Solingen: Ex-Freund will Haus sprengen
VON MARTIN OBERPRILLER UND MARTIN KEMPNER (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 11.08.2012Solingen (RP). Eine manipulierte Gasleitung hat 20 Bewohner eines Walder Mietshauses in akute Lebensgefahr gebracht. Das Haus drohte zu explodieren. Die Polizei nahm einen 37-Jährigen fest. Die Beamten ermitteln wegen Mordversuchs.
Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Tagen sind die Bewohner des Hauses Parallelstraße 14 in Wald nur knapp einer Katastrophe entgangen. Ein 37-jähriger Mann soll gestern Morgen versucht haben, das Gebäude in die Luft zu sprengen. Der Verdächtige wurde noch am Vormittag vorläufig festgenommen und wird heute einem Haftrichter vorgeführt. Der mögliche Attentäter wird auch verdächtigt, für das Feuer auf dem Dachboden des Hauses am vergangenen Sonntagmorgen verantwortlich zu sein. Bei dem Mann handelt es sich um den ehemaligen Lebensgefährten einer Hausbewohnerin.
Die Kripo war gestern den ganzen Tag am Tatort. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler verschaffte sich der Verdächtige um kurz vor 7 Uhr morgens Zutritt zu dem Gebäude, in dem insgesamt sieben Familien mit zum Teil sehr kleinen Kindern leben.
Brände in Wald
Seit Ende Juni sind im Stadtteil immer wieder Feuer gelegt worden. Zuletzt brannte eine Sitzbank auf einer Skateranlage. Beim Kellerbrand vor einer Woche an der Weyerstraße waren Menschen in Lebensgefahr. Diese Brände sollen aber nichts mit den Taten an der Parallelstraße zu tun haben. Die Polizei hat eine achtköpfige Ermittlungskommission gebildet.
Funke hätte Katastrophe ausgelöst
Zu diesem Zeitpunkt schliefen die meisten der Mieter noch. Wohl auch deshalb gelang es dem 37-Jährigen, unbemerkt in den Keller des Hauses zu gelangen. Nach Informationen unserer Zeitung könnte sich die Tat so abgespielt haben: Der Verdächtige soll den Gaszähler des Gebäudes mit brachialer Gewalt aus der Verankerung getreten haben, wodurch sofort Gas ausströmte. Danach zündete er im Hausflur einen Stapel Papier an, bevor er flüchtete.
"Ein Funke, und es wäre zu einer Katastrophe gekommen", sagte später ein Feuerwehrmann. Der erste Hilferuf war bei der Leitstelle um Punkt 6.57 Uhr eingegangen. Ein Mieter hatte den Gasgeruch im Treppenhaus bemerkt und die Rettungskräfte informiert, nachdem er zuvor noch andere Bewohner alarmiert hatte.
Diese flüchteten völlig verängstigt aus dem Haus ins Freie, noch bevor die Feuerwehr wenige Minuten später eintraf. Doch waren die Menschen noch nicht in Sicherheit. "Es gab die akute Gefahr einer Explosion", hieß es bei der Feuerwehr, die ebenfalls den Gasgeruch sowie ein lautes Zischen aus der Leitung wahrnahm. Sofort evakuierten die Einsatzkräfte die umliegenden Gebäude und ließen durch die Stadtwerke Storm und Gas in der ganzen Straße abstellen. Danach verschlossen die Feuerwehrleute das Gasleck und belüfteten das Haus. Das Feuer am Eingang war von selbst erloschen. Gegen 9 Uhr war der Einsatz beendet. Das Tathaus wird aber für einige Tage nicht bewohnbar sein, die meisten Mieter kamen bei Verwandten unter. "Der wollte uns alle umbringen", sagte gestern Morgen eine Nachbarin fassungslos. Eine andere Frau, die auch beim Feueralarm vom Sonntag ihre Wohnung verlassen musste, war mit ihren Nerven am Ende. "Ich habe Todesangst", sagte die Mieterin.
Kurze Zeit, nachdem die Explosionsgefahr gebannt war, nahm die Polizei in unmittelbarer Nähe zum Tatort den 37-Jährigen in seiner Wohnung fest. "Es muss geprüft werden, ob er für beide Taten verantwortlich ist", sagte eine Polizeisprecherin. Noch gestern begannen die Beamten, den Mann zu verhören. "Sollte sich der Verdacht gegen ihn bestätigen, könnte der Tatvorwurf vielfacher versuchter Mord lauten", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
"Ich hätte ihm solche Taten nie zugetraut", sagte ein Nachbar, der den Verdächtigen vom Sehen kennt. In dem Haus leben fast 20 Menschen, darunter auch die Ex-Lebensgefährtin des Verdächtigen. Die Beziehung des Paares war vor einiger Zeit zu Ende gegangen. Offenbar akzeptierte der Mann die Trennung aber nicht. Er stellte der Frau weiter nach. "Die Ex-Freundin fühlte sich bedroht", sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft.
Als es in der Nacht zum vergangenen Sonntag erstmals in dem Haus brannte, hatte die Bewohnerin sofort ihren ehemaligen Lebensgefährten in Verdacht. Das sagte sie der Polizei, die daraufhin gegen den Solinger ermittelte. Sollte er tatsächlich für das Feuer vom Sonntag sowie den Gasanschlag von gestern Morgen verantwortlich sein, droht ihm bei einer Verurteilung lebenslange Haft.
Nach den bisherigen Ermittlungen stehen die Taten von der Parallelstraße in keinem Zusammenhang zu weiteren Bränden in Wald. Vor einer Woche hatte es im Keller eines Hauses an der Weyerstraße gebrannt. Im Juli hatten Unbekannte Papiercontainer, darunter auf dem Gelände der Lebenshilfe, angesteckt.
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