Solingen: Griff in Kasse des IVSH
VON UWE VETTER UND ANDREA RÖHRIG - zuletzt aktualisiert: 30.01.2010 - 10:00Solingen (RPO). Eine inzwischen gekündigte Mitarbeiterin soll rund 120 000 Euro veruntreut haben.
Industrieverband
Der Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren (IVSH) ist der Zusammenschluss von Herstellern hochwertiger Gebrauchsgüter unter anderem für Küche, Haushalt und gedeckte Tisch.
Der Verband zählt rund 115 Mitgliedsfirmen.
Sitz des Verbandes ist an der Neuenhofer Straße 24 in Höhscheid.
Dem Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren (IVSH) ist ein hoher wirtschaftlicher Schaden durch eine Mitarbeiterin entstanden. Erst im April 2008 flog sie auf und wurde umgehend entlassen. Der Griff in die Kasse des Verbandes erfolgte nach unseren Informationen über Jahre hinweg. Mal sollen es 100 oder 200 Euro gewesen sein, mal aber auch Beträge bis hoch zu 1000 Euro. Als die Sache im April 2008 schließlich aufflog, war ein finanzieller Schaden in Höhe von rund 120 000 Euro entstanden.
Mit "hoch krimineller Energie", wie es aus Verbandskreisen heißt, sei die damals für die Buchführung des Verbandes tätige Mitarbeiterin vorgegangen. Ihr auf die Schliche zu kommen, sei nicht einfach gewesen. So seien entnommene Beträge beispielsweise gegen Ende des Jahres zunächst wieder eingezahlt worden, um die Bilanzkonten auszugleichen und das Zahlenwerk zum Jahresende wieder stimmig zu gestalten. Direkt zu Jahresbeginn seien die Beträge wieder abgehoben worden.
Da fiel es den ehrenamtlich tätigen Rechnungsprüfern des Verbandes aus der Mitte der IVSH-Mitglieder schwer, die Unregelmäßigen zu entdecken, hieß es gestern auf Anfrage. Dem Wirtschaftsprüfer des Verbandes fiel es dann doch bei einer Jahresprüfung auf: "Als die Lawine zu groß wurde und nicht mehr durch Luftbuchungen zu verschleiern war, kamen die Unregelmäßigkeiten innerhalb der Buchführung ans Tageslicht", heißt es aus Kreisen des Industrieverbandes.
Im Sonderrundschreiben Nr. S 3/2008, das unserer Zeitung vorliegt, wurden die IVSH-Mitglieder über "einen ausgesprochen unschönen Vorgang innerhalb des Verbandes" in Kenntnis gesetzt. Von Unregelmäßigkeiten innerhalb der Buchführung" ist da die Rede und dem Hinweis, dass man sich von betreffender Mitarbeiterin "mit sofortiger Wirkung" getrennt habe. Ungeachtet des eingetretenen Schadens "war und ist die Liquidität unseres Verbandes in keinster Weise gefährdet", wurde versichert. Der Etat des IVSH hat ein Volumen von rund einer Million Euro.
Der IVSH-Vorstand sah die Geschäftsleitung bei der Unterschlagung indes nicht involviert. Von daher wurde dem Geschäftsführer das "uneingeschränkte Vertrauen" ausgesprochen. "Es war gleichwohl eine unangenehme Jahreshauptversammlung", erinnert sich ein Teilnehmer an die Mitgliederversammlung im Juni 2008 hinter verschlossenen Türen im Deutschen Klingenmuseum. Dort beschloss man wohl auch, die Angelegenheit unter der Decke zu halten, um dem Verband nicht zu schaden.
Gegen die damalige Mitarbeiterin des Verbandes ist nach unseren Informationen aber nie Strafanzeige wegen der Unterschlagung gestellt worden. Sie hatte aber im Oktober 2008 Antrag auf Privat-Insolvenz gestellt. Daraufhin wurde jedoch die Staatsanwaltschaft tätig. "Es bestand der Anfangsverdacht, dass sie die Sozialversicherungskasse betrogen hat. Diese Beiträge hat sie aber alle bezahlt. Daraufhin wurde das Verfahren Ende 2009 wegen erwiesener Unschuld eingestellt", sagte Presse-Staatsanwalt Wolf Baumert. Offen ist derzeit, ob die Staatsanwaltschaft jetzt mit Bekanntwerden dieses Vorfalls Ermittlungen einleiten wird.
Der Verband hofft, dass das unterschlagene Geld wieder zurückgezahlt wird. "scheibchenweise", so lautet die Hoffnung. Doch selbst das dürfte wegen der Privatinsolvenz ein schwieriges Unterfangen werden.
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