Solingen: Hajo Jahn: "Wir bleiben hartnäckig"
zuletzt aktualisiert: 29.06.2009Solingen (RPO). "Unsere Petition für ein politisch und historisch korrektes Zentrum gegen Vertreibung an den Deutschen Bundestag war ein grandioser MissERFOLG", schreibt Hajo Jahn, Vorsitzender der Else-Lakser-Schüler-Gesellschaft, auf der Website der Wuppertaler Gesellschaft. Die vom Gesetzgeber geforderten 50 000 Unterschriften in sechs Wochen habe man "grandios verfehlt". Zum Stichtag Mitte Juni waren 1023 Stimmen per Online-Abstimmung abgegeben worden. "Hinzu kommen 1193 schriftliche Eingaben, überwiegend von Menschen, denen es nicht gelungen ist, die technischen Schwierigkeiten beim Registrieren auf der Bundestags-Website zu überwinden", erklärt Jahn. Mit ihrer Initiative wollte die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft erreichen, dass das in Berlin geplante Zentrum für Vertreibung um das Thema der Vertreibung der Künstler und Intellektuellen ab 1933 ergänzt wird. "Die großen Vertreibungen begannen bereits 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Künstler, Intellektuelle, Wissenschaftler, Politiker, Gewerkschafter und sogar Sportler wurden als erste vertrieben", so Jahn.
Jahn erklärt, die "Reputation der Unterzeichner" der gescheiterten Petition zu nutzen: "Wir bleiben hartnäckig, fühlen uns durch das positive Echo ermuntert." Unterzeichner der Petition waren unter anderen Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Polens Ex-Außenminister Wladyslaw Bartoszewski, Bischöfin Maria Jepsen, Johannes Gerster, Ralph Giordano, Reiner Kunze, Norbert Blüm, Sylvia Löhrmann, Hannelore Hoger und Iris Berben. Und deshalb sei die Initiative trotz ihres negativen Ausgangs auch ein Erfolg.
"Künstler wie Else Lasker-Schüler mussten ins Exil, Erich Mühsam, Carl von Ossietzky oder Else Uri, die Autorin des Kinderbuches ,Nesthäkchen' ins KZ. Was dann folgte, wissen wir. Wenn aber die vom Bundestag 2008 beschlossene Stiftung ,Flucht, Vertreibung, Versöhnung' die Deutungshoheit dem Bund der Vertriebenen überlässt, würde dessen Erinnerungsort die unkritische Perspektive auf die ,Vertreibung der Deutschen' zementieren", befürchtet Jahn.
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