bei Ludwig Füllbeck, der an der Fachschule für Metallgestaltung viele spätere Künstler ausgebildet hatte. Erst mit 29 Jahren setzte Everts ihre Ausbildung an der Folkwangschule in Essen fort, erst mit 39 Jahren schließt sich „die Spätberufene“ (Dr. Jessewitsch) verschiedenen Künstlergruppen der Region an. In der Klingenstadt zeigte sie ihre Werke in Ausstellungen des Vereins der Solinger Künstler und in der Bergischen Kunstausstellung. Überregional waren ihre Bilder in Herford, Hamburg, Venedig und bei Johanna Ey in Düsseldorf zu sehen.
„Ihre Reisen und ihr Kunstinteresse brachten ihr die Avantgarden Italiens und Frankreich der Nachkriegszeit nahe“, erläutert Dr. Jessewitsch. So wurden die Werke Juan Miros und Marc Chagalls, aber auch von Wols zum wesentlichen Einfluss. Everts Themen wurden zwar zunehmend abstrakter, doch auch die ungegenständlichen Bilder „lassen durch Proportions- und Farbbezüge oft die Erinnerung an landschaftliche Motive ahnen“. Wolfgang Meng, langjähriger Kustos des Deutschen Klingenmuseums, hat den künstlerischen Ansatz von Everts sehr treffend beschrieben: „Über eigenmächtigem, geladenen Farbgrund fast schwebend Lagerungen von trockenen Texturen, Mosaikmustern, Schichten von Zeichen. Die Begegnung mit der Archaik brachte sie zu der Einfachheit und Statik, zu den wenigen Quaderformen, allein in ihrer Ausdehnung von der Farbe bestimmt.“ Für Dr. Rolf Jessewitsch sind die Werke „Zeugnis für eine Aufbruchstimmung in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.“
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