Solingen: Gut genutztem ÖPNV droht Sparrunde
VON ANDREA RÖHRIG - zuletzt aktualisiert: 15.04.2009Solingen (RPO). Die Zahlen sind beachtlich: Jeder vierte bis fünfte Solinger ist Nutzer des ÖPNV, insgesamt sind es 22 Prozent. "Das wir so gut liegen, hätten wir nicht gedacht", ist selbst Silke Rampe, Sprecherin der SWS-Verkehrsbetriebe, darüber überrascht, was das Ingenieurbüro IGS im Auftrag der Stadt zur Prüfung einer Verkehrsentlastung der Innenstadt (wir berichteten) bei der Befragung von 8810 Solingern zusammen getragen hat. Vor allem Frauen nutzen in der Klingenstadt Bus und Bahn (24,7 Prozent), in der Altergruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen sind es sogar 70,3 Prozent. Im Vergleich dazu sind die Männer eher Bus-Muffel. Von ihnen nutzen 17,7 Prozent den ÖPNV, in der Altersgruppe zwölf bis 17 sind es 58,9 Prozent.
2007 gab es viele Proteste
Diese Zahlen sind allein schon deshalb von Belang, weil ab kommendem Jahr im Solinger Liniennetz der SWS eine weitere halbe Million Euro eingespart werden soll. Das ist Vorgabe des städtischen Haushaltsicherungskonzeptes, und wie es Stadtkämmerer Ralf Weeke bislang immer unterstrich, zu hundert Prozent umzusetzen.
Bereits 2007 mussten 300 000 Euro eingespart werden. Was folgte, war die Verstärkung des Nachtexpresses ab Oktober 2007. Silke Rampe kann sich noch gut daran erinnern, welch mannigfaltige Proteste es nach der damaligen Reduzierung gab: "Einige Maßnahmen mussten wir wieder zurück nehmen, weil wir merkten, dass es nicht klappt", sagte sie. Und so ist sie sicher, dass bei den nächsten Kürzungen "die Luft schon sehr eng werden wird."
Heißt: Die Kunden werden es merken. Die Einschnitte aus 2007 haben sich in den Fahrgastzahlen nicht bemerkbar gemacht: Wie im Vorjahr waren es 25,5 Millionen Fahrten. Allerdings gab es auch keinen Zuwachs. Zum Vergleich: Die Leverkusener Kraftverkehr Wupper-Sieg erhöhte ihre Fahrgastzahlen mit den explodierenden Spritpreisen um stolze 6,5 Prozent.
Beim eigenen Verwaltungsaufwand haben die SWS-Verkehrsbetriebe bereits ordentlich an der Kostenschraube gedreht, dort ist nicht mehr viel zu holen. Eine neue Gesellschaft, in der Busfahrer, die neu eingestellt werden, niedriger entlohnt werden, ist in der Planung. Bis sich das finanziell auszahlt, wird es dauern. "Wir haben eine recht junge Fahrer-Belegschaft", unterstreicht die SWS-Sprecherin.
Zuletzt ist die Werkstatt unter die Lupe genommen und effizienter gemacht worden. Die letzte Kürzung hat unter dem Schnitt eine Reduzierung von 200 000 Kilometern Laufleistung im Jahr gebracht. Derzeit reißen die SWS-Fahrer 4,5 Millionen Kilometer ab. Und da es ja keine Stadtwerke-Fusion geben wird, ist auch das erwartete Einsparvolumen von einer Million Euro für die SWS-Verkehrsbetriebe vom Tisch.
Würde eine weitere Kürzung um eine halbe Million Euro dann umgerechnet eine Reduzierung der Laufleistung von weiteren rund 330 000 Kilometern nach sich ziehen? Wolfgang Ebeling, bei den SWS für die Verkehrsplanung zuständig, verweist an den Aufgabenträger, die Stadt. Derzeit gebe es noch keine Planung, erläutert er. Im kommenden Jahr, so berichtete Planungsdezernent Hartmut Hoferichter, soll für Solingen ein neuer Nahverkehrsplan aufgelegt werden. Mit den Daten, die nun auch IGS gesammelt hat. Mit einem kleinem finanziellen Aufwand könne man aus dieser Befragung sogar ableiten, ob die Linienführungen, so wie sie seien, Sinne machten, folgert Sonja Häcker vom Stadtdienst Mobilität. Einbezogen werden soll auch die Befragung der Fahrgäste der Obusse, die gerade ausgewertet würde, so Sonja Häcker.
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