Solingen: Experiment gelungen
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 10.04.2008Solingen (RPO). Was das VHS-Theaterlabor da zusammenbraute, war vergnügliche Unterhaltung. Michael Teschs Inszenierung von Grabbes „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ ließ den spielfreudigen Darstellern alle Möglichkeiten.
Vorstellung
Am heutigen Donnerstag, 10. April, um 20 Uhr, gibt es eine weitere Vorstellung von „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ des Theaterlabors der Bergischen Volkshochschule im Kulturzentrum Cobra an der Merscheider Straße 77/79. Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse, sie kosten acht Euro und ermäßigt sechs Euro.
Gottliebchen, der einfältige Sohn des Bauern Tobies, soll seine Genialität durch das Einstecken einer toten Katze in die Rocktasche unter Beweis stellen und das bedauernswerte Tier dann beim Rendezvous mit der Liebsten mit seinem Taschentuch verwechseln. Derweil benutzt der leibhaftige Satan Klopstocks Messias als „vortreffliches Schlafmittel“. Vom derben Klamauk bis zur feinen Satire, Christian Dietrich Grabbes 1827 vollendete Komödie „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ bietet Darstellern alle Möglichkeiten, ihre Talente auszuleben. Dabei darf durchaus dick aufgetragen, hemmungslos übertrieben und auch mal improvisiert werden, denn die mit Zeitkritik und Ironie gespickten Texte gleiten nie ins Belanglose ab. So eignete sich das Stück hervorragend für die Aufführung, die Michael Tesch mit dem Theaterlabor der Volkshochschule auf die Bühne im Kulturzentrum Cobra brachte.
Folter mit der Tageszeitung
Alle kriegen bei Grabbe ihr Fett weg: Wissenschaftler und Schulmeister, Schriftsteller und Journalisten, und weil es eine lokale Inszenierung ist, wird als schlimmste Höllenqual geschildert, dass die Verdammten das Tageblatt und die Morgenpost lesen müssen. Obwohl sich der Teufel, den es wegen Aufräumungsarbeiten in der Hölle auf die Erde verschlägt, alle Mühe gibt, Intrigen zu spinnen, eilen die Darsteller spielfreudig dem glücklichen Ende entgegen. Wunderbar Marianne Goedderz-Kropp, wie sie als Teufel dem Hufschmied (Ines Planke) zu erklären versucht, dass kein Gaul, sondern ihr linker Fuß zu beschlagen ist. Sandra Wittenstein als bonbonbunte Braut zwischen drei Männern, Eva-Maria Ebel als versoffener Dorfschulmeister, der sich vornehmlich in Naturalien bezahlen lässt, Annette Chust als talentloser Dichter Rattengift und Silke Scheven als debil dreinblickendes Gottliebchen, sie alle haben ihre Rollen auf ganz eigene Weise interpretiert und den Charakteren Persönlichkeit verliehen. Karl Josef Überall und Daniel Baranski mussten sogar in mehrere von Grabbes Gestalten schlüpfen. Überall einmal in bester Horst Schlämmer-Manier als Wissenschaftler und als adeliger Wüstling, der auch vor 13 Morden nicht zurückschreckt, um ans Ziel zu gelangen, oder Baranski zwischen überkandideltem Adeligen und hässlichem Heiratskandidaten, auch die beiden einzigen Herren der Theatergruppe zogen alle Register. Am Ende lässt sich gar der Autor des Stückes hinterm Vorhang erahnen, die Heirat ist besiegelt und der Teufel kehrt zurück in die Hölle – alles wird gut. Denn wie hieß es am Anfang: Der Teufel passt nicht in unser System.
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