Solingen: Graffiti-Spur durch Höhscheid
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 23.10.2010Solingen (RPO). Rot und Blau sind die Buchstaben und Worte, die Sprayer an Hauswänden, Mauern und Haltestellenhäuschen hinterlassen haben. Die Eigentümer müssen die Kosten für die Reinigung wohl selbst aufbringen.
Es sind nur drei Großbuchstaben: CAS. Doch die bringen einige Anwohner an der Brühler Straße auf die Palme. Denn sie stehen nicht in einem Heft oder Buch, sondern an Hauswänden, Mauern, Haltestellenhäuschen, Stromkästen und Containern – aufgesprüht in der Nacht zu Donnerstag mal mit roter, mal mit blauer Farbe. Auch Gerhard Hoffmann ist betroffen. Die drei Buchstaben prangen mitten an der grauen Grundstücksmauer.
"Das ist sehr ärgerlich, weil wir die Mauer gerade erst dieses Jahr neu gestrichen haben", sagt der Ingenieur vom Schneidforum Solingen. "Jetzt werden wir wohl noch mal drüber streichen müssen." Über die Täter kann er nur Vermutungen anstellen. "Das werden Jugendliche oder Halbstarke gewesen sein, die vielleicht gar nicht wissen, was sie anrichten", sagt er.
Die Polizei sucht bereits nach den Tätern, die an Brühler und Platzhofstraße gleich 24 Mal ihre Schmierereien hinterlassen haben. "Sie erwartet eine Anzeige wegen Sachbeschädigung", erklärt Polizeisprecher Michael Bartsch. Wie hoch der Sachschaden sei, stehe noch nicht fest. "Das hängt von den Reinigungskosten ab und ob eine Substanzbeschädigung vorliegt."
Große Hoffnung auf Kostenerstattung können sich die betroffenen Eigentümer allerdings nicht machen. Die Aufklärungsquote bei Graffiti-Schmiereien ist gering. "Die Polizei ist hier stark auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen", sagt Bartsch. Außerdem müssten die Graffitis eindeutig einem Täter zugeordnet werden können. "Das geht am besten bei so genannten ,Tags', bei denen die Sprayer ihr Werk mit ihrem Kürzel kennzeichnen."
In Wuppertal habe man diese Woche Glück gehabt. "Da waren einer Zivilstreife zwei mit Farbe bekleckste Jugendliche aufgefallen." Als die Beamten den 15- und den 21-Jährigen kontrollierten, seien sie prompt auf zehn Flaschen Farbe gestoßen – und auf zwei frische Farbschmierereien in der Nähe.
Nicht jedes unerwünschte Werk lässt sich wieder rückstandslos von Mauer oder Fassade entfernen. "Bei schwarzer Farbe kann es sein, dass Reste in den Poren übrig bleiben", weiß Anke Kuhn, Gebäudereinigungsmeisterin bei der Gebäudereinigung Emons. Außerdem könne es passieren, dass bei der Beseitigung der Schmiererei auch die ursprüngliche Hauswandfarbe mit abgehe.
20 bis etwa 180 Euro koste eine professionelle Reinigung mit dem "Graffiti-Mobil" der Solinger Firma. "Wir müssen ja das Gerät befüllen und hinausfahren, gegebenenfalls auch erst eine Genehmigung einholen, um vor Ort parken und den Bürgersteig sperren zu dürfen." Am einfachsten klappe die Reinigung, wenn die Fläche durch Nanopartikel geschützt sei. Rund 25 Euro pro Quadratmeter koste ein solcher Schutz, der optisch nicht zu sehen sei. "Das hat die Stadt jetzt auch bei einem Denkmal in Krahenhöhe machen lassen, das mit Hakenkreuzen beschmiert worden war", sagt Anke Kuhn
Das Technische Hilfswerk (THW) hat sich einen eigenen Schutz ausgedacht. Die etwa 20 Meter lange Mauer am Gebäude Lüneschlossstraße ist mit einem riesigen Graffiti versehen und zwar gewollt. Zu sehen sind Bilder zur Arbeit des THW. "Das haben wir gleich anbringen lassen, als wir im Jahr 2006 hierhin gezogen sind", berichtet Ortsbeauftragter Lutz Klever. "Und es hat sich gelohnt." Beschmiert worden sei die Wand seitdem nicht. "Es gibt offensichtlich einen Ehrenkodex unter den Sprayern, fremde Werke nicht zu übersprühen."
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