Solingen: Feinschliff am Wuppergeist
VON MARTIN SCHLUPP - zuletzt aktualisiert: 09.06.2008Solingen (RPO). Das Kindermal- und Klangfest hat mittlerweile eine 22-jährige Tradition. Im Theaterfoyer konnten sich am Wochenende die jungen Künstler vollkommen ihrer Phantasie hingeben. Sie produzierten etwa 350 Acrylbilder.
An die Pinsel, fertig, los! Startschuss für das 22. Kindermal- und Klangfest. Schon um zehn Uhr waren alle Malplätze im Foyer des Stadttheaters belegt. Wo sonst Menschen in Abendrobe umherstolzieren und dazu ein Glas Sekt schlürfen, sah es am Samstag mehr nach Atelier aus. Kinder zwischen vier und 14 Jahren wuselten in ihren weißen Arbeitskitteln umher, mischten Farben und bemalten die großen, 50 mal 70 großen Bögen mit bunten Acrylfarben.
Bevor die Kinder tatsächlich zum Pinsel greifen durften, war jedoch Konzentration gefragt. Denn Dagmar Stöcker las den Kindern die aufregende Geschichte von Ralle und dem Wuppergeist vor. Sie handelt von Ralle, der mit seinen Eltern einen Sonntagsspaziergang im Müngstener Brückenpark machen muss. Glücklicherweise entwickelt sich der langweilige Ausflug in ein wahres Abenteuer. Ralle rettet mithilfe des stinkenden, aber guten Wuppergeistes das Bergische Land und die Müngstener Brücke vor der Verwüstung durch den bösen Feuertroll. Die Geschichte konnten die Kinder schließlich in Bildern verarbeiten und mit Musik von Thomas Taxus Beck vertonen.
Zwei Preisträger
Beim Kindermalfest gab es in diesem Jahr gleich zwei Sieger: Die Geschwister Vanessa Bremer und Tobias Bremer, acht und zwölf Jahre alt.
Ihr hochformatiges Bild vom lachenden Wuppergeist mit bunt beschupptem Kopf und einer riesigen Zahnlücke im großen roten Maul wird im nächsten Jahr auf dem Plakat zum 23. Kindermal- und Klangfest zu sehen sein.
Außerdem gab es in jeder Altersgruppe Sonderpreise für besonders kreative kleine Künstler.
Alle Kinder wurden für ihre Teilnahme geehrt.
Auch die neunjährige Katharina hatte bereits um kurz nach 10 begonnen, ihr Bild zu malen. Konzentriert stand sie vor ihrem Arbeitsplatz am langen Maltisch im Foyer. „Das ist der Wuppergeist“, erzählte sie, als sie nach einer Stunde ihr Bild schon fast vollendet hatte. „Er lacht, weil er ein guter Geist ist. Jetzt fehlt nur noch ein bisschen dunkles Blau für den Himmel.“ Katharinas Wuppergeist sieht tatsächlich freundlich aus. Grüner Schleim quillt ihm aus den Ohren. Er hat blaue Schuppen, einen grünen Gürtel und ragt aus der Wupper heraus.
„Wir möchten, dass die Kinder ihrer Phantasie einfach freien Lauf lassen“, sagte Dagmar Stöcker. „Es ist toll, dass die meisten so konzentriert arbeiten und ihre Ideen umsetzen.“ Gemeinsam mit Thomas Taxus Beck hat sie das Fest organisiert und sich die Geschichte um Ralle und den Wuppergeist ausgedacht hat. Und während einige Kinder noch an ihren Bildern tüftelten, standen andere schon im Kammermusiksaal. Gemeinsam mit Beck übten sie hier das Lied vom Wuppergeist. „Es ist leicht zu lernen, hat aber eine ganz einige Harmonie“, beschrieb Beck das kleine Lied, in dem auch solch unanständige Worte wie „pupen“ fallen.
Aber gerade das ist es, was das Lied zu einem wirklichen Spaß mache, wie die achtjährige Franka versicherte. Sichtlich begeistert sang sie noch auf dem Weg nachhause das Lied vor sich hin.
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