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Solingen: Hells Angels abgeflogen

zuletzt aktualisiert: 26.05.2010

Solingen (RPO). Die Rocker haben anscheinend ihr Domizil in Aufderhöhe geräumt. Am Wochenende montierten Mitglieder des Chapters "Midland", die erst 2008 nach Solingen gekommen waren, Videokameras ab. Nachbarn sind erleichtert.

Einst hatte das Schild mit der Aufschrift "Angel Place" über dem Eingang des Rocker-Domizils geprangt.  Foto: RPO
Einst hatte das Schild mit der Aufschrift "Angel Place" über dem Eingang des Rocker-Domizils geprangt. Foto: RPO

Irgendwer hat das Schild "Angel Place" achtlos auf den Hinterhof des Hauses geworfen, und auch die Leuchtschrift, die bisher an der Vorderseite stand, ist verschwunden. Keine Frage, praktisch über Nacht haben die Hells Angels ihr Solinger Domizil verlassen. Nachdem die berüchtigte Rockergruppe noch vor wenigen Wochen in dem Gebäude der alten Gaststätte "Beim Öhm" in Aufderhöhe in den Mai gefeiert hatte, räumten die Mitglieder des Chapters "Midland", die erst vor knapp zwei Jahren aus Viersen in die Klingenstadt gezogen waren, offenbar am vergangenen Wochenende ihr Klubhaus. "Sie haben die Videokameras, die überall angebracht waren, abgebaut", berichtete gestern eine Nachbarin unserer Zeitung. Sie zeigte sich erleichtert über den Auszug der Rocker.

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Mordprozess

Immer wieder hatten die Angels – auch in Solingen – für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Zwar betonten die Nachbarn stets, sie selbst seien von den Rockern nie bedroht worden. Aber nach dem Anschlag im Herbst 2009 war die Angst in Aufderhöhe groß gewesen. Die Rocker selbst hatten sich nach der Attacke verbarrikadiert, zum Beispiel Gitter angebracht.

Der Mordprozess gegen den 31-Jährigen, der der Solinger Gruppe zugeordnet wird, wird nächste Woche in Duisburg fortgesetzt.

Ein Gefühl, das die Aufderhöherin mit vielen im Viertel teilt. "Es wäre gut, wenn der Spuk endlich vorbei wäre", fasste ein Mann die Empfindungen der Anwohner zusammen. Denn schon bald, nachdem die Hells Angels die ehemals beliebte, aber gleichermaßen heruntergekommene Kneipe im Spätsommer 2008 in Beschlag genommen hatten, war es mit dem Ärger losgegangen.

Immer wieder fanden in dem baufälligen Gebäude und in dem Garten dahinter laute Partys statt, ohne dass es irgendwer gewagt hätte, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Selbst die Polizei traue sich nicht, einzuschreiten, hatte es unter den Nachbarn geheißen. Der traurige Höhepunkt war aber der bewaffnete Angriff im vergangenen Herbst auf das "Angels Place". Unbekannte gaben damals mehrere Schüsse ab und schleuderten eine Handgranate gegen das Haus, nachdem zuvor ein Mann aus dem Umfeld der Solinger Hells Angels unter dem Verdacht verhaftet worden war, im Oktober 2009 ein Mitglied der Rockergruppe Bandidos ermordet zu haben.

Nichts an der ehemaligen Gaststätte "Beim Öhm" deutet mehr daraufhin, dass sich dort ein Klubheim der Hells Angels befindet. Foto: RPO

Zurzeit läuft in der Ruhrgebietsstadt der Prozess gegen den 31-Jährigen, während die zwei bislang verfeindeten Gangs einem Medienbericht zufolge Pfingstmontag eine Art "Friedensschluss" besiegelt haben sollen.

Inwieweit das Verschwinden der Hells Angels aus Solingen mit dieser Wendung im Zusammenhang steht, ist unklar. Bei der Polizei zeigte man sich gestern vom Abzug der Rocker überrascht. "Wir haben zwar Veränderungen wahrgenommen, aber von einem Auszug keine Kenntnis", erklärte ein Sprecher, nachdem er von unserer Zeitung auf die neue Entwicklung aufmerksam gemacht worden war. Im Rahmen des Streifendienstes hatten die Beamten immer wieder ein Auge auf das "Angels Place" geworfen.

Tatsächlich dürfte sich der Abzug der Rocker über längere Zeit hingezogen haben. "Schon vor zwei Wochen wurden Möbel ausgeräumt", sagte die Nachbarin, die nun nur eine Sorge hat: "Vor ein paar Jahren hieß es mal, die NPD wollte in das Gebäude", erinnerte sich die Frau, die jetzt fürchtet, die Rechtsextremen könnten erneut ein Auge auf das Anwesen werfen.

Quelle: RP

 
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