Solingen: Hering-Pleite trifft Saltus
VON UWE VETTER - zuletzt aktualisiert: 04.06.2009Solingen (RPO). Der Teilkonzern Hering der Saltus Technology AG ist zahlungsunfähig. Deshalb hat sich das Unternehmen entschlossen, Insolvenzantrag zu stellen. 63 Beschäftigte in Solingen sind davon betroffen, heute Vormittag ist Betriebsversammlung.
Aktionärsschützer haben beim Automobilzulieferer Saltus Technology AG schon lange Probleme gesehen, zumal die kompletten Abschlüsse der Geschäftsjahre 2007 und 2008 noch immer nicht vorliegen und die Hauptversammlung des Unternehmens aus dem Dycker Feld mehrmals verschoben worden ist (wir berichteten).
"Man muss das Schlimmste befürchten", sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) jüngst unserer Zeitung. Seine Befürchtungen scheinen nun bittere Realität zu werden: Die Saltus Technology AG hat jetzt mitgeteilt, dass der Teilkonzern Hering zahlungsunfähig ist. Daher habe man sich entschlossen, Insolvenzantrag zu stellen. In Solingen betrifft das 63 Beschäftigte der Hering Fertigungstechnik, die bereits seit November vergangenen Jahres Kurzarbeit fahren. Für heute Vormittag wurde eine Betriebsversammlung anberaumt.
Anteilseigner
Knapp 30 Prozent der Aktien der Saltus Technology AG – 70 Prozent befinden sich in Streubesitz – hält der Saltus-Aufsichtsrat.
Dem gehören Jürgen Schafstein (Vorstandsvorsitzender der Remscheider Gebr. Mannesmann AG) sowie Reinhard C. Mannesmann und Michael Nagel (beide im Aufsichtsrat der Gebr. Mannesmann AG) an.
Die Saltus Technology AG ist alleinige Inhaberin der Hering Präzisionstechnik (Aspach), die wiederum sämtliche Anteile an der Hering Schleiftechnik (Albstadt) und Hering Fertigungstechnik (Solingen) hält. Die Fertigungstechnik produziert unter anderem Teile für Kraftstoffeinspritzsysteme oder Dieselpumpenzylinder. "Wir müssen jetzt schauen, wie es weitergeht", erklärte gestern Unternehmenssprecher Hans-Jürgen Lupp, zunächst müsse der Insolvenzverwalter eine Bestandsaufnahme machen. Bestreben sei es aber, den Betrieb fortzuführen. "Alles ist noch sehr frisch, wir müssen sehen, was die nähere Zukunft bringt", ergänzte Lupp.
Zwar seien bei Hering aufgrund bereits in 2008 ergriffener erheblicher Sanierungsmaßnahmen erste Erfolge sichtbar geworden, und im Rahmen dieser Sanierung sei auch das Management ausgetauscht worden. Teilweise seien darüber hinaus wegen des Verdachts zu Lasten des Teilkonzerns Hering begangener Vermögensdelikte Strafanzeigen erstattet worden.
"Maßgeblich geprägt wird die aktuelle Entwicklung jedoch von der desolaten Lage in der Automobilzulieferindustrie. Dabei konnte der Teilkonzern Hering auch nicht nennenswert von der Abwrackprämie profitieren, da diese keine spürbaren Auswirkungen auf den Absatz von Dieselfahrzeugen hatte", schreibt die Saltus Technology AG in ihrer Ad-hoc-Meldung. Kurzfristige Mengenreduzierungen und Auftragsstornierungen hätten die Rückführung und auch Einstellung von ganzen Produktionslinien im Teilkonzern Hering veranlasst.
Zwischenzeitlich seien zwar konkrete und auch aussichtsreiche Verhandlungen mit Investoren geführt worden, um an liquide Mittel zu gelangen. Die konnten nach aktueller Einschätzung aber nicht mehr rechtzeitig zum Abschluss gebracht werden, um den laufenden Geschäftsbetrieb bei Hering zu finanzieren. Da der Teilkonzern Hering nicht mehr über ausreichende liquide Mittel verfügt, seinen laufenden Verpflichtungen nachzukommen, hat man sich entschlossen, Insolvenzantrag zu stellen.
Kein Termin für Aktionärstreffen
Zu den Kunden des Solinger Automobilzulieferers gehören unter anderem Bosch und Conti. Und denen, weiß die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, gehe es auch nicht so gut. Abgesehen von einer Grundstücksverwaltungs GmbH mit Sitz in Solingen stellen die Hering-Gesellschaften die Kernunternehmen der Solinger Aktiengesellschaft.
Deswegen zeigte sich Unternehmenssprecher Hans-Jürgen Lupp auch gestern nicht in der Lage, einen neuen Termin für die Hauptversammlung der Saltus Technology AG zu nennen. "Darüber kann ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage treffen", erklärte der Unternehmenssprecher.
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