Solingen: Geisterdiskussion in der Kultur beendet
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 03.02.2011Solingen (RPO). Ob das Symphonieorchester Wuppertal mit den bergischen Symphonikern fusioniert, ist die vorrangige Entscheidung, die in den drei bergischen Großstädten zu treffen ist. Alle anderen Sparvorschläge sind nachrangig, weil sie keine nennenswerten Entlastungen bringen. Dieses Fazit zog Dr. Martin Dehli von der Münchener Unternehmensberatung Actori, die gestern im Haus Müngsten ihre "kulturpolitischen Kooperations- und Fusionsszenarien für das bergische Städtedreieck" vorstellte.
Gleich zu Beginn stellte Dehli klar, dass viele der Vorschläge nicht neu sind. Das Gutachten habe die Aufgabe, die bisher geführte "Geisterdiskussion" zu versachlichen und durch Entscheidungen zu beenden. Solingens Oberbürgermeister Norbert Feith, der am Vormittag das Gutachten den Vertretern der Ratsfraktionen zur Verfügung gestellt und auch die beiden Generalmusikdirektoren der Orchester informiert hatte, stellte bei der Präsentation klar: "Es gab keine Vorgaben, wie viel eingespart werden soll. Es ging in erster Linie darum, Mehrkosten in der Kultur zu verhindern."
Wichtig sei es den Experten von Actori gewesen, die Diskussion nicht nur unter finanziellen Aspekten zu führen, sondern auch die kulturellen Inhalte nicht aus den Augen zu verlieren. Dehli weiß, wovon er spricht: Der bei Actori für das Gutachten verantwortliche Projektleiter leitet auch ein Orchester. Was die beiden bergischen Orchester angeht, stellte er klar: "Nichtstun hieße, beide Orchester zu gefährden." Langfristig könnte den überschuldeten Kommunen von höherer Stelle untersagt werden, sich eigene Orchester zu leisten, wissen die Oberbürgermeister. 90 Prozent der Kosten für das Actori-Gutachten zahlt das Land. Da liegt es nahe, dass man in Düsseldorf Ergebnisse sehen will. Bis das Gutachten vorlag, hatten die Experten aus München in den bergischen Städten mit den Kulturschaffenden unzählige Gespräche geführt. "Dabei wurde klar, wie sehr alle an ihren Theatern und Orchestern hängen", sagte Martin Dehli. Alle hätten aber auch eingesehen, dass man ums Sparen nicht herumkomme. Alle Kultureinrichtungen seien bereits heute "extrem schlank" aufgestellt. Außer bei einer Orchesterfusion wurden kaum Einsparpotenziale gefunden, will man keinen kulturellen Kahlschlag erzielen.
Kulturverwaltung ist schon schlank
Die beiden anderen Sparmöglichkeiten bestehen, wie berichtet, in einem gemeinsamen Ticketverkauf der drei Städte (Einsparungen zwischen 100 000 und 150 000 Euro) und in der Zusammenlegung des Teo-Otto-Theaters Remscheid mit dem Kulturbüro Solingen, womit in Solingen 82 000 Euro und in Remscheid 115 000 Euro eingespart werden könnten.
Heute befasst sich der Kulturausschuss mit dem Thema. Er tagt ab 17 Uhr im Kammermusiksaal.
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