Solingen: "Fusionen haben keinen Erfolg"
zuletzt aktualisiert: 14.10.2009Solingen (RPO). Interview Joachim Wichelhaus, Vorstand der Bergischen Krankenkasse, sieht seine Krankenkasse alleine gut aufgestellt. Das soll auch so bleiben.
Die Bergische Krankenkasse hält nichts von Firmenzusammenlegungen. Sie will ihre Eigenständigkeit behalten, erklärt Vorstand Joachim Wichelhaus.
Kann eine regionale Krankenkasse heutzutage noch alleine auf dem Markt bestehen?
Wichelhaus Wir sind wirtschaftlich gut aufgestellt. Unser Vermögen und unsere Sicherheiten sind gut, und wir haben alles nötige Fachwissen durch hochqualifizierte Mitarbeiter selbst im Haus. Das heißt, wir können vom Controlling über Risikomanagement bis hin zu rechtlichen und medizinischen Fragen alles selbst klären. Wir sind seit Jahren autonom und unabhängig.
Ist das nicht sehr teuer?
Wichelhaus Wir besitzen mittlerweile eine Größe, bei der dieser personelle Aufwand nicht mehr belastet. Der Vorteil von eigenem Fachwissen ist, dass wir gute Verträge vor Ort abschließen können und bei den Verhandlungen auch medizinische Aspekte mit abdecken sowie die Verträge selber juristisch aufbereiten. Und weil wir uns nur auf die Region beschränken, besteht bei uns nicht – wie bei bundesweit tätigen Krankenkassen – die Gefahr, dass wir uns verzetteln. Wir betreiben eine regionsspezifische, auf die Bedürfnisse unserer Kunden ausgerichtete Versorgung.
Aber bieten nicht gerade Fusionen den Vorteil, dass man ähnliche Verwaltungsbereiche zusammenlegen und so Kosten sparen kann?
Wichelhaus Ich kenne keine Fusion, die nachhaltig Erfolg hatte. Bei jeder Fusion werden unterschiedliche Unternehmenkulturen zusammengeführt, also unterschiedliche Mitarbeiter-, Führungs- und Verwaltungskulturen. Das brauchen wir nicht. Wir haben schon eine effiziente Organisation und Verwaltung. Wir würden bei einer Fusion nur verlieren.
Können Sie denn die gleichen Leistungen wie bundesweite Krankenkassen anbieten?
Wichelhaus Wir bieten sogar drei Leistungspakete über den gesetzlichen Rahmen hinaus an. Unsere Stärke ist unsere Regionalität. Hier sind wir konkurrenzlos, weil wir mittendrin anstatt nur dabei sind. Wir sind im Bergischen gut vernetzt und haben viele Kontakte zu regionalen Partnern. In zwei, drei Jahren werden viele froh sein, dass es noch regionale Krankenkassen wie uns gibt. Das ist es ja auch, was sich jetzt CSU und FDP wünschen. Ich hoffe, dass die Koalitionsverhandlungen zu einem Umdenken führen und mittelständische Unternehmen wie wir wieder politisch unterstützt werden.
Schaffen Sie das denn alles ohne Beitragserhöhungen?
Wichelhaus Beitragserhöhungen sind nicht geplant. Wir sind zurzeit noch in den Haushaltsplanungen. Das geschätzte Defizit von 7,5 Milliarden Euro bei der gesetzlichen Krankenversicherung ist natürlich eine Hausmarke. Da muss jede Kasse rechnen, wie sie das ausgleichen kann. Aber wir haben eine gesunde Struktur und werden eine Lösung finden, die möglichst ohne Zusatzbeiträge für unsere Kunden sein wird. Heute kann ich immerhin schon sagen, das wir ohne Zusatzbeiträge in das kommende Jahr gehen.
Susanne Genath führte das Gespräch mit Joachim Wichelhaus.
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