Solingen: Frischer Wind bei Senvital
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 17.02.2011Solingen (RPO). Nach den Beschwerden wegen schlechter Pflege und einem darauf folgenden Belegungsstopp geht es in dem privaten Altenheim wieder aufwärts. Die jüngste Heimprüfung ist wesentlich besser ausgefallen als die ein Jahr zuvor. Dazu haben Veränderungen und auch neue Mitarbeiter beigetragen.
Ein bewegtes Jahr liegt hinter den Bewohnern und Mitarbeitern von Senvital. Das Ohligser Seniorenheim hatte Ende 2009 bei einer Überprüfung die Note "mangelhaft" für seine Pflege erhalten. Ein halbes Jahr später riefen Beschwerden von Angehörigen die Staatsanwaltschaft auf den Plan. In zwei Fällen stellten sich die Vorwürfe der schlechten Pflege als unbegründet heraus. In zwei weiteren Fällen wird nach Auskunft von Staatsanwalt Wolf Baumert noch ermittelt. Ein von der Heimaufsicht verhängter und von Senvital freiwillig bis Mitte Januar verlängerter Belegungsstopp ist Vergangenheit.
"Jetzt geht es wieder bergauf", sagt Jana Deri erleichtert. Die 32-jährige Sozialpädagogin leitet den Seniorenpark seit dem 15. Juni 2010. Zu diesem gehören neben klassischen Altenheimplätzen im "Seniorenzentrum" auch Einzelzimmer für Selbstzahler in der "Seniorenresidenz" und ein Haus mit betreuten Wohnungen. "Die Stimmung ist gut. Die neuen Mitarbeiter haben frischen Wind ins Haus gebracht." 18 neue feste Pflegekräfte hatte Senvital nach den Vorkommnissen eingestellt und liegt damit nun fünf Stellen über dem von den Krankenkassen vorgeschriebenen Personalschlüssel.
Die Änderungen haben sich gelohnt. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hat dem Altenheim in seiner jüngsten Prüfung im November wesentlich bessere Noten gegeben: Das Seniorenzentrum bekam für seine Pflege statt der "5" nun eine "3" und insgesamt statt einer "4" eine "2", die Residenz für Selbstzahler sogar in allen Bereichen eine "1".
Monika Braun kann die ganze Aufregung ohnehin nicht verstehen. "Ich wohne seit zwei Jahren hier und fühle mich sauwohl", erklärt die 65-jährige Solingerin. Das Angebot sei vielseitig. "Und die Pflegerinnen sind sehr freundlich und hilfsbereit." Das bestätigt Emmi Hahn (93). "Langweilig ist mir hier nie", sagt sie. Ihr nächstes Ziel: im Kegeln den Pokal zu holen. "Zweimal habe ich ihn schon gewonnen." Günter Lohmann (82), der mit den beiden Damen sowie Karl-Heinz Kühnapfel (61) im Heimbeirat sitzt, gefällt besonders der Hotelcharakter des Hauses. "Man fühlt sich hier nicht wie in einem Heim", erklärt er.
Das liegt auch Heimleiterin Deri und Pflegedienstleiterin Tanja Machenbach (35) am Herzen. Machenbach ist seit September in Ohligs dabei. Zuvor war die gelernte Altenpflegerin, die sich wie Deri in Qualitätsmanagement weitergebildet hat, in einem Altenheim in Ennepetal und elf Jahre im Gerhard-Berting-Haus tätig.
"Seit Januar arbeiten wir bei allen neuen Gästen mit Überleitungspflege", sagt sie. "Das heißt, ich besuche die neuen Bewohner zu Hause oder im Krankenhaus und lerne sie dadurch kennen." So sei es einfacher, mit Ärzten oder Angehörigen zu besprechen, worauf besonders zu achten sei. "Und wir können vor dem Einzug überlegen, in welchen Wohnbereich der neue Gast am besten passt."
Auch für die Mitarbeiter, die sich im vergangenen Jahr zum Teil hohem Druck ausgesetzt sahen, wird mehr getan. "Wir haben einen Anti-Stress-Kursus eingeführt und bieten Gesundheitskurse sowie viele Fort- und Weiterbildungen an", berichtet Deri. Seit November gehört außerdem ein Hund mit zum Team. Sandra Weber (26), die neue Leiterin des Sozialen Dienstes, hat ihn mitgebracht und bildet den Mischling zum Therapiehund aus.
Die Senioreneinrichtung will wachsen. "Wir planen einen Anbau für betreutes Wohnen", berichtet Pressesprecher Kaspar Müller-Bringmann. Dieser soll auf der Rückseite des ehemaligen Seidler Parkhotels entstehen. "Wir hoffen, noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen zu können."
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