Solingen: Frust auf dem Wochenmarkt
VON MAXINE HERDER - zuletzt aktualisiert: 05.01.2011Solingen (RPO). Nach der Schließung von Karstadt, dem Verlust von Kunden und einer deftigen Erhöhung der Marktgebühren sind viele Markthändler sauer über den Standort Neumarkt. Einige wollen zurück in die Fußgängerzone.
Die Stimmung ist schlecht an diesem Vormittag auf dem Wochenmarkt – wie an den meisten Markttagen in den vergangenen Monaten. "Die Händler sind ziemlich sauer", bringt es Marktsprecher Dirk Rüb auf den Punkt und spricht damit wohl vielen aus der Seele.
Einzig die Gründe für die Unzufriedenheit der Marktbeschicker lassen sich nicht so knapp zusammenfassen: Bereits die Schließung von Karstadt vor zwei Jahren hat den Wochenmarkt unzählige Kunden gekostet.
Die Erhöhung der Marktgebühren um fast 40 Prozent im vergangenen Jahr hat dazu geführt, dass einige Händler gar nicht mehr nach Solingen kommen und andere die Meterzahlen ihrer Stände reduziert haben. Zu all dem strapazieren der Winter und die Schnee- und Eisberge auf und um den Neumarkt herum die Nerven von Beschickern und Kunden seit Wochen zusätzlich.
Quartalsbericht
Von einer Mindereinnahme von 33 000 Euro gegenüber den prognostizierten Einnahmen von rund 270 000 Euro für den Wochenmarkt für das Jahr 2010 geht die Stadt aus. Dies geht aus dem Quartalsbericht der Verwaltung hervor.
23 000 Euro davon resultieren aus Rückgängen bei Tagesbeschickern, die auf den Wegfall von Karstadt und der Laufkundschaft zurückgeführt werden. Die restlichen 10 000 Euro ergeben sich, weil fünf Markthändler aus gesundheitlichen Gründen und Altersgründen aufhörten.
Dabei sollten Ria und Frank Naust mit ihrem Sortiment an dicken Socken und wärmenden Handschuhen eigentlich von den winterlichen Temperaturen profitieren können – tun sie aber nicht, genau so wenig wie von den anderen Veränderungen der vergangenen Jahre.
"Wir hatten im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen von rund 50 Prozent", sagen die Eheleute, die seit 28 Jahren auf den Wochenmarkt kommen, und wünschen sich eigentlich nur an eine Stelle zurück: In die Fußgängerzone, wo der Wochenmarkt bis vor rund drei Jahren beheimatet war. Und wo sie noch nicht, wie jetzt, um ihre Existenz fürchten mussten. "Uns fehlt ganz klar die Laufkundschaft", sagen die Nausts, "denn niemand geht gezielt auf den Wochenmarkt, um Socken zu kaufen."
Um die Verluste auszugleichen, haben sie ihren Stand bereits um zwei Meter verkürzt, an den anderen Tagen der Woche verkaufen sie auf den Märkten im Umkreis. Etwas Schlimmeres als der Umzug auf den Neumarkt und die Schließung von Karstadt, sagen sie, hätte ihnen nicht passieren können.
"Vor drei Jahren, gleich nach dem Umzug", erinnert indes Gemüsehändler Rüb, "ist der Markt toll eingeschlagen. Doch seit Karstadt geschlossen hat, geht es bergab." Dabei fehlten nicht nur zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten, die die Solinger überhaupt in die Stadt lockten, sondern auch Parkplätze für die Marktbesucher.
"Immer mehr Leute gehen mittlerweile auswärts einkaufen." Dass bereits ein Teufelskreis entstanden ist, in dem bei gestiegenen Gebühren immer weniger Händler auf den Markt kommen, der für die ohnehin schon wenigen Kunden dadurch nicht attraktiver wird, während die Stadt zugleich ihre Kosten nicht decken kann und weitere Gebührenerhöhungen folgen könnten, ist dem 57-Jährigen bewusst. "Aber wir sind alle nicht hier, um Spaß zu haben, sondern wir müssen hier Geld verdienen."
Auch im Initiativkreis Solingen, sagt dessen Vorsitzender Jan Höttges, sei die Verlegung des Marktes zurück in die Fußgängerzone, bis sich die Situation um das alte Karstadt-Gebäude geklärt habe, bereits besprochen worden. "Ich verstehe, dass die Situation für die Händler unbefriedigend ist." Durch eine Verlegung könne er sich durchaus eine "Win-Win-Situation" vorstellen, von der Markthändler und Einzelhändler in der Hauptstraße profitieren könnten. Allerdings, gibt er zu bedenken, wäre es wiederum für die Händler rund um den Neumarkt schlecht, wenn der Wochenmarkt umzöge.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



