Solingen: Gemeinde gestaltet mit
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012Solingen (RP). Presbyter sind ehrenamtliche Gemeindemitglieder, die sich der großen Verantwortung stellen, das Gemeindeleben mitzugestalten. In sieben evangelischen Gemeinden wird morgen ein neues Presbyterium gewählt.
In sieben der zehn Gemeinden des evangelischen Kirchenkreises wird am Sonntag ein Presbyterium gewählt. Dass in Wald, Ohligs, Widdert, Rupelrath, Dorp sowie der Luther- und der Stadtkirchengemeinde Wahlurnen aufgestellt werden und so die Gemeinde tatsächlich unter den Kandidaten für das wichtige Leitungsgremium auswählen kann, wertet Superintendent Klaus Riesenbeck als eine erfreuliche Quote. "Damit liegen wir noch ganz gut", sagte er. Anderorts im Land sieht es mitunter deutlich schlechter aus mit dem Zuspruch zum Presbyteramt.
In Gräfrath, Ketzberg und Merscheid braucht keine Wahl stattzufinden, da sich hier nicht ausreichend Kandidaten finden ließen. Damit gelten die vorhandenen Bewerber als gewählt – wobei in Gräfrath noch ein fehlendes Presbyteriumsmitglied nachzuberufen ist.
111 Kandidaten
In den evangelischen Gemeinden Wald, Ohligs, Widdert, Rupelrath sowie die Stadtkirchen- und die Luther-Kirchengemeinde sind am morgigen Sonntag mehr als 32 000 Protestanten eingeladen, ein neues Presbyterium zu wählen. Um die insgesamt 100 ehrenamtlichen Plätze in den Leitungsgremien der sieben Gemeinden bewerben sich 111 Kandidaten.
Bei der letzten Presbyteriumswahl vor vier Jahren lag die durchschnittliche Wahlbeteiligung in den Solinger Gemeinden bei knapp elf Prozent.
Höhere Anforderungen im Job
"Insgesamt ist es in den Gemeinden schwieriger geworden, Kandidaten zu finden." Riesenbeck verhehlt dies im Gespräch mit unserer Zeitung nicht. Ein Grund sind gewiss die im Beruf gestiegen Anforderungen, so dass es für Engagierte zunehmend problematischer wird, die Zeit für ein Ehrenamt wie das des Presbyters zu erübrigen. Ein Problem, dass Vereine, aber auch Schulpflegschaften und andere beobachten, die auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen sind.
Vor vier Jahren bei der Presbyteriumswahl brauchte mangels Kandidaten in vier Solinger Kirchengemeinden nicht gewählt zu werden, darunter auch in der Lutherkirche. Und vor eineinhalb Jahren musste hier sogar ein Bevollmächtigten-Ausschuss als Leitungsgremium bestimmt werden: Nach dem Rücktritt des Finanzkirchmeisters hatte sich niemand für diesen entscheidenden Posten im Presbyterium gefunden.
Umso erfreulicher ist es für Riesenbeck, dass sich um die zwölf ehrenamtlichen Plätze im Lutherkirchen-Presbyterium jetzt 14 Gemeindemitglieder bewerben. "Es gibt eine Bereitschaft, sich in schwierigen Zeiten zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen", betont der Superintendent. Die Lutherkiche soll, wie berichtet, im Frühsommer nächsten Jahres geschlossen werden, weil die Gemeinde den Unterhaltungsaufwand der denkmalgeschützten Kirche nicht mehr bezahlen kann. Große Hoffnungen richten sich in der Gemeinde derzeit auf die Spendenaktion "Rettet die Lutherkirche".
Das Beispiel der von der Schließung bedrohten Lutherkirche macht deutlich, wie viel Verantwortung auf den Schultern eines Presbyteriums lastet. Zu entscheiden ist über alle wichtigen Fragen der Gemeinde, über die Einstellung oder die Entlassung von Mitarbeitern, über den Fortbestand oder das Aus von Einrichtungen. Riesenbeck weiß, dass es den Presbytern schlaflose Nächte kosten kann, wenn beispielsweise über die Schließung eines Kindergartens zu entscheiden ist.
Als vor Jahrzehnten angesichts deutlich besserer Kassenlage in Gemeinden noch über Neubauten und Neueinstellungen beraten werden konnte, machte dies auch die Arbeit der ehrenamtlicher Presbyter leichter. Heute, bei stagnierenden Finanzen, sieht dies freilich ganz anders aus. Mitunter ist zu entscheiden, wo als nächstes der Rotstift anzusetzen ist.
Prinzip im Presbyterium ist, zwar durchaus strittig zu diskutieren, Entscheidungen dann aber mit breiter Mehrheit einmütig zu fällen. Superintendent Riesenbeck ist von dem Modell der Gemeindeleitung eines Presbyteriums, in dem Ehrenamtliche aus der Gemeinde neben gewählten Vertretern aus dem Kreis der Mitarbeiter sowie den Pfarrern als geborene Mitglieder sitzen, überzeugt: Es lasse sich vor Ort in der Gemeinde gestalten.
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